Die ARD porträtiert den Ausnahmeschauspieler und Politikerspross Matthias Brandt Fernsehdebüt als Kanzleramtsspion

Bremen. Bereits in die fünfte Staffel geht die ARD-Reihe "Deutschland, deine Künstler". Den ersten Film hatte vor fünf Jahren Inga Wolfram gedreht, damals über den Schauspieler Armin Mueller-Stahl. Sie steuert nun auch den 23. bei, der den Schauspieler Matthias Brandt porträtiert (heute, ARD, 22.55 Uhr). Der Mann ist der Sohn des früheren Bundeskanzlers Willy Brandt und sagt von sich selbst: "Ich war ja als Kind berühmt, dann war ich eine relativ lange Zeit lang nicht berühmt, jetzt gibt es wieder eine gewisse Aufmerksamkeit."
25.07.2012, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Jens Müller

Bremen. Bereits in die fünfte Staffel geht die ARD-Reihe "Deutschland, deine Künstler". Den ersten Film hatte vor fünf Jahren Inga Wolfram gedreht, damals über den Schauspieler Armin Mueller-Stahl. Sie steuert nun auch den 23. bei, der den Schauspieler Matthias Brandt porträtiert (heute, ARD, 22.55 Uhr). Der Mann ist der Sohn des früheren Bundeskanzlers Willy Brandt und sagt von sich selbst: "Ich war ja als Kind berühmt, dann war ich eine relativ lange Zeit lang nicht berühmt, jetzt gibt es wieder eine gewisse Aufmerksamkeit."

Ein typischer Brandt-Satz. Die sich in dem Film äußernden Kollegen kommen immer wieder auf dieses Understatement, auf diese wohl einer sympathischen Hemmung entspringende Lässigkeit zu sprechen. Etwa Axel Milberg: "Er ist ein wahnsinnig feiner Mensch, der behutsam und von altmodischer Höflichkeit ist." Oder Hans Steinbichler: "Ich glaube, dass Matthias Brandt eine solche Diskretion gegenüber anderen Menschen hat, dass es für ihn das allergrößte Wagnis war, einen Beruf zu wählen, der genau das konterkariert."

Steinbichler ist Regisseur der vor einem Jahr von der ARD ins Nachtprogramm abgeschobenen Skandal-"Polizeiruf"-Folge "Denn sie wissen nicht, was sie tun". Skan-dalös war damals nicht der Film, sondern seine Abschiebung durch eine Jugendschutzbeauftragte des Bayerischen Rundfunks. Immerhin über diesen Vorgang hatte Brandt nicht diskret geschwiegen. Am Ende erhielt er für seine mimische Leistung in besagtem Film verdientermaßen den Bayerischen Fernsehpreis.

Die Preisverleihung zeigt Inga Wolfram in ihrem Porträt, die Kontroverse dahinter wird nicht vertieft. Das ist typisch für die Reihe, die nicht kontrovers sein will, sondern lobend. Der Off-Kommentar kommt so gravitätisch daher, dass der Zuschauer sich immer wieder versichern muss, es nicht mit einem Nachruf zu tun zu haben.

"Zufall oder Ironie des Schicksals?", fragt besagte Off-Stimme im Hinblick auf Brandts Rolle in "Im Schatten der Macht" (2003). Er spielte Günter Guillaume, den DDR-Spion im Kanzleramt, dessen Enttarnung den Rücktritt des Vaters veranlasst hatte. Die Ironie darf Regisseur Oliver Storz für sich verbuchen, der sich den Besetzungscoup ausdachte. Brandt junior jedenfalls wurde durch die Rolle bekannt und ist seither regelmäßig im Fernsehen zu sehen. Seit 2011 ist er zudem – mehr Ehre gibt es kaum – TV-Kommissar am Sonntag: Hanns von Meuffels, ein Bremer in München. Die Herkunft seiner Figur wie auch seine schauspielerische Ausnahmeleistung rechtfertigen jedes Lob. Dass Brandt bekennender Werder-Fan ist, natürlich auch.

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