Bremen-Tatort "Die Wiederkehr" Geschmeidiges Familiendrama

Im neuen Bremen-Tatort "Die Wiederkehr" werden die Kommissare Lürsen und Stedefreund mit einem Familiendrama konfrontiert. Hendrik Werner hat die Folge gesehen und schildert seine Eindrücke.
14.03.2015, 12:03
Lesedauer: 2 Min
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Von Hendrik Werner

Neben Überseestadt, Werder und Sven Regener gibt es weitere Gründe, ein bisschen stolz auf Bremen zu sein. Seit einiger Zeit zählt dazu auch die erstaunlich konstante Güte der im kleinsten Bundesland produzierten „Tatort“-Folgen. Die jüngste trägt den Titel „Die Wiederkehr“ und wurde unter den bewährten Fittichen von Regisseur Florian Baxmeyer nach einem klugen und dramaturgisch stimmigen Drehbuch von Matthias Tuchmann und Stefanie Veith realisiert.

Baxmeyer, Jahrgang 1974, hat mehrfach ein großartiges Gespür für die realitätsnahe Umsetzung brisanter Stoffe made in Bremen bewiesen. So verantwortete er die im Februar vergangenen Jahres gesendete Folge „Brüder“, eine überragende Parabel, in der die kriminellen Machenschaften des stadtbekannten Clans M. sozusagen bis zur Kenntlichkeit entstellt wurden.

Wiedergekehrt scheint im neuen Radio-Bremen-Fall, der ein Wiedervorlage-Fall ist, ein als vermisst oder tot geltendes Mädchen zu sein: Fiona Althoff, deren Vater sich im Jahr 2005 in der Untersuchungshaft erhängt hat, nachdem ihm Ermittlerin Inga Lürsen (Sabine Postel) mit inqusitorischen Fragen zugesetzt hatte. Besagte vermeintliche Wiedergängerin (sehr stark: Gro Swantje Kohlhof) gibt zehn Jahre nach dem Verschwinden des Mädchens an, sie sei entführt und missbraucht worden.

Obwohl ein DNA-Test nahelegt, dass es sich bei der jungen Frau tatsächlich um das vermisste Kind handelt, bleiben Lürsen und Stedefreund (Oliver Mommsen) skeptisch. Denn einige Wortmeldungen der Familienmitglieder, zumal jene der dreifachen Mutter (Gabriela Maria Schmeide), deuten auf einen anderen Verlauf der ominösen Geschichte hin.

Baxmeyer und sein kreatives Team haben dem Plot gleich mehrere doppelte Böden und frappierende Ermittlungssackgassen zugefügt, um die Spannung so lange wie möglich zu halten. Diese Strategie verfängt nachhaltig. Dazu kommt die Qualität der Schauspieler: Neben Gro Swantje Kohlhof, die das angebliche Entführungsopfer ungemein facettenreich spielt, gefällt vor allem eine gute alte Bekannte: Gabriela Maria Schmeide, vormals Ensemblemitglied am Theater Bremen, verkörpert die Mutterfigur gleichermaßen plastisch wie rätselhaft – und trägt viel dazu bei, dass dieser überdurchschnittlich gute „Tatort“ dem Zuschauer selbst über die Auflösung hinaus als bewegendes Familiendrama erscheint.

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