Musikfest Bremen

Festival-Auftakt mit mediterranem Flair

Bremen. Während des Empfangs im Rathaus zogen sich ein paar dunkle Wölkchen zusammen. Doch als um 19.30 Uhr die Sänger, Musikerinnen und Dirigenten an den sieben Spielstätten in Aktion traten, zeigte sich Bremen von seiner mediterranen Seite.
22.08.2010, 08:00
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Von Rose Gerdts-Schiffler
Festival-Auftakt mit mediterranem Flair

Äußerst stimmungsvoll präsentierte sich die Eröffnungsveranstaltung "Eine große Nachtmusik", die den Besuchern an sieben

Christina Klinghagen

Bremen. Während des Empfangs im Rathaus zogen sich im Osten ein paar dunkle Wölkchen zusammen. Doch als um 19.30 Uhr die Sänger, Musikerinnen und Dirigenten an den sieben Spielstätten ihre Notenständer ein letztes Mal zurechtrückten, zeigte sich Bremen den Akteuren und Zuhörern von seiner mediterranen Seite. Tausende genossen neben hochkarätiger Klassik und den kostenlosen Darbietungen junger Talente in den Einkaufspassagen die wundersam illuminierten Gebäude um den Marktplatz.

Gut 850 Lampen hatte Nils Aulmann gemeinsam mit seinen 40 Kollegen von der Firma Gotaque seit Freitag aufgestellt und verkabelt. Das Konzept dahinter hatte wie im vergangenen Jahr der Lichtdesigner Christian Weißkircher ausgearbeitet. Für Buten- und Binnenbremer, die gestern das erste Mal dabei waren, wird die Hansestadt fortan vermutlich in einem neuen Licht erscheinen: Ob Schütting, Rathaus oder Bürgerschaft, über allem schien ein warmer, leichter Zauber zu liegen. Den genossen Erika Albers und Anne Schwers auf ihrer Bank unter den Rathausarkaden bereits lange bevor es dunkel wurde. 'Es bringt Spaß, die vielen unterschiedlichen Menschen in der Stadt zu beobachten', sagte Erika Albers und zeigte auf den steten Strom an festliche gekleideten Konzertbesuchern, unter die sie sich junge Leute in Sandaletten und Shorts mischten.

Denn Musik gab es gestern nicht nicht nur im Landgericht, dem Schütting oder der Glocke, um nur drei der sieben Spielstätten zu nennen, sondern ab dem frühen Abend auch an neun unterschiedlichen Plätzen in der Innenstadt. Die City-Einzelhändler hatten zur langen 'Shopping-Nacht' geladen und 22 kostenlose Live-Konzerte von Jazz bis Klassik, von Folk bis Pop, Rock und Country für ihre Kunden im Angebot. Die wollten auch Erika Albers und Anne Schwers nicht verpassen.

Andere wie Flughafenchef Jürgen Bula und Frau Ingelore hatten sich für die klassische Variante 3 aus 21 entschieden. Wer wollte, konnte sich eine eigene musikalische Route zusammenstellen und jeweils ein 45-minütiges Konzert um 19.30 Uhr, eines um 21 Uhr und um 22.30 Uhr besuchen.

Der Intendant des Musikfestes, Professor Thomas Albert und Bürgermeister Jens Böhrnsen hatten zuvor den Sponsoren, Mäzenen und Freunden des Musikfestes im Rathaus renommierte Künstler wie auch spannende Geheimtipps versprochen. Da nicht wenige der Konzerte bis zum 11. September im gesamten Nordwesten von Spiekeroog über Hittfeld, Verden, Langförden und Emden dargeboten werden, trage das Musikfest zur kulturellen Identität der Region bei, zeigte sich Böhrnsen überzeugt.

Ein voll besetztes Haus konnte gestern die Glocke zum Auftakt der Großen Nachtmusik vermelden. Dort spielte das 2003 von Francois-Xavier Roth gegründete Orchester 'Les Siècles' - auf Deutsch: Die Jahrhunderte. Die Formation vereinigt Topmusiker einer neuen Generation, die sowohl auf historischen als auch modernen Instrumenten spielen und, so hieß es gestern im Vorfeld, mit neuen Perspektiven aufwarten. Ein Publikumsmagnet war auch der Arnold Schoenberg Chor, ein vielseitiges Vokalensemble, das im Dom auftrat.

So begeistert viele Zuhörer über die Darbietungen waren, fast tat es einigen leid, nach einem Gläschen Wein auf dem Marktplatz wieder in den nächsten Konzertsaal zu eilen. Zu schön war die stimmungsvolle Atmosphäre rund um den Roland. Doch Lichttechniker Nils Aulmann hatte einen Trost parat: Die 850 Lampen sollten erst weit nach Mitternacht erlöschen.

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