Wachsende Konkurrenz

Die Zukunft der Bremer Autokinos

Zu Beginn der Corona-Krise boomten sie: die Autokinos. Mittlerweile haben aber auch andere Kultureinrichtungen wieder geöffnet. Die Autokinos in Bremen gehen unterschiedlich mit der wachsenden Konkurrenz um.
08.07.2020, 05:00
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Die Zukunft der Bremer Autokinos
Von Alexandra Knief
Die Zukunft der Bremer Autokinos

Beim Auto-Lust-Spiel am Speicher XI bleibt der Veranstaltungskalender aktuell leer. Das Angebot wurde nicht so gut angenommen wie gehofft, so der ­Veranstalter.

Frank Schaub

Sie waren in den vergangenen Wochen und Monaten so ziemlich das letzte bisschen Kultur, das außerhalb der eigenen vier Wände trotz Corona noch erlaubt war: die Autokinos. Nun aber fährt das öffentliche Leben Schritt für Schritt wieder hoch und mit ihm – zwar langsam aber doch sichtbar – auch das kulturelle Angebot. Das anfangs große Interesse an den Open-Air-Filmvorführungen nimmt ab. Wie gehen die Bremer Autokinos damit um?

XXL-Autokino auf der Bürgerweide

Das XXL-Autokino auf der Bürgerweide hat seine Filmvorführungen am 28. Juni eingestellt. „Die Kinos machen wieder auf, der Zenit für Open-Air-Filme ist also erreicht“, sagt Mitorganisator Oliver Borgelt. „Man muss jetzt einfach andere Geschichten machen.“ Lediglich zwei Premierenfilme, darunter der plattdeutsche Bremen-Krimi „Boot un Dood“ (Termin ist voraussichtlich der 30. Juli), stehen noch aus. Doch die nach Angaben der Organisatoren Borgelt und Klaus Renoldi „größte Leinwand der Welt“ (550 Quadratmeter) bleibt noch länger auf dem Platz vor den Messehallen: In den kommenden Wochen stehen auf der Bürgerweide regelmäßige Motto-Partys, Konzerte und sogar ein Zirkus auf dem Programm.

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Am 10. Juli findet zum Beispiel „Die große Malle-Party“ mit Live-Acts statt; nur einen Tag später lädt das DJ-Duo Housedestroyer zur Autodisco. Am 24. Juli wollen die Veranstalter sogar versuchen, einen Rekord aufzustellen: den der größten Autodisco Deutschlands. Vom 31. Juli bis zum 22. August gastiert zudem der „XXL-Auto-Zirkus“ auf der Bürgerweide. Eine weitere Neuerung: Die Menschen müssen nicht mehr in ihren Autos sitzen bleiben, es stehen auch Bierzeltgarnituren für das Feiern im Freien zur Verfügung. Bis zu 400 Personen dürfen das Gelände zudem ohne Auto betreten, so die Veranstalter. Insgesamt läuft die Bespielung der Bürgerweide vorerst bis zum 23. August. Eine Verlängerung sei allerdings nicht ausgeschlossen, so Borgelt.

Auto-Lust-Spiel am Speicher

Das Auto-Lust-Spiel, das von Anfang an auf Live-Theaterstücke, Lesungen und Konzerte anstatt auf Kinofilme setzte, sollte eigentlich noch bis zum 28. August den Platz in der Überseestadt beleben. Das Projekt sollte Künstlern, denen durch die Corona-Krise jegliche Einnahmequellen genommen wurden, wieder einen Platz zum Auftreten geben. Nach einem Programm für die kommenden Wochen sucht man auf der Internetseite des Veranstalters allerdings vergeblich. Fürs Erste bleibt der Veranstaltungskalender leer. „Die Angebote wurden leider nicht so gut angenommen wie gehofft“, sagt Projektleiter Servet Mutlu.

Das Feedback der Gäste, die da waren, sei zwar durchweg positiv gewesen, so Mutlu, bei vielen Menschen sei die Angst vor der Pandemie allerdings doch noch zu groß, um an Kulturevents teilzunehmen, so seine Vermutung. Andere wiederum würden von den Auflagen abgeschreckt, die sie bei einer Teilnahme einhalten müssten. Doch ganz hat Mutlu die Hoffnung noch nicht aufgegeben. „Die Akquisearbeit läuft“, sagt er. Gerade setze man vor allem darauf, das Veranstaltungsgelände durch private Veranstaltungen, zum Beispiel Firmen-Events, zu beleben. Bis Mitte Juli bleibt die Bühne am Speicher XI. Dann müsse man weitersehen, so Mutlu.

Autokino an der Waterfront

Im Autokino vom Cineplex/Cinespace auf dem Gelände hinter der Waterfront werden weiterhin Filme gezeigt. Aktuell gibt es hier täglich ab 22.25 Uhr einen Film zu sehen. Frühere Vorstellungen seien leider nicht möglich, da es noch zu lange hell sei, sagt Theaterleiter Bernd Aurin. Gerade unter der Woche sei dies auch ein Grund dafür, dass die Nachfrage nach Autokino jüngst etwas nachgelassen habe. Hinzukomme, dass es nach wie vor wenige neu anlaufende Filme gebe.

Vor der Eröffnung des Autokinos in Bremen im Mai war das ­Cinespace schon an der Bespielung des Freiluft-Kinos in Brinkum beteiligt. „Der Hype in den ersten vier Wochen war gigantisch“, erinnert sich Aurin. „Auch, weil es noch keine anderen Freizeitaktivitäten gab.“ Damit seien die Zahlen jetzt zwar nicht mehr vergleichbar, dennoch wolle man bis Ende August an dem Angebot festhalten. „Wir sind ja eh hier“, sagt Aurin. „Ob wir nun elf oder zwölf Säle bespielen, spielt keine Rolle.“

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Bremer Kinos nicht alle zufrieden

Im Laufe der vergangenen Wochen haben die Bremer Kinos nach und nach alle unter strengen Abstands- und Hygieneregeln wieder ihre Türen geöffnet. Das Cineplex/Cinespace in der Waterfront, das Kommunalkino City 46, die Schauburg und das Cinemaxx zeigen sich mit dem Neustart zufrieden. In der Gondel, im Cinema Ostertor und auch im Cinestar im Kristallpalast laufe der Ticketverkauf bisher noch etwas schleppend an, so die Betreiber.

Alle betonen jedoch, wie positiv das Feedback ihrer Gäste auf das Hygiene- und Sicherheitskonzept sei. Gerade die Leiter der kleineren Häuser hoffen derweil weiterhin auf Lockerungen, was die Abstandsregeln betrifft, sodass sie bald wieder mehr Besucher in ihre Lichtspielhäuser lassen können.

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