NDR-Elbphilharmonie-Orchester glänzt mit dem Weihnachtsoratorium in der Glocke Frohgemut und andächtig

Bremen. Draußen vor der Tür tobte der Trubel des vierten Adventswochenendes plus Werder-Bremen-Heimspiel – volle Straßen und Straßenbahnen, Gedränge und Geschrei allüberall.
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Frohgemut und andächtig
Von Iris Hetscher

Bremen. Draußen vor der Tür tobte der Trubel des vierten Adventswochenendes plus Werder-Bremen-Heimspiel – volle Straßen und Straßenbahnen, Gedränge und Geschrei allüberall. Drinnen, im Großen Saal der Glocke, schaffte dagegen am Abend das NDR-Elbphilharmonie-Orchester unter dem umsichtigen Dirigat von Thomas Hengelbrock die Stimmung, die im Advent zwar oft beschworen, aber weniger oft zu finden ist. Das „Weihnachtsoratorium“ von Johann Sebastian Bach stand auf dem Programm des Orchesters, das im vergangenen Jahr noch NDR-Sinfonieorchester hieß und nun der Residenz-Klangkörper des neuen Hamburger Mega-Konzerthauses ist, das am 11. Januar eröffnet wird. Bachs sechszügiges, kunstvoll gebautes Kantatenwerk erzählt musikalisch und durchaus auch schon mit Mitteln des Musiktheaters die Weihnachtsgeschichte bis zum Epiphaniasfest.

Hengelbrock konzentrierte sich mit seinen Musikern, dem NDR-Chor sowie den Solisten auf die Kantaten I, IV, V und VI, sprang erzählerisch also von der Geburt Jesu zu dessen Definition als König und der Sehnsucht nach einem Erlöser, die auch durch die Anbetung der Weisen aus dem Morgenland virulent wird. Doch neue Könige haben immer Feinde – die Verfolgung durch Herodes und die Stärke des Glaubens als Gegenmacht klingt ebenfalls an. Hengelbrock stieg gleich im ersten Teil mit sehr zügigem Tempo und sensibel austarierter Dynamik ein, das „Jauchzet, frohlocket“ des Eingangschorals klang genauso wie der Titel es fordert. Diese Atmosphäre des Freudigen, Erwartungsvollen zog sich durch die gesamte Interpretation, es gab eine Fülle an fein gesetzten Akzenten und Schwerpunkten: Hier flink ausgeführte Staccato-Passagen („Bereite Dich, Zion“), dort eine wie frisch gewaschen anmutende Zwiesprache zwischen den sehr gut aufgelegten Oboen und dem klaren Sopran von Sophie Karthäuser in Teil IV („Flößt mein Heiland“), um nur zwei Beispiele zu nennen. Gleichzeitig verstand es Hengelbrock, Momente starker Innigkeit und Nachdenklichkeit einzustreuen wie das breit und leuchtend angelegte „Wie soll ich Dich empfangen“ in Teil I oder die Arie „Ach, wenn wird die Zeit erscheinen“ in Teil V, mit einem präzise aufspielenden Konzertmeister und drei wie miteinander verwoben klingenden Solo-Stimmen – Sophie Karthäuser, Christa Diwiak mit ihrem golden funkelnden Mezzo (sie war für die erkrankte Sophie Harmsen eingesprungen) und dem souveränen Tenor von Daniel Behle. Matthias Goernes Bass ­dagegen klang deutlich zu flach und vor allem in den Höhen seiner Rezitative arg wacklig.

Umwerfend dagegen präsentierte sich neben dem Orchester mit seiner starken dreiköpfigen Trompetenfraktion und überragenden Holzbläsern der NDR-Chor, der vor allem die Choräle wunderbar zwischen Hingabe und Hoffen austarierte. Lang anhaltender Applaus in der ausverkauften Glocke für alle Beteiligten.

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