Werbung mit besonderen Fotos von Büchern

Happy #bookfacefriday!

Die Stadtbibliothek Bremen tut es der New York Public Library und anderen gleich: Freitags posten Bibliotheken oder Literaturliebhaber Fotos von Buchcovern, die über sich selbst in die Wirklichkeit hinauswachsen.
27.01.2017, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Happy #bookfacefriday!
Von Silke Hellwig
Happy #bookfacefriday!

Unter dem Hashtag #bookfacefriday verbreiten sich vor allem auf Instagram Tausende von Fotos, auf denen Buchcover in die Wirklichkeit verlängert worden sind.

Stadtbücherei Recklinghausen

Die Stadtbibliothek Bremen tut es der New York Public Library und anderen gleich: Freitags posten Bibliotheken oder Literaturliebhaber Fotos von Buchcovern, die über sich selbst in die Wirklichkeit hinauswachsen.

Die New York Public Library tut es, die australische West Vancouver Memorial Library tut es, die Stadtbüchereien in Recklinghausen und Erlangen tun es, die Stadtbibliothek Bremen wird auch damit beginnen: Freitags posten Bibliotheken, Buchhandlungen, Verlage und einzelne Literatur- und Buchliebhaber aus aller Welt in sozialen Netzwerken unter dem Hashtag #bookfacefriday Fotos von Buchcovern, die sozusagen über sich selbst in die Wirklichkeit hinauswachsen. Vor allem auf den Plattformen Instagram und Pinterest finden sich mittlerweile Tausende solcher Bilder, allein auf Instagram gibt es bereits mehr als 25.000 Posts.

Das Team der Stadtbücherei Recklinghausen (auf Instagram: stabue_re) hat im August 2016 begonnen, Buchcover auf Fotos zu verewigen und zu verbreiten, wie Sheila Patel berichtet. Sie ist Pressesprecherin der Stadt. Auf den Bookfacefriday gestoßen seien die Recklinghausener, weil sie selbst auf Instagram auch andere Bibliotheken abonniert hätten und dort auf entsprechende Posts gestoßen seien. Die Stadtbibliothek Erlangen (stabi_erlangen) beispielsweise ist schon seit knapp zwei Jahren dabei, Bücher auf diese besondere Art und Weise in Szene zu setzen, nicht nur unter dem Hashtag #bookfacefriday, sondern auch unter #corpuslibris.

Die bremische Stadtbibliothek hat zur Breminale 2016 Bookfaces wie dieses produziert und den Gästen angeboten, ebenfalls Fotos entstehen zu lassen.

Die bremische Stadtbibliothek hat zur Breminale 2016 Bookfaces wie dieses produziert und den Gästen angeboten, ebenfalls Fotos entstehen zu lassen.

Foto: Stadtbibliothek Bremen

Unter letzterem Stichwort hat die Stadtbibliothek Bremen ebenfalls derartige Fotos auf ihrer Facebook-Seite gepostet. Anlass war die Breminale im vergangenen Sommer: Die Stadtbibliothek war dort mit einem Stand vertreten, an dem Besucher eben solche Bookfaces fotografieren konnten. Mehrere Dutzend Titel, deren Cover sich besonders gut für diese Inszenierungen eignen, hatte die Bücherei laut ihrem Sprecher Tobias Peters dafür an den Osterdeich geschafft. Vor allem habe es sich dabei um Kunstbände und Biografien gehandelt, auf denen Gesichter abgebildet sind. „Die Aktion hat großen Anklang gefunden. Es sind auch sehr schöne Fotos dabei entstanden“, resümiert Peters. Zur Illustration hatte das Team zudem zuvor selbst eine Reihe von Fotos gemacht, um die Aktion zu bewerben. Obgleich zunächst einmalig für die Breminale gedacht, wird die Stadtbibliothek die Produktion wieder aufnehmen und sich der Bookfacefriday-Bewegung anschließen. Die Fotos werden in Zukunft unter anderem auf Instagram unter stabihb zu betrachten sein.

