Bremer Verlage auf der Frankfurter Buchmesse

Im Abenteuerland der Buchbranche

Bremen. Die Frankfurter Buchmesse ist die größte ihrer Art, mehr als 7000 Aussteller aus rund 100 Ländern sind in diesem Jahr vertreten. Auch Bremer Verlage präsentieren dort ihr Programm.
12.10.2013, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Im Abenteuerland der Buchbranche
Von Kathrin Aldenhoff
Im Abenteuerland der Buchbranche

Zuverlässig hoch gestapelt wird bei der Buchmesse.

Arne Dedert, dpa

Die Frankfurter Buchmesse ist die größte ihrer Art, mehr als 7000 Aussteller aus rund 100 Ländern sind in diesem Jahr vertreten. Auch Bremer Verlage präsentieren dort ihr Programm. Es geht darum, Präsenz zu zeigen. Die Edition Temmen ist zum ersten Mal in der Verlagsgeschichte nicht mit einem eigenen Stand vertreten.

Verleger Horst Temmen ist zur Messe gefahren, und auch die Bücher seiner Edition sind immer noch in den Hallen vertreten. Reiseführer über Wismar, Königsberg und Danzig, der neue Krimi von Hannes Sprado, die Geschichte der Bremer Stadtmusikanten, gezeichnet von Janosch – sie stehen im Regal der Firma, die für Temmen die Verlagsauslieferung übernimmt. Daneben Bücher aus anderen Verlagshäusern. Es ist das erste Mal seit der Gründung 1983, dass die Edition Temmen keinen eigenen Stand auf der Buchmesse hat.

Horst Temmen sitzt am Stand seines Geschäftspartners und sagt: „Ein paar Reihen weiter, genau gegenüber waren wir.“ Auch wenn Bedauern mitschwingt, das Thema Messe ist für ihn erledigt. „Ich glaube nicht, dass wir spüren werden, dass wir hier nicht mehr vertreten sind.“ Es gebe kaum noch Fachpublikum, begründet er seine Entscheidung. „Früher haben wir hier noch Aufträge geschrieben.“ Er schwärmt von den Zeiten, als jedes Jahr ein Buchhändler aus Albanien bei ihm einkaufte, mehrere Hundert Bücher. Und dann bar bezahlte. „Das gibt es nicht mehr“, so Temmen.

Für die Leitung des Carl Schünemann- Verlags stand die Teilnahme an der Messe dagegen nicht zur Debatte. „Seitdem es diese Messe gibt, sind wir hier. Und davor waren wir in Leipzig“, sagt Verleger Hermann Schünemann. An einem Stand präsentiert der Verlag seine Sprachzeitungen, an einem anderen das Buchsortiment. Die Kosten für die Messe bekäme man durch den Stand nicht wieder herein, ergänzt Verlegerin Julia Kracht-Schünemann. „Aber es gilt zu repräsentieren, Flagge zu zeigen. Es ist nun einmal der Branchentreff“, sagt sie mit Nachdruck. Und wer nicht da sei, werde „tot gesprochen“.

Einmal habe man die Halle gewechselt mit dem Stand, darauf sei man sofort angesprochen worden. „Die Leute haben uns nicht mehr gefunden, und da gab es Gerüchte“, sagt Kracht-Schünemann. In diesem Jahr hat der Carl Schünemann-Verlag ein neues Standdesign. Schlicht und puristisch, nach Themen geordnet. „Auf der Messe sind alle überflutet von Reizen“, meint Schünemann. „Weniger ist manchmal mehr.“ Es gibt eine Wand mit Bremer Büchern, Regale für Literatur rund um die Nordsee und eine Seite für die Fantasy-Reihe. Seegras-Bündel schmücken den Stand, schlichte Hocker aus Holz stehen in einer Ecke, von einem Plakat an der Wand blickt den Besucher ein Schaf an. Ein seriöser und ansprechender Messestand sei auch wichtig, um gute neue Autoren zu gewinnen, sagt Schünemann.

Der Schauspieler Alvaro Solar steht vor dem kleinen Stand des Bremer Sujet-Verlags. Er ist zum ersten Mal auf der Buchmesse und freut sich, dass sein Buch hier präsentiert wird: „Socken, Lügen & Wein“, benannt nach dem Theaterstück, das er seit Jahren auf Bühnen in ganz Deutschland spielt. „Ich hatte großes Glück, dass der Verlag es gleich wollte“, sagt Solar. Die Illustrationen hat der gelernte Grafiker mit Tusche gezeichnet, ein halbes Jahr lang hat er daran gearbeitet. Für diesen Messetag waren eigentlich drei Lesungen geplant, dann gab es doch nur eine: „Die Leute sind nicht konzentriert genug“, sagt Solar. Zwar blieben viele stehen, gingen dann aber während des Vortrags weiter.

Der Stand gehört Madjid Mohit. Der Iraner gründete den Sujet-Verlag 1996 in Bremen, in diesem Jahr ist er zum fünften Mal auf der Frankfurter Buchmesse, das dritte Jahr in Folge. „Es ist ein finanzieller Aspekt“, sagt er. „Wir müssen uns jedes Jahr überlegen, ob es sich lohnt.“ In diesem Jahr kann er mehrere Neuerscheinungen vorstellen, deshalb hat er sich für einen Stand entschieden. „Wir knüpfen hier Kontakte und versuchen, Lizenzen für Übersetzungen zu verkaufen.“ Der Sujet-Verlag veröffentlicht Gedichtbände, aber auch Romane, Sachbücher und Kinderbücher. Viele seiner Autoren leben in Deutschland, haben ihre Wurzeln aber in anderen Kulturen. „Unser Verlag ist nicht auf Bremen begrenzt, deshalb ist hier ein guter Ort, um unser Konzept vorzustellen und unsere Bücher zu präsentieren“, sagt Mohit.

Auch wenn er keinen eigenen Stand mehr hat, ist Horst Temmen den ganzen Tag auf den Beinen. Er besucht Kollegen und spricht mit anderen über die Zukunft der Branche. „Die Bedeutung der Messe als Handelsplatz ist weg“, meint er. Seine Kontakte habe er, die Manuskripte neuer Autoren kämen per Mail. Später kommt ein junger Mann vorbei. Er bringt einen großen weißen Umschlag, darauf das rote aufgeschlagene Buch, das Logo der Frankfurter Buchmesse: die Anmeldeunterlagen für 2014. Temmen legt den Umschlag beiseite.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+