Die Galerie Ohse zeigt unter dem Titel „Kirschenträger und Vogelküsse“ Werke von Richard Vogl

Festgehaltene Träume

Bremen. Kirschenträger und Vogelküsse – welch ein seltsamer Titel für eine Ausstellung. Tatsächlich hat Richard Vogl in diesem Jahr zwei Ölpastelle gemalt, die Frauen beim Tragen überdimensionaler Früchte und beim Tête-à-Tête mit einem grünen Vogel zeigen.
08.10.2017, 00:00
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Von Peter Groth
Festgehaltene Träume

Interesse an sauber gestalteten Bildflächen: Dieses Bild des Malers Richard Vogl aus dem Jahr 2015 trägt den Titel "Hinter E." und wurde mit Öl auf Leinwand gemalt.

Herbert Stolz und Galerie Ohse, Galerie Ohse

Bremen. Kirschenträger und Vogelküsse – welch ein seltsamer Titel für eine Ausstellung. Tatsächlich hat Richard Vogl in diesem Jahr zwei Ölpastelle gemalt, die Frauen beim Tragen überdimensionaler Früchte und beim Tête-à-Tête mit einem grünen Vogel zeigen. Der in der bayerischen Oberpfalz lebende Maler und Zeichner ist kein Surrealist und eigentlich auch kein Künstler, der mit seinen Bildern vordergründig Geschichten erzählt. Dennoch wimmelt es in seinen Arbeiten von Menschen und Tieren. Nach einer großen Retrospektive im Passauer Museum Moderner Kunst sind jetzt neue Bilder von Richard Vogl in der Bremer Galerie Ohse zu sehen.

Vogl, 1952 geboren, 1980 Meisterschüler bei Rudi Tröger an der Münchener Akademie der Bildenden Künste und 2004 als ordentliches Mitglied in die Bayerische Akademie der schönen Künste berufen, zeigt in seinen Bildern eine wenig spektakuläre, eine stille Welt. Wie auf einer Bühne sind dort Menschen in sehr farbiger Bekleidung zu sehen, die einen Vogel beobachten, einen Hund an der Leine führen, sich gegenseitig Blumen schenken oder vor Freude in die Luft springen. Selten einmal wird die Szenerie skurril, wenn etwa eine Frau auf einem Hund reitet, wenn eine weibliche Person waagerecht in der Luft schwebt oder einen Ast mit überdimensional großen roten Kirschen wie eine Monstranz vor sich her trägt. Fast wirken diese Motive wie im Bild festgehaltene Träume.

Die differenzierte Farbigkeit der Kleider, Röcke, Hemden und Hosen, die zumeist einfarbigen Hintergründe in ebenso kräftiger Koloristik deuten das Interesse Richard Vogls an der sorgfältig gestalteten Bildfläche an. Auf die Komposition, auf immer neue Figurenkonstellationen und damit auf die Rhythmik der Farben legt der Maler allergrößten Wert. Vor allem in den Ölbildern sieht man viele Übermalungen, die letztendlich zur gewollten verdichteten Darstellung des Motivs führen. Die malerische Ausformulierung der menschlichen und tierischen Figuren spielt dabei eine eher untergeordnete Rolle. Köpfe, Gesichter, Gliedmaßen und Körper bleiben vage, wichtiger scheinen dem Künstler ihre Farbigkeit und der nachvollziehbare Gestus seiner Malerei zu sein.

Galerist Birk Ohnesorge hat die kleinformatigen Pastelle und die von Vogl jeweils in wochenlanger Arbeit gemalten Ölbilder deshalb auch nicht chronologisch oder in Motivgruppen aufgeteilt, sondern sich bei der Hängung von Farbgebungen leiten lassen. Separiert hat er jedoch die Kohlezeichnungen, einen ganz eigenen Werkkomplex. Richard Vogl wählt für seine mit breitem Kohlestift ausgeführten Blätter ganz einfache Motive, die er mit brüchiger Linie zeichnet. Pure Linien, keine Verwischungen, die räumliche Tiefen suggerieren könnten – das ist schon wieder so einfach, dass man als Betrachter ins Grübeln über Sinn und Ziel kommt.

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