Hurricane

Hörgenuss jenseits der Headliner

The Cure, Foo Fighters und Macklemore - die großen Headliner sind bekannt. Doch was lohnt sich jenseits der großen Namen?
20.06.2019, 19:48
Lesedauer: 3 Min
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Von Marc Hagedorn, Nico Schnurr und Helge Hommers
Hörgenuss jenseits der Headliner

Frank Turner & The Sleeping Souls stecken mit ihrer guten Laune an und haben die Erfahrung von mehr als 2000 Konzerten im Gepäck.

Lopez/DPA

Vier Tage, fünf Bühnen, fast 100 Bands und Künstler – um beim Hurricane den Durchblick nicht zu verlieren, hat die Redaktion ein paar Musik-Tipps zusammengestellt. Natürlich darf und soll sich jeder auch die Toten Hosen, The Cure, Foo Fighters oder Macklemore anschauen, aber wer die nachfolgenden Bands verpasst, der hat tatsächlich etwas verpasst, finden wir jedenfalls.

Gurr

Alles an Gurr, die so heißen wie sie heißen, weil sie Tauben hassen, klingt nach amerikanischer Proberaum-Lässigkeit. Und das ist vielleicht auch schon das größte Kompliment, das man einer deutschen Gitarrenband machen kann. Die beiden Berlinerinnen kreuzen knarzigen Surf-Punk mit Indie-Pop. Die älteren Songs klingen kantiger, die neuen nach offenem Verdeck, Richtung kalifornischer Strand. (nsc)

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Freitag, 18.15 Uhr, Coast Stage

Bilderbuch

Größenwahnsinnig? Ganz bestimmt! Ein bisschen verrückt? Auch. Gut? Auf jeden Fall, richtig gut sogar! Die Österreicher trauen sich Sachen, die man sonst nur von den ganz Großen der Branche kennt, wie – Achtung – Prince oder David Bowie. Sie erfinden sich praktisch mit jedem Album, mit jedem Song neu.

Ist das Rock? Ist das Pop? Ist das Punk? Ist das Synthie? Ja ist es, alles zusammen. Und noch mehr. Mit mehr Schmäh und Lässigkeit getextet hat seit Falco kein deutschsprachiger Künstler mehr. (mhd)

Freitag, 22 Uhr, River Stage

Trettmann

Wer auf einen weiteren Auftritt der Toten Hosen verzichten kann, sollte am späten Freitagabend vor der Mountain Stage stehen, wo der unwahrscheinlichste deutsche Popstar die Songs zu seiner Cinderalla-Story spielt. Trettmann war einst ein sächselnder Reggae-Treppenwitz.

Dann gelang ihm mit Mitte 40 seine persönliche Neuerfindung und das vielleicht verdichtetste Popalbum seit Peter Fox’ „Stadtaffe“. Über Beats wie Game-Boy-Melodien singt er über seine DDR-Kindheit, den Mauerfall und die Momente, als in den Jahren darauf aus enttäuschten Hoffnungen Hoffnungslosigkeit geworden ist. (nsc)

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Freitag, 23 Uhr, Mountain Stage

Tame Impala

Wer nach Trettmann runterkommen will, ist bei Tame Impala richtig. Die Songs der australischen Band sind musikgewordene Lavalampen. Mit schönstem Retro-Anstrich, ein bisschen kitschig, aber nicht zu sehr, blubbern die Psych-Pop-Perlen so vor sich hin, bis sie nach acht Minuten im Nirgendwo verhallen. Hinter der Wand aus Filtern ist Rock bei Tame Impala nur noch eine Fußnote. Manchmal klingen sie, als würden Pink Floyd ein Unterwasserkonzert geben. (nsc)

Sonnabend, 0.30 Uhr, River Stage

Idles

Den Festivalsonnabend gilt es am Mittag mit der britischen Band der Stunde zu starten. Selten polterte Gift und Galle spuckender Post-Punk so brachial und positiv zugleich wie bei den Idles. Bassläufe wie Schläge in die Magengrube, Gitarren wie zerspringendes Glas. Darüber bellt Frontmann Joe Talbot stadiontaugliche Slogans gegen Machos und Abschottungsfantasien. „No one is an island“ lautet das Motto. (nsc)

Sonnabend, 13.45 Uhr, River Stage

Frank Turner & The Sleeping Souls

Es gibt kaum einen Club, in dem Frank Turner nicht zu Gast war. Kein Wunder, kommt der Singer-Songwriter mittlerweile auf mehr als 2000 Konzerte. Selbst gespielt wohlgemerkt. Ob Ballade oder Mitsing-Nummer, Frank Turner ist auf der Bühne immer gut gelaunt. Das steckt an. (haf)

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Sonnabend, 15.45 Uhr, Forest Stage

Me First & The Gimme Gimmes

„The next one is a cover …“ lautet das Motto bei Auftritten von Me First and the Gimme Gimmes. Das Spezialgebiet der Band sind Punkrock-Cover, insbesondere von Stücken aus den 60er- und 70er-Jahren. Da alle Musiker der Gruppe noch in anderen bekannten Bands aktiv sind, sind kleine Überraschungen im Line-Up garantiert. (lbt)

Sonnabend, 21.30 Uhr, Mountain Stage

Faber
Wenn Julian Pollina aka Faber seine von Weltschmerz gezeichneten Weisheiten („Bleib dir nicht treu, sei niemals du selbst/Wenn du dann am Boden bist, weißt du wo du hingehörst“) ins Mikro grölt oder haucht, klingt er nach durchzechter Kneipennacht, nach zu vielen Zigaretten, nach Melancholie. Auch seine Stimme erinnert an ein seit Jahren abgenutztes Reibeisen – obwohl der Schweizer erst 26 Jahre jung ist und erst ein einziges, dafür aber famoses Album veröffentlicht hat. (hom)

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Sonntag, 17.15 Uhr, Mountain Stage

Wolfmother

Mit „Woman“ und „Joker & the Thief“ schrammelte sich die australische Band direkt mit ihrem gleichnamigen Debütalbum in den Rockolymp. Schweinerock vom Feinsten. Seitdem sind 14 Jahre vergangen, von der Urbesetzung ist nur Sänger Andrew Stockdale geblieben. Allein seine quietschig-quengelige Stimme garantiert aber, dass auch der vierte Hurricane-Auftritt der Hardrocker, die an Led Zeppelin erinnern, wieder ein großartiger wird. (hom)

Sonntag, 17.15 Uhr, Forest Stage

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