Hotzenplotz wird 50 Jahre alt

Bremen. Selten hat ein Krimineller solche Erfolge gefeiert wie der Räuber namens Hotzenplotz. Bald jährt sich der Geburtstag der bärtigen und mit allerlei Waffen gerüsteten Kinderbuchfigur von Otfried Preußler zum 50. Mal: Am 1. August 1962 erschien im Thienemann-Verlag der Auftaktband "Der Räuber Hotzenplotz". Es folgten die ebenfalls ulkigen Fortsetzungen "Neues vom Räuber Hotzenplotz" (1969) und "Hotzenplotz 3" (1973). Insgesamt verkaufte sich der literarisierte Räuber weltweit mehr als 7,5 Millionen Mal – allein in Deutschland waren es fünf Millionen Exemplare. Das Jubiläum des diebischen Schrats feiert der Verlag mit einer Sonderausgabe, die alle drei Bände versammelt. Besonderheit der Edition: Mathias Weber hat die schwarz-weißen Originalbilder aus der Feder von Franz Josef Trip koloriert. Das passt zu einer Figur, die es oft bunt treibt.
15.07.2012, 05:00
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Hotzenplotz wird 50 Jahre alt
Von Hendrik Werner

Bremen. Selten hat ein Krimineller solche Erfolge gefeiert wie der Räuber namens Hotzenplotz. Bald jährt sich der Geburtstag der bärtigen und mit allerlei Waffen gerüsteten Kinderbuchfigur von Otfried Preußler zum 50. Mal: Am 1. August 1962 erschien im Thienemann-Verlag der Auftaktband "Der Räuber Hotzenplotz". Es folgten die ebenfalls ulkigen Fortsetzungen "Neues vom Räuber Hotzenplotz" (1969) und "Hotzenplotz 3" (1973). Insgesamt verkaufte sich der literarisierte Räuber weltweit mehr als 7,5 Millionen Mal – allein in Deutschland waren es fünf Millionen Exemplare. Das Jubiläum des diebischen Schrats feiert der Verlag mit einer Sonderausgabe, die alle drei Bände versammelt. Besonderheit der Edition: Mathias Weber hat die schwarz-weißen Originalbilder aus der Feder von Franz Josef Trip koloriert. Das passt zu einer Figur, die es oft bunt treibt.

Von den Qualitäten dieses Banditen, der trotz seiner Polterauftritte viele Sympathien auf sich vereinigt, ist selbst die sonst auf Seriosität verpflichtetete Nachrichtenagentur dpa so begeistert, dass sie ihrem kindgerechten Ableger wichtige Informationen zur Person eingespeist hat. Und die lesen sich wie folgt: "Runkeldunk, Catrabum, Hurjahanka, Huochenbuluci – so heißt der Räuber Hotzenplotz in anderen Sprachen. Nämlich auf Dänisch, Portugiesisch, Finnisch und Chinesisch. Und klar, überall brauchte der Unhold einen lustigen Namen, der gut klingt." Woher der Name Hotzenplotz kommt, weiß die gewöhnlich gut informierte Nachrichtenagentur auch: "So lautet der deutsche Name eines Ortes in unserem Nachbarland Tschechien."

Weltweit übersetzt

So beliebt waren und sind die Abenteuer um Kasperl, Seppel, den Zauberer Petrosilius Zwackelmann, besagten Räuber und die Kaffeemühle einer gewissen Großmutter, dass das Buch nicht nur weltweit übersetzt wurde, sondern auch zahlreiche Aneignungen in anderen Medien zeitigte. So gibt es mittlerweile Filme, Hörspiele und Theaterstücke, die den Ruhm des ruchlosen Räubers mit der "schrecklichen Hakennase" in aller Herren Länder tragen.

Ursprünglich hatte Hotzenplotz für seinen Erfinder eine therapeutische Funktion: Otfried Preußlers erstes erfolgreiches Buch "Der kleine Wassermann" war 1956 auf den Markt gekommen, und der Schriftsteller hatte sich so sehr in den düsteren Szenarien des Jugendbuches "Krabat" aufgerieben, dass ihm nach einer heiteren Ablenkung war.

Eigentlich hatte der Schöpfer der Räuberpistolen eine Hotzenplotz-Fortsetzung gar nicht geplant. Doch die Leser nörgelten so sehr, dass es schließlich sogar zwei Fortsetzungen gab. Der heute 88-jährige Preußler bereut an den Fortsetzungen nur, dass er die Figur des Zauberers Petrosilius Zwackelmann bereits im ersten Band sterben ließ. Dabei war der in einem Unkenpfuhl verendete Magier zuvor für Pointen gut, weil sich sein Name so gut verulken lässt. Mal wird er "Zeprodilius Wackelzahn" genannt, mal "Spektrofilius Zaschelschwan".

Preußler mag den Räuber immer noch. "Der ist ja nicht gefährlich, sondern eher ein Großmaul." Nun habe Hotzenplotz fünf Jahrzehnte auf dem Buckel, er selbst fast neun. Das ist wahrlich ein Feiergrund.

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