Matthias Schweighöfer im Interview

„Ich würde gerne Johnny Depp spielen“

2017 veröffentliche Matthias Schweighöfer sein Debütalbum. Aktuell ist er damit auf Tour und macht am 26. Januar auch Halt im Pier 2. Im Interview spricht er über seine Musik, Schauspiel und die Zukunft.
14.01.2019, 16:08
Lesedauer: 4 Min
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„Ich würde gerne Johnny Depp spielen“
Von Alexandra Knief
„Ich würde gerne Johnny Depp spielen“

Matthias Schweighöfer ist aktuell auf Tour. Nicht mit einem neuen Kinofilm, sondern mit der Musik seines ersten Albums "Lachen, Weinen, Tanzen".

dpa/Monika Skolimowska

Herr Schweighöfer, wir wollen heute vor allem über Musik reden. Sie machen mittlerweile selbst welche, aber was hat Sie in Ihrer Kindheit und Jugend musikalisch geprägt?

Matthias Schweighöfer : Ich war ab dem ersten Album begeisterter Coldplay-Fan. Und als die Mauer fiel, war das ja so, dass diese ganze Hip-Hop-Musik, zum Beispiel von Jazzy Jeff & The Fresh Prince zu uns rüber rutschte. Das war schon eine lustige Zeit, und ich bin auch ein bisschen auf diese Hip-Hop-Schiene gerutscht. Aber Coldplay ist die Band, bei der ich von Anfang an mitgegangen bin.

Am 26. Januar präsentieren Sie im Pier 2 ihre eigenen Songs von ihrem 2017 erschienenen Album „Lachen, Weinen, Tanzen“. Warum haben Sie entschieden, sich neben all den Sachen, die sie eh schon machen, auch noch der Musik zu widmen?

Es gab diesen Moment, in dem ich überlegt habe, wieder auch Theater zu spielen, um mal rauszukommen. Doch ein Freund hatte noch eine andere Idee: Ich habe für meine Filme immer die Scores, also die Filmmusik, mitgemacht – da lagen viele schöne Ideen brach. Also haben wir uns hingesetzt und überlegt, ob es Sinn machen würde, ein Album zu machen. Ich hatte nicht so Lust auf Theater, weil man sich dort über längere Zeit fest binden muss. Also dachten wir, wir gucken mal, wo es mit der Musik so hingeht. Und als das Album da war, kam die Idee, auch live Musik zu ­machen.

Sie sind es ja gewohnt, im Rampenlicht zu stehen, aber live auf der Konzertbühne ist wahrscheinlich noch mal etwas anderes, oder?

Das ist etwas total anderes. Aber ich bin froh, dass ich es mache. Wir haben jetzt schon ein paar Konzerte hinter uns, und es macht sehr viel Spaß und ist sehr lustig. Die Band ist ein Riesenschatz, und mir gefällt es, on the road zu sein.

Aktuell rollt aber ja eine regelrechte Welle mit Deutsch-Pop-Musikern übers Land. Da gibt es doch sicher den einen oder anderen, der sagt: „Och ne, nicht der Schweighöfer jetzt auch noch!“

Na klar! Diese Stimmen haben wir auch schon sehr laut gehört. Aber es ist ja erst mal auch nur ein Test: Macht uns das Spaß? Gibt es Leute, die das überhaupt hören wollen, oder nervt das nur? Wenn man Bock hat, entspannt Musik zu hören, ein bisschen abzutanzen und mal kurz den Alltag außerhalb der Konzerthalle zu lassen, dann bieten wir einen guten Abend. Klar haben kritische Stimmen, die sagen „nicht schon wieder Deutsch-Pop“, auch ihre Berechtigung. Ich verstehe das auch.

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Ihr Album schaffte es bis auf Platz 5 der Deutschen Charts und hielt sich insgesamt elf Wochen in der Liste. Denken Sie, Ihr Debüt hätte den gleichen Erfolg gehabt, wenn Sie nicht schon jeder als Schauspieler kennen würde?

Ich denke, das Album hätte vielleicht eine andere Chance bekommen. Bei einem Schauspieler guckt jeder noch zehn mal mehr drauf. Deutschland ist ja auch nicht gerade das Land, was gerne viel Positives gibt, sondern auch ein Neider-Land. Darum war klar, dass die Leute sich auch freuen, wenn man hinfällt mit so einem Ding. Aber wir haben es trotzdem gemacht.

