"Everbody's Showgirl", 15. Mai, Theater am Goetheplatz

Gayle Tufts bringt das Showgirl nach Bremen

Bremen. "A Girl who does Shows" - was anderes soll Gayle Tufts sein als ein Showgirl? Am Sonnabend erwartet die Bremer ein Abend voller Musik, glitzernder Kostüme und knackiger Tänzer. Mit dieser Show möchte sich die Entertainerin nicht zuletzt selbst beschenken.
13.05.2010, 09:12
Lesedauer: 4 Min
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Von Simone Gorecki

Bremen. Eine Amerikanerin aus Berlin zu Besuch in Bremen: Gayle Tufts gönnt sich zu ihrem 50. Geburtstag im Juni dieses Jahres mit „Everybody’s Showgirl“ eine aufwändige Bühnenshow. Wir haben uns vorab mit ihr getroffen und über das neue Programm, Lebensqualität in Deutschland und ihre Beziehung zu Bremen gesprochen.

Am 15. Mai sind Sie mit Ihrer Show „Everybody’s Showgirl“ im Theater am Goetheplatz zu Gast. Was dürfen die Zuschauer erwarten?

Tufts:Das wird ein sehr bunter, musikalischer Abend. Mit Showbühne, Pailletten, ich habe drei knackige Tänzer auf der Bühne. Es gibt viel zu lachen und die Creme de la Creme aus Jazz, Musical und Soul zu hören. Man soll aus der Show kommen und sich besser fühlen als vorher.

Brauchen wir in Zeiten der „Krise“ mehr Shows?

Ja, ich denke schon. Gerade nach so einem langen Winter, oder wenn man 50 wird. Ich möchte nicht Anti-Depressiva nehmen. Wir wissen alle, wie gut es tut, wenn man ein bisschen tanzen geht und Spaß hat. Das Leben ist so kurz!

Wie ist es, im Goethe Theater aufzutreten?

Das ist schon toll. Damals in den 90ern habe ich beim Jungen Theater in der Friesenstraße angefangen! Einerseits ist es ein Geschenk zum 50. Geburtstag dort aufzutreten, andererseits habe ich es mir auch verdient. Ich habe mir das aufgebaut.

Haben Sie heute auch noch eine enge Bindung zu Bremen?

Oh ja, mein Lebensgefährte kommt aus Bremen, ich bin immer wieder gerne hier! Im vergangenen Jahr bin ich auf der Breminale aufgetreten, das war so eine tolle Atmosphäre. Ich würde gerne mehr Zeit hier verbringen, doch leider geht das nach den Auftritten nicht, wenn ich am nächsten Tag in einer anderen Stadt auftreten muss. Da bin ich das disziplinierte Showgirl, obwohl das sonst eigentlich gar nicht meinem Typ entspricht. (lacht)

Schreiben Sie Ihre Stücke selbst?

Ja, ich schreibe selbst. Ich habe dramaturgische Hilfe von Thomas Hermanns. Wir kennen uns noch aus Uni-Zeiten vor 25 Jahren, als wir noch ganz, ganz jung waren. Er hat bei acht meiner Shows schon Regie geführt. Er ist so ein guter Moderator, Thomas fragt mich einfach: „Was willst du machen? Was interessiert dich?“ Ich erzähle ihm etwas, er schreibt auf und lacht ab und zu. Nach und nach gehen wir die Stellen dann durch, die lustig waren und arbeiten ein Stück so aus. Mit dieser Show haben wir 65 Leuten Arbeit gegeben. Es ist wie ein kleines Musical. Es ist mir wichtig, in einem Ensemble zu arbeiten, Leuten Jobs zu geben. Ich bin wohl die künstlerische Leiterin. Wir arbeiten kollaborativ, alle machen ihren Job.

Zur Vorbereitung dieser Show waren wir übrigens in London und haben uns jeden Tag zwei Musicals oder Comedians angesehen. Wir waren über meinen Geburtstag dort. Als ich an dem Tag im Hotel die Treppe runterging, saß dort nur eine Frau und mir ist fast der Kiefer runtergefallen: Das war Patti Smith! Musicals, Comedians und Patti Smith – das ist eigentlich perfekt! Das macht mich aus.

Ist die Show so etwas wie eine Belohnung zum 50. Geburtstag?

Oh ja, absolut! Es ist etwas wie Revue passieren lassen – im wahrsten Sinne des Wortes. Show machen ist das, was ich kann. Ich habe das Handwerk dazu und sehe mich als Dienstleisterin, nicht als große Künstlerin. Ich möchte Leuten für ihr Geld etwas bieten.

Was macht denn ein gutes Showgirl aus?

Großzügigkeit, Präzision, Können. Für mich, als 49-jähriges Showgirl mit Kleidergröße 46, ist auch besonders eine große Portion Selbst-Ironie wichtig. (lacht)Besonders Großzügigkeit ist es, was auch meine Idole ausmacht: Bette Midler, Barbra Streisand, die frühe Liza Minelli. Die können tanzen und singen, haben so eine Lebensfreude. Heute haben das Beyoncé, Lady Gaga, Madonna. Mika und damals Elton John haben das auch drauf, das muss nicht immer ein Girl sein. Es gibt eine neue Generation von „Showkids“. Wir müssen alle unser inneres Showgirl befreien, es hat ein bisschen was mit sich zusammenreißen und seinen Job tun zu tun. Gerade nach einem so einem langen Winter wie diesem oder als Frau mit 50 muss man sagen: „Das war’s nicht! Ich habe auch was zu bieten!“

Was hat Sie ursprünglich nach Deutschland verschlagen?

Ein großer Grund für mich war nach Deutschland zu kommen, um mich als Künstlerin zu finden. Das ging in Amerika für mich nicht. Auch wenn man dort am Broadway arbeitet, braucht man noch einen Nebenjob, um Geld zu verdienen. Ich war Kindergärtnerin.

An der Uni (in New York, Anm. d. Red.) hatte ich auch viele Profs, die deutsches Theater toll fanden. Wir haben viele Videos von Stücken von Peter Stein und Johann Kresnik angesehen und Fassbinder-Filme mit Untertitel. Das war für mich interessant – ich wollte nach Europa kommen! Und die Lebensqualität ist hier schon sehr hoch. So eine Wohnung wie ich jetzt in Berlin habe, könnte ich mir in New York gar nicht leisten. Meine Kolleginnen in Amerika sind ein bisschen neidisch.

Kennt man Sie in den USA eigentlich?

Meine Familie, doch. Obwohl… (lacht)Nein, ich habe meine Karriere hier in Deutschland. Manchmal bin ich im Rahmen von deutschen Veranstaltungen unterwegs. Zum Beispiel an der Harvard University. Da habe ich auf einer Veranstaltung über Germany in the Modern World gesprochen. Ich glaube, ich war der Comic Relief. (lacht)Aber es war sehr interessant. Sonst bin ich deutschsprachig unterwegs, für das Goethe Institut beispielsweise. Mich würde es aber schon reizen, wieder was auf Englisch zu machen. Es ist aber nicht damit getan, einfach die Sprache zu übersetzen, man muss die ganze Show übersetzen. Das ist was für die nächsten paar Jahre.

 

Gayle Tufts tritt mit ihrer Show "Everbody's Showgirl" am 15. Mai um 19.30 Uhr im Theater am Goetheplatz auf.

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