Führungen durch Bremen Großer Andrang beim "Tag des Denkmals"

Bremen. Maximal 40 Personen, mehr sollten es nicht sein bei der Führung. Gekommen sind mehr als 60, und Rolf Kirsch vom Landesamt für Denkmalpflege hat Mühe, sich bei allen verständlich zu machen. Ein Andrang wie fast überall an den über die Stadt verteilten Denkmälern.
12.09.2010, 20:30
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Großer Andrang beim
Von Jürgen Hinrichs

Bremen. Maximal 40 Personen, mehr sollten es nicht sein bei der Führung durch die Langenstraße. Gekommen sind dann mehr als 60, und Rolf Kirsch vom Landesamt für Denkmalpflege hat Mühe, sich bei allen verständlich zu machen. Ein Andrang wie fast überall an den über die Stadt verteilten Denkmälern, die am Sonntag beim 'Tag des offenen Denkmals' vorgestellt wurden.

Die Langenstraße ist mit guten 1200 Jahren die älteste Straße der Stadt, 'eine Hauptstraße des Handels', wie Kirsch seinen Zuhörern erklärt. Sie beginnt am Marktplatz und führt bis zur Stephanikirche, was die wenigsten wissen, denn im Faulenquartier heißt sie heute erst Geeren und noch ein Stück weiter Großenstraße. Die Straße mäandert, so wie ein Fluss mäandert, und tatsächlich: 'Die Langenstraße verläuft parallel zur Weser - eine Kaufmannssiedlung mit hochwassersicherer Lage am Fluss', sagt Kirsch.

Ein Pulk von Leuten

Er führt und viele folgen, ein Pulk von Leuten, auch woanders in der City, wo ein großer Teil der Veranstaltungen stattfindet. Marius und Gesa sind rein zufällig in die Führungen geraten. Das junge Paar hat einen Spaziergang gemacht und sah ein Hinweisschild am Rathaus. Kurzentschlossen sind sie dann hinein und haben sich die prächtigen Räume des Weltkulturerbes zeigen lassen. Auf den Geschmack gekommen, machen sie nun auch in der Langenstraße mit. 'Wir kommen aus Bremen, aber ganz ehrlich: So richtig kennen wir die Stadt eigentlich nicht.' Gesa wundert sich über sich selbst: 'Man macht Städtetouren, besichtigt alles, nur zu Hause, da macht man das nicht.'

Nun bekommen sie also die Schönheiten des Schütting erklärt, wechseln mit der Gruppe zum Kontorhaus, einem 1910 erbauten ehemaligen Bankgebäude, dem elf alte Giebelhäuser weichen mussten. Und stehen dann vor der Stadtwaage, die mit einer spielerisch dekorierten Fassade glänzt, eines der Fotomotive aus Bremen, die in keiner Sammlung fehlen dürfen.

Rolf Kirsch kennt, so scheint es, jeden Stein an diesem Gebäude aus dem Jahr 1587. Er berichtet von den Kriegsschäden und dem Streit um den Wiederaufbau vor allem der Rückfassade. Giebel ja oder nein, war die Frage, ähnlich wie später beim Bau des Bürgerschaftsgebäudes. Er erzählt auch von einzelnen Bauelementen, die eigentlich gar nicht zum Haus gehören, sogenannten Spolien, was so viel wie Beutestücke heißt. Ein Portal darunter, 400 Jahre alt und mutmaßlich mal Teil des alten Rathauses. Danach gelangte es irgendwie vor die Tür einer Schule, und nun schmückt das Portal den Hinterausgang der Stadtwaage, die heute ausschließlich für Kulturveranstaltungen genutzt wird.

Man hört und staunt, doch zwischendurch schauen einige Teilnehmer verstohlen auch mal nach der Zeit, sie wollen noch woanders hin, dieses Ehepaar aus Peterswerder zum Beispiel - 'wir haben heute kinderfrei, da ist noch eine zweite Führung drin'. Sie startet am Dom und behandelt unter anderem das nicht mehr genau lokalisierbare Grab des Heiligen Willehad, mit dem in Bremen alles anfing.

Eröffnet wird der 'Tag des offenen Denkmals' im alten Kaba-Speicher auf dem Kaffee-HAG-Gelände. Eigentlich sollte dort alles plattgemacht werden, 'der Abbruchantrag lag schon vor', erzählt Landesdenkmalpfleger Georg Skalecki den rund 200 Gästen. Doch dann kam in Verbindung mit einem mutigen Investor die Rettung, so wie einst beim alten Sendesaal von Radio Bremen, wo im vergangenen Jahr die Eröffnung stattfand. Skalecki nimmt?s als gutes Omen, als Beweis für die Durchschlagskraft von Denkmalschutz: 'Der Umgang mit unseren wertvollen historischen Ressourcen ist heute nicht mehr so leichtfertig.'

Kaffee HAG ist ein Beispiel dafür, die Fabrik am Holzhafen wird heute von der Firma Sirius als Business-Park genutzt. Die alten Gebäude sind stehengeblieben, und ein wahres Juwel, der Marmorsaal, hat neuen Glanz bekommen.

Auch der Bürgermeister freut sich, dass dieses Stück Industriearchitektur erhalten geblieben ist und an eine der vielen Marken in Bremen erinnert: 'Für viele, auch für mich, hat Kaba einen süßen Klang.' Denkmalpflege schaffe geschichtliches Bewusstsein und damit das Rüstzeug für die Zukunft, betonte Jens Böhrnsen.

Kurze Zeit später hilft er selbst mit, den Besuchern beim 'Tag des Denkmals' Wissenswertes über Bremen und seine Geschichte zu vermitteln. Böhrnsen lässt sich zum Rathaus fahren und übernimmt eine der vielen Führungen, die dort den ganzen Tag über laufen. Auf Publikum muss er nicht warten, das ist schon da.

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