Für alle, die sich mit Ihrer Musik bisher noch nicht beschäftigt haben: Worauf können sich die Zuschauer bei Ihrem Konzert in Bremen freuen?

Es wird auf jeden Fall ein sehr lustiger Abend mit viel Tanzen, viel Lachen, viel Humor. Natürlich mit guter Musik, einer guten Band und guten Geschichten. Aber es wird auch ein emotionaler Abend.

Ihre Musik ist ja auch eher emotional...

Die Erfahrungen aus bisherigen Konzerten haben aber gezeigt, dass die Menschen auch durchaus heiser aus dem Abend raus gehen. Der Abend hat auch einiges an Uptempo.

Sie sprachen von Musik als Test, als Experiment. Ist das Album ein einmaliges Projekt oder ist ein zweites geplant?

Wir sitzen schon am zweiten Album. Wir spielen auch in Bremen schon ein paar Sachen vom neuen Album, um zu testen, wie die Leute das finden.

Wie unterscheidet sich die neue Musik vom ersten Album?

Sie ist ein bisschen minimalistischer. Es wird nicht so viel erzählt, es gibt weniger Worte. Alles ist irgendwie ein bisschen aufgeräumter und auch nicht ganz so poppig. Eher etwas arthousiger.

Machen wir noch einen kurzen Exkurs zum Schauspiel: Sie haben schon unzählige Rollen gespielt. Erinnern Sie sich noch an Ihr allererstes Mal auf der Bühne?

Ja, das weiß ich noch. Da war ich drei Jahre alt. Das war „Der kaukasische Kreidekreis“ von Bertolt Brecht. Ich war mit meiner Mutter bei einer Probe, sollte dieses Kind spielen und wurde in diesem Kreis hin und her gerissen. Ich fand das anscheinend so beschissen, dass ich nur noch geheult und schließlich die Rolle nicht mehr gespielt habe. Meine Mutter hat gesagt, ich war damals echt empört!

Hat es danach eine Weile gebraucht, bis Sie einen zweiten Anlauf gewagt haben?

Nein, es ging dann irgendwie doch immer weiter. Ich war in der Jugendtheatergruppe und habe gnadenlos weitergespielt.

Die Brecht-Erfahrung klingt ja schon ziemlich traumatisch. Gab es noch andere Szenarien, die Ihnen besonders negativ oder auch positiv in Erinnerung geblieben sind?

Ja, „Raus aus der Haut“ (von 1997; Anm. d. Red.), mein erster Film mit Regisseur Andreas Dresen. Das war ziemlich absurd: Wir mussten Ost-Sachen tragen, und früher gab es im Osten ja den Appell, bei dem sich die ganze Schule auf dem Platz treffen musste und gesungen hat. Das haben wir auch in dem Film gemacht, der komplette Schulhof war voller Leute, die „Kleine weiße Friedenstaube“ gesungen haben. Und irgendwann kam eine ältere Frau zu uns, die nicht mitbekommen hat, dass wir drehen und uns fragte, ob der Osten zurück sei.

Schiller, Marcel Reich-Ranicki, verliebter Mann, todkranker Mann – Sie sind schon in unzählige Rollen geschlüpft. Gibt es eine ­Persönlichkeit, die Sie unbedingt mal verkörpern wollen?

Johnny Depp und Al Pacino, weil beide Leben haben, die mich wirklich mal auf der Leinwand interessieren würden.

Und woran arbeiten Sie, bis es soweit ist?

Mit meiner Firma habe ich gerade „Resistance“ gedreht, wo ich an der Seite von Jesse Eisenberg und Ed Harris spielen durfte. Wir werden ihn dieses Jahr mit Warner Bros. in die deutschen Kinos bringen. Musikalisch wird auch noch einiges passieren. Zu mehr kommenden Projekten möchte ich jetzt noch nichts verraten.

Das Gespräch führte Alexandra Knief.

Info

Zur Person

Matthias Schweighöfer (37) ist ein deutscher Schauspieler, Synchronsprecher, Regisseur, Produzent und Sänger. Er zählt zu den bekanntesten und erfolgreichsten Filmschaffenden Deutschlands. Am 26. Januar präsentiert er mit seiner achtköpfigen Band die Musik von seinem ersten Album „Lachen, Weinen, Tanzen“ im Bremer Pier 2.

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