Konzert in Halle 7

Ich + Ich als One-Man-Show in Bremen

Bremen. Trotz des DFB-Pokalfinals mit Beteiligung von Werder Bremen war die Messehalle 7 gut gefüllt. Die Bands Ich + Ich und Das Gezeichnete Ich boten dem Publikum einen schönen Konzertabend. Am Ende seiner Tournee in Bremen rasierte sich Sänger Adel Tawil sogar noch den Bart ab.
16.05.2010, 17:09
Lesedauer: 2 Min
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Von Christian Emigholz

Bremen. Das hätte auch schief gehen können. Wer kommt schließlich am Abend des DFB-Pokalfinals in die Stadt einer der beteiligten Mannschaften? Ich + Ich. Und es ist nicht schief gegangen! Die Messehalle 7 ist, wenn auch nicht restlos ausverkauft, so doch über die Maßen gut besucht, und natürlich bedankt sich Adel Tawil im Verlauf des Konzerts artig beim Publikum, dass es Pop und nicht Fußball gewählt hat.

Ebenso verfährt schon zu Beginn des Abends das Ein-Mann-Vorprogramm, das höchst passend zum Headliner auf den Namen Das Gezeichnete Ich hört. Das Projekt ist ein ziemliches Mysterium, denn der Mann an den Keyboards gibt nahezu nichts von sich preis, und das Wenige sind auch eher kryptische Statements. Live entpuppen sich Songs wie "Innen" und "Halleluja" als schlichte Popsongs. Das Gezeichnete Ich spielt ganz real Keyboards, benutzt aber erhebliche Zuspielungen, so dass mitunter ein ziemlich fetter Sound mit geigenden Geigen, Bass, Schlagzeug und weiteren Keyboardsounds entsteht. Es gibt freundlichen Applaus für den freundlichen Mann, der sich, obgleich sein 20-Minuten-Auftritt nicht sonderlich schweißtreibend gewesen sein dürfte, zuletzt wie ein Box-Champion noch einen Bademantel umhängen lässt.

Für Ich + Ich geht es auch mit dem im vorigen Herbst veröffentlichten Album "Gute Reise" stetig aufwärts: Vor zwei Jahren reichte das Pier 2 noch mehr als aus. Die größere Messehalle 7 ist also, so betrachtet, ein Fortschritt. Die größeren Säle haben das Projekt Ich + Ich aber offenbar auch genötigt aufzurüsten. Aber nicht etwa personell, denn wie schon vor zwei Jahren stehen da fünf Instrumentalisten und ein Paar für den Backgroundgesang, das aber auch Geige spielen und Perkussionsinstrumente bedienen kann. Aufgerüstet wurde vielmehr soundtechnisch, und so rollt eine gewaltige Klanglawine von der Bühne, eine Art Power-Pop, der mitunter die Stimme von Adel Tawil übertönt und nicht sonderlich trennscharf die einzelnen Instrumente erkennen lässt. Ein wenig transparenter wird das Klangbild, als sich die Mannschaft in der Mitte des Konzertes zum so genannten "unplugged set", das selbstverständlich nicht "unverstärkt" ist, auf einer kleinen Bühne mitten im Publikum versammelt.

Ich + Ich sind, das ist längst bekannt, eigentlich ein Duo, bei dem nur die eine Hälfte auch auf Tournee geht. Annette Humpe, ehemalige Sängerin von Ideal und damit vielleicht die in Erinnerung bleibende Stimme der Neuen Deutschen Welle sowie höchst erfolgreiche Produzentin im Rock- und Popbereich, schreibt zwar und nimmt gemeinsam mit Adel Tawil auf, bei Konzerten ist sie aber nicht dabei. Also muss es der Sänger mit der samtigen Stimme und der sympathischen Art alleine schaffen. Wie könnte er besser beginnen als mit "Einer von zweien", einem der neuen Songs des Duos.

Selbstverständlich steht der Abend ganz im Zeichen des neuen Albums "Gute Reise", aber auch die früheren Songs werden gestreift, darunter auch mit "Dienen" einer aus der Anfangszeit von Ich + Ich, aber auch Erfolge wie "Vom selben Stern" und vor allen Dingen "So soll es bleiben", bei dem das Publikum emphatisch mitsingt. Ach ja, weil in Bremen die aktuelle Tournee endet, muss Tawil noch eine Wette einlösen, und so rasiert er sich vor Publikum seinen Bart, bis nur noch ein Schnauzer stehen bleibt. Er sehe nun aus wie ein Teppichhändler, befindet der Sänger - dem ist nichts hinzuzufügen.

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