Gemeinschaftsprojekt in der Corona-Krise

Zwölf Bremer Bands singen für Zukunft der Clubs

Zwölf Bremer Bands und Solokünstler nehmen gerade einen Song von ihren Wohnzimmern aus auf. Aus den einzelnen Schnipseln soll das Lied „Wir für Euch“ entstehen, das sich für die Bremer Club-Szene stark macht.
04.04.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Zwölf Bremer Bands singen für Zukunft der Clubs
Von Alexandra Knief
Zwölf Bremer Bands singen für Zukunft der Clubs

Musiker Alex Skipka alias Yokai in seinem heimischen Studio. Er und elf weitere Bremer Bands und Solokünstler nehmen gerade den Song "Wir für Euch" auf – jeweils von zu Hause aus.

Skipka

Es war eine Idee, die schnell Anklang fand: Wenn wir schon nicht auftreten und proben dürfen, dann musizieren wir halt alleine zu Hause und unterstützen damit noch die Bremer Clubszene, dachte sich Chris Richter von der Band Konfeddi. Also griff er zum Telefon und rief ein paar seiner Musikerfreunde an. Gemeinsam mit Alex Skipka (ehemals Faakmarwin, jetzt solo unter dem Künstlernamen Yokai unterwegs) sowie Alenna Rose und Tammo Reckeweg von der Band Lenna schrieb Richter den Song „Wir für Euch“.

Am Karfreitag wurde das Lied veröffentlicht:

Unterstützen wollen die Musiker mit ihrem Projekt die Bremer Club- und Kneipenszene, die wie viele andere Branchen in der Corona-Krise um ihre Existenz kämpft. Vor einer Weile hatte der Verbund Clubverstärker unter www.clubverstaerkerunited.de zu einer Spendenaktion aufgerufen. Mehr als 40.000 Euro sind dadurch schon zusammengekommen. Eine ganze Menge, aber noch nicht genug, finden die Bremer Musiker. Darum wollen sie mit ihrer Musik auf die Lage der Clubs aufmerksam machen, um so noch mehr Unterstützer zu gewinnen. „Wenn es keine Clubs gibt, gibt es auch keine Spielorte für uns“, sagt Alex Skipka.

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„Harte Zeiten brauchen Lieder“, heißt es in dem Gemeinschafts-Song oder "Ist schon 'ne komische Zeit, doch auch die geht vorbei“. Die Kernaussage der aufbauenden Nummer: Wir feiern heute für euch allein. "Wir wollten zeigen, dass es uns auch gelingt, im digitalen Raum positive Energien entstehen zu lassen", sagt Skipka. "Wir wollen ein Gefühl von Gemeinschaft erzeugen – auch, wenn wir physisch gerade nicht zusammen sein können."

Aber eine Gemeinschaft braucht mehr als vier Leute. Also fragten Richter, Skipka und die anderen bei weiteren Musikerkollegen an, ob sie bei dem Projekt mitmachen wollen. Sie wollten. Insgesamt zwölf Bands und Solokünstler, darunter Versengold und Afterburner, beteiligen sich nun an der Aktion. „Es sind also etwa 40 Musiker und Musikerinnen dabei“, sagt Richter. „Jeder hat bei sich zu Hause aufgenommen, aber irgendwie waren wir so doch zusammen.“ Seit etwa einer Woche werden nun also in vielen Bremer Wohnzimmern Saiten gezupft, Tasten gedrückt, Drums geschlagen und Vocals perfektioniert. Jeder hat seinen Part, jeder leistet seinen Beitrag dazu, dass am Ende aus der Arbeit vieler Einzelner ein großes Ganzes entsteht. „So richtig We-are-the-world-mäßig“, beschreibt Richter.

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Der Musikspielstätten- und Festival-Verbund Clubverstärker freut sich über das Projekt: „Wir sind total begeistert von dem Engagement und der Solidarität der Bremer Bands“, sagt Julia von Wild. „Gerade schauen wir, was wir als Clubverstärker als Gegenleistung auch für die Bands machen können.“

Produziert wird der Song von Afterburner-Schlagzeuger Ulrich Wortmann in seinem Farida Studio in Osterholz-Scharmbeck. „Die größte Herausforderung ist es, das Ganze so zusammenzufügen, dass es wie aus einem Guss klingt“, sagt Wortmann. „Es soll sich ja schließlich wie ein Song und nicht wie ein Puzzle anhören.“ Die meisten Aufnahmeschnipsel habe er aber bereits zusammen und das Ergebnis gefalle ihm schon ganz gut. Der fertige Song inklusive Video soll voraussichtlich kommenden Freitag online erscheinen, auf www.clubverstaerkerunited.de. Im Video, so hoffen die Musiker, werden auch noch ein paar weitere bekannte Gesichter als Überraschung zu sehen sein.

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