Radio Bremen sendet nicht mehr

Hörer protestieren gegen Funkstille auf der Mittelwelle

Bremen. Dass Radio Bremen (RB) seit ein paar Wochen nicht mehr auf der Mittelwelle sendet, hat bei vielen Hörern Entrüstung ausgelöst. Der Sender hatte sein Angebot auf der Frequenz 936 khz quasi über Nacht und ohne Ankündigung eingestellt. Das stieß auf heftige Kritik.
06.04.2010, 05:20
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Hörer protestieren gegen Funkstille auf der Mittelwelle
Von Jürgen Hinrichs
Hörer protestieren gegen Funkstille auf der Mittelwelle

Bremen, Vermischtes, Radio Bremen

Frank Thomas Koch

Bremen. Dass Radio Bremen (RB) seit ein paar Wochen nicht mehr auf der Mittelwelle sendet, hat bei vielen Hörern Entrüstung ausgelöst. 'Inzwischen haben sich weit über 100 Nutzer gemeldet, was nach allen Erfahrungen schon eine erhebliche Zahl ist', sagt RB-Sprecher Michael Glöckner. Der Sender hatte sein Angebot auf der Frequenz 936 khz quasi über Nacht und ohne Ankündigung eingestellt. Schon das stieß bei den Hörern auf heftige Kritik.

Die Mittelwelle strahlte traditionell das erste Programm aus, das ab 1968 als Hansawelle firmierte und seit einigen Jahren schlicht Bremen Eins heißt. Die Hörer hatten den Vorteil, fern der Heimat und in einem Umkreis von gut 300 Kilometern, ihren Stammsender einschalten zu können. Das wurde im Urlaub genutzt oder auf langen Fahrten im Auto. Plötzlich aber Funkstille, kein Bremen Eins mehr auf der gewohnten Frequenz.

'Leider lässt sich die Frage, wie bedeutend die Mittelwelle für die Klientel von Bremen Eins ist, nicht vorab trocken prüfen', bedauert Glöckner. Deshalb habe Radio Bremen das Signal testweise abschalten müssen, um die Reaktionen zu ermitteln. 'Wir waren überrascht, wie viel dann kam', sagt Glöckner. Haufenweise Briefe, Mails und Faxe, viele, sehr viele Anrufe - die Hörer wollten wissen, was los ist und als sie?s erfuhren, waren sie nicht amüsiert.

'Ich fordere Sie hiermit dringend auf, den Betrieb umgehend wiederaufzunehmen, um Ihrem öffentlich-rechtlichen Auftrag weiterhin gerecht zu werden', schreibt zum Beispiel Dietrich Kranz in einem Offenen Brief an den Intendanten von Radio Bremen, Jan Metzger. Kranz meint das reguläre Bremen-Eins-Programm auf Mittelwelle, konkret aber auch solche Angebote wie die Übertragung der Sitzungen der Bremischen Bürgerschaft oder die Sendungen für fremdsprachige Minderheiten.

Das Argument von Radio Bremen, Kosten sparen zu müssen, lässt Kranz nicht gelten. Die Aufwendungen für Betrieb und Wartung dürften seiner Rechnung nach bei maximal 150000 Euro liegen. 'Im Verhältnis zum Gesamtetat ist das eine zu vernachlässigende Summe.' Weit gefehlt, meint RB-Sprecher Glöckner: 'Wir rechnen bei unseren Sparbemühungen in 10000er-Schritten, oft sind sie sogar kleiner.'

Radio Bremen werde in den nächsten Wochen endgültig entscheiden, ob es bei dem Aus für den Betrieb auf Mittelwelle bleibe. Dabei spiele eine Rolle, dass ständig neue digitale Verbreitungswege für Fernsehen und Radio eröffnet würden, auf denen die Gebührenzahler die von ihnen finanzierten Inhalten von Radio Bremen erwarten.

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