Hafen-Revue-Theater spielt draußen

Seemannsgarn unter freiem Himmel

Nach monatelangem Corona-Stillstand geht es nun unter dem Motto „Revue-Theater im Hof“ auch beim Hafen-Revue-Theater weiter – und zwar fürs Erste wie bei den meisten anderen Theatern draußen.
23.07.2020, 05:00
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Seemannsgarn unter freiem Himmel
Von Alexandra Knief
Seemannsgarn unter freiem Himmel

Hier noch drinnen, bald im Hof: eine Szene aus "Liebe, Last und Fracht" im Hafen-Revue-Theater.

Frank Schaub

Musik schallt über den Innenhof des Hafen-Revue-Theaters in der Überseestadt, dann beginnt jemand zu pfeifen. Es ist Schauspieler Gordon Golletz. Langsam kommt er eine Treppe hinunter, sein Pfeifen verstummt und er beginnt zu singen. Davon, dass er Sehnsucht nach dem Hafen hat. Davon, dass die Speicher und die Schuppen seine Heimat sind. Golletz' Auftritt soll einen kleinen Vorgeschmack auf das geben, was in der Cuxhavener Straße nun endlich wieder möglich ist: Theater, live gespielt vor Publikum. Natürlich mit jeder Menge lokalem Hafen-Kolorit, urigen norddeutschen Charakteren und viel Musik.

Nach monatelangem Corona-Stillstand geht es nun auch beim Hafen-Revue-Theater weiter – und zwar fürs Erste wie bei den meisten anderen Theatern draußen. Unter dem Motto „Revue-Theater im Hof“ wird in diesem Jahr auf die übliche Sommerpause verzichtet und stattdessen Theater im Freien gemacht. Etwa 50 Leute haben im Innenhof des Theaters vor der kleinen aufgebauten Bühne Platz. „Genauso viele sind auch drinnen maximal zugelassen, sodass wir bei schlechtem Wetter dort spielen können“, sagt Claudia Geerken, künstlerische Leitung des Theaters, bei der Vorstellung des Programms. Um regenbedingte Ausfälle müsse sich also niemand sorgen. Und bei gutem Wetter können die Besucher nicht nur Theater im Freien genießen, sondern auch den neuen Beach Club im Innenhof nutzen – mit Bar und Sand und allem, was dazugehört.

Stücke um Abstandsregeln einzuhalten

Insgesamt fünf verschiedene Stücke aus dem altbewährten Repertoire wollen die Theatermacher im Hof spielen. Man habe die Stücke ausgewählt, bei denen sich auch auf der Bühne alle nötigen Abstandsregeln einhalten lassen, so Geerken. Los geht es am Sonnabend, 25. Juli, um 20 Uhr mit der Show "Das Phantom des Musicals", einer Revue, die Songs aus Musical-Klassikern wie "Cats", "Cabaret", "Das Phantom der Oper", "Tanz der Vampire" oder "Jekyll & Hyde" vereint.

Im August stehen die 20er-Jahre-Revue „Tanz auf dem Vulkan“, die Komödie „Paarungszeit“ und das Familienstück „Der Schlüssel zum Glück“ auf dem Spielplan. Zu guter Letzt zeigt das Theater am 5. September noch die Hafen-Revue „Liebe, Last und Fracht“. Das Stück spielt in den 50er-Jahren und erzählt von Theodor, der sich nach einer langen Seefahrt an Land auf die Suche nach der großen Liebe macht.

In die neue Saison und damit auch in die Indoor-Bespielung startet das Theater etwas später als sonst am 26. September. Eröffnet wird die Spielzeit mit dem Hafenkrimi „Seemanns-Trödel“. Das Stück spielt in Irmtrauds Antiquitätenladen am Bremer Hafen in den 1970er-Jahren und dreht sich um einen Gemälderaub. Die Vorstellung zum Saisonauftakt ist bereits ausverkauft.

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Eine Premiere soll es am 19. März 2021 geben: „Filmriss im Hafenbecken“ heißt das Stück aus der Feder von Ulrich Möllmann, neben Geerken künstlerischer Leiter des Theaters. Worum es genau geht, wollen die Theatermacher noch nicht verraten. Die eigentlich bereits für diesen April geplante Premiere von „Schlager-Flut“ wird coronabedingt auf 2022 verschoben.

Die vergangenen Monate seien nicht leicht gewesen, berichtet Geerken. Mit etwa 60.000 Euro Einnahmeausfall rechnet das Theater bis Jahresende. Einen Teil habe man durch Förderung und Spenden ausgleichen können, „das reicht aber leider nicht“, so Geerken. „Wir haben jetzt einen Kredit beantragt, um über die Runden zu kommen.“ Deshalb, aber nicht nur wegen des Geldes sind alle froh, dass es nun endlich wieder losgehen kann. „Mein Job ist meine Leidenschaft“, sagt Schauspieler Golletz. Nicht spielen zu können, sei deshalb nicht nur finanziell für ihn belastend gewesen. „Als Künstler muss man nun einfach mit Kreativität vorangehen und das Beste aus der Situation machen.“

Zum Schluss der Programmvorstellung am Mittwoch wird es noch einmal musikalisch. Geerken und Golletz singen gemeinsam den Song „Anders“ aus dem Stück „Der Schlüssel zum Glück“. Es geht in dem Lied darum, wie es ist, wenn sich plötzlich alles um einen herum verändert, auch, wenn man das gar nicht will. „Sei stark“, so die Kernaussage des optimistisch gestimmten Liedes. Eine passende Botschaft in der aktuellen Zeit.

Weitere Informationen

Termine sowie Tickets für die Veranstaltungen gibt es bei allen bekannten Vorverkaufsstellen von Nordwest-Ticket und im Internet unter www.nordwest-ticket.de.

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