Von Augenlidern und Hosentaschen Gesellschaft für Aktuelle Kunst präsentiert Unikate

Noch bis zum 12. Februar stellt die Gesellschaft für Aktuelle Kunst im Teerhof die Werke zeitgenössischer Künstler aus. Der Verein hofft, so neue Mitglieder zu gewinnen.
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Von Alexander Schnackenburg

Noch bis zum 12. Februar stellt die Gesellschaft für Aktuelle Kunst im Teerhof die Werke zeitgenössischer Künstler aus. Der Verein hofft, so neue Mitglieder zu gewinnen.

Die Kunstvereine nutzen sie, um neue Mitglieder zu gewinnen. Die Künstler können mit ihnen verstärkt auf sich aufmerksam machen. Und Sammler schließlich erwerben sie oft gern, weil sie üblicherweise günstiger zu haben sind als die Kunstwerke in den Galerien. Die Rede ist von „Jahresgaben“: Gemälden, Fotografien oder auch Skulpturen zeitgenössischer Künstler, die diese in Kooperation mit Kunstvereinen gern zum Ausklang eines Jahres ausstellen. So auch die Gesellschaft für Aktuelle Kunst (GAK) auf dem Teerhof. Noch bis Sonntag, 12. Februar, sind dort die Jahresgaben 2016/17 zu sehen und stehen, sofern sie nicht bereits den Besitzer gewechselt haben, zum Verkauf.

Das Museum teile sich mit den Künstlern sowohl die Kosten als auch die Erlöse der Arbeiten, berichtet Direktorin Janneke de Vries. Dieses Mal hat sie acht Positionen für die GAK ausgewählt, vier davon haben Bremer Künstler geschaffen. Es handelt sich
bei diesen Jahresgaben um Unikate und Editionen von Juliette Blightman, Kasia
Fudakowski, Christian Haake, Emese Kazár, Marie Lund, Max Schaffer, Michael Schmid sowie dem Musiker- und Künstlertrio „SEX“. Allesamt haben schon einmal, einzeln oder in der Gruppe, in der GAK ausgestellt.

Allzu viele Parallelen gibt es zwischen ihren Kunstwerken allerdings nicht. Die Jahresgabe von „SEX“ beispielsweise besteht aus konventionell anmutenden Klavierauszügen, die sich erst auf den zweiten Blick als unspielbar erweisen. Es handele sich um selbst produzierte Housemusik-Tracks, die die Künstler durch eine spezielle Software in klassische Notenschrift übertragen hätten, schreibt die GAK dazu. Es seien absurde Notengebilde entstanden, die den angedeuteten Gebrauchswert des Klavierauszugs konterkarierten. Tatsächlich müsste ein Pianist, der nach diesen Noten spielen wollte, mit beiden Händen jeweils ungefähr drei Oktaven zugleich greifen können.

Hosentaschen aus Bronze

Im Wortsinn griffiger kommen Marie Lunds Skulpturen „Hand Full“ daher: Bronzeabgüsse ihrer Hosentaschen. Münzen, ein Feuerzeug sowie Nähte und grobe Falten im Stoff sind als Abdrücke sichtbar. Als „absurd-dadaistisch“ charakterisiert die GAK Kasia Fudakowskis „Blinking Bonkers“, ein aus Keramik gefertigtes Augenlider-Mobile.

Die Britin Juliette Blightman hat sich für das Plakat „A bird in hand, is worth two in the bush“ dagegen auf die unteren Zentimeter eines Menschen konzentriert. Sie zeigt die Beine einer Frau an einem U-Bahnsteig in New York. Die Frau ist mit Schuhen und einer Tasche aus dem Hause „Gucci“ ausgestattet. Doch der Glanz der Edelmarke schimmert vor dem Eindruck der vorbeirauschenden U-Bahn eher matt: eine gekonnte Karikatur.

Die Jahresgabe des gebürtigen Bremerhaveners Christian Haake umfasst fünf Unikate. In mehrschichtigen Zeichnungen zeigt er städtische und industrielle Formen, die an Architekturfragmente erinnern. Als Impuls nennt er eine Zugfahrt, bei der die Landschaft zwar verschwommen vorbeiziehe, sich aber dennoch einige abstrakte Formen in der Erinnerung festsetzten.

Verkauf der Jahresgaben nur an Vereinsmitglieder

Ebenfalls aus fünf Unikaten setzt sich die Jahresgabe der gebürtigen Budapesterin und heutigen Bremerin Emese Kazár zusammen. Es handelt sich um Fragmente des großformatigen Ölgemäldes „Magdalena“, das eine weibliche Figur zeigte und das die Künstlerin nach Fertigstellung in kleine Einzelbilder auflöste. Janneke de Vries erkennt in den Bildern Kazárs „ein Wechselspiel zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit“.

Die Jahresgabe des Bremer Fotografen Michael Schmid zeigt die GAK selbst. Bei „Opening“ handelt es sich um ein Schwarzweiß´-Foto, das er von der Schlachte aus an einem der Eröffnungsabende des Museums aufgenommen hat. Der Betrachter blickt auch auf die großformatige Schriftarbeit Lawrence Weiners unterhalb der Fassade, sie spiegelt sich im Wasser der Weser.

Wie üblich, verkauft die GAK die Jahresgaben ausschließlich an ihre Mitglieder. Auf diese Weise, hofft Janneke de Vries, könne der Verein vielleicht den einen oder anderen Kunstliebhaber dazugewinnen. Derzeit zähle die GAK etwa 300 Mitglieder.

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