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Der Bookface-Trend kommt aus den USA. Dort werden schon seit längerer Zeit derartige Bilder veröffentlicht. Im Mai 2015 berichtete die „New York Times“ unter dem Titel „Oh, Those Clever Librarians and Their #Bookface (sinngemäß: Oh, diese pfiffigen Bibliothekare und ihr #Bookface)“: „Der Minitrend fördert die digitale Präsenz von Institutionen, die per definitionem die Anbieter von analogen Informationen sind.“ Die Zeitung zitiert eine Bibliotheksmitarbeiterin aus Ontario mit den folgenden Worten: Bookface sei „eine fabelhafte Weise, zu zeigen, wie viel Spaß wir verstehen.“ Das sei auch deshalb von Bedeutung, so die Zeitung weiter, weil zu viele Menschen Bibliotheken mieden, weil sie sie immer noch als Orte verstünden, in denen ausschließlich gelesen und geschwiegen werde. Ein anderer US-amerikanischer Bibliothekar ergänzt: „Wenn man an die Bibliothek denkt, denkt man an geschriebenen Text, aber was wir hier gezeigt haben, ist, dass wir eine lebendige visuelle Seite haben.“

Die Umgebung passt millimetergenau zum Buchcover.

Die Umgebung passt millimetergenau zum Buchcover.

Foto: Stadtbücherei Recklinghausen

In Recklinghausen sorge ein etwa 20-köpfiges Stadtbücherei-Team für die Freitagsfotos, sagt Sheila Patel. Der Aufwand sei nicht zu unterschätzen: Um einen echten Aha-Effekt zu erzielen, müsse nicht nur die Kleidung auf die Buchdeckel oder Schutzumschläge abgestimmt sein, die Proportionen müssten obendrein stimmen und die Perspektive. Aus den USA wird berichtet, dass einige Bookface-Liebhaber ihre Umgebung durchstreiften, um Landschaften oder Stadtansichten zu finden, die Bucheinbände perfekt ergänzten.

Nach und nach wachsen offenbar die Ansprüche der Szene an sich selbst – und damit der Aufwand. So entstehen beispielsweise Fotos, auf denen mehr als nur ein Cover verewigt ist. Die „New York Times“ berichtet: „Die Mitarbeiter der Burlingame Public Library in Kalifornien engagierten sechs Personen, um 50 Aufnahmen über 20 Minuten für ein dreifaches Bookface-Bild mit drei Mystery-Titeln zu machen.“

Für Cover, die sich besonders gut für Bookfaces eignen, entwickle man im Laufe der Zeit einen Blick, sagt Rüdiger Kunstfeld, in der Stadtbibliothek Erlangen unter anderem für deren Instagram-Account zuständig. „Unserer Auszubildenden gefallen die Bookfaces so gut, dass sie mit einem Scanner-Blick an den Regalen entlangläuft.“ Das Webteam, zu dem er zähle, bemühe sich mittlerweile nicht mehr nur, perfekte Übergänge zu schaffen, sondern so oft es gehe, rundherum „eine Geschichte zu erzählen“. Das könne funktionieren, indem man beispielsweise den Personen, die aus den Buchumschlägen herausragten, Gegenstände in die Hand drücke, von denen auf dem Cover selbst jeder Hinweis fehle. Auch Fotos von Verrenkungen für die Bookface-Produktion werden von den Erlangern gelegentlich gepostet samt dem Text: „So sportlich kann das Bookfacing sein“.

Kleidung und Umgebung müssen perfekt zum Cover passen.

Kleidung und Umgebung müssen perfekt zum Cover passen.

Foto: Stadtbücherei Recklinghausen

Die internationale Gemeinschaft der Bookfacer wächst, und sie vergrößert untereinander die Reichweite, indem die Posts – oft mit dem Zusatz „Happy #bookfacefriday to all our friends on Instagram“ – repostet, also vervielfältigt werden. „Das ist ein schöner Nebeneffekt“, sagt Sheila Patel aus Recklinghausen. In Erlangen habe man durchweg positive Erfahrungen mit den Bildern gemacht, die die eigene Kreativität herausforderten und gleichzeitig zum Lesen anregten, sagt Rüdiger Kunstfeld. Auf Instagram seien die Bookface-Fotos „ein richtiges Zugpferd“, seitdem die Stadtbibliothek Erlangen sie veröffentliche, habe sie ihre Abonnentenzahl von Jahr zu Jahr verdoppeln können.

Die Zeitung „The Advocate“ aus Baton Rouge im US-Bundesstaat Louisiana berichtete dieser Tage über die Bemühungen der East Baton Rouge Library, ebenfalls möglichst originelle und perfekte Bookfaces zu inszenieren. Drei der Bookfaces der East Baton Rouge Library seien bereits von der New York Public Library auf Instagram geteilt worden. „In der Bibliothekswelt ist das eine hohe Ehre, sie sind sehr selektiv“, so die Beauftragte aus Baton Rouge. Womöglich wird diese Würdigung eines Tages auch der Stadtbibliothek Bremen zuteil.

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