Interview mit DJ Bobo

„In mir steckt ein Weltverbesserer“

Mit seiner „Kaleidoluna“-Show kommt DJ Bobo im Mai auch in die Bremer ÖVB-Arena. Im Interview erzählt er über seine Tour, seine Sprayer-Erfahrungen und seinen Umgang mit Kritik.
04.01.2019, 17:50
Lesedauer: 5 Min
Zur Merkliste
„In mir steckt ein Weltverbesserer“
Von Alexandra Knief
„In mir steckt ein Weltverbesserer“

Anders als viele seiner musikalischen Kollegen ist DJ Bobo auch nach dem großen Eurodance-Hype noch im Geschäft.

Christina Kuhaupt

Herr Baumann, die „Süddeutsche Zeitung“ bezeichnete Sie einmal als „Bob Dylan des Eurodance“ – würden Sie das so unterschreiben?

DJ Bobo: Ehrlich gesagt weiß ich bis heute nicht genau, was sie damit gemeint haben. Wissen Sie es?

Ich denke, dass Sie einfach einer von wenigen sind, der sich nach sehr vielen Jahren noch immer in der Musikbranche hält und erfolgreich ist, während viele andere Künstler der 90er-Jahre schon vergessen wurden.

Ach so. Wenn es so gemeint war, dann ist es ein Kompliment. Aber Bob Dylan ist ja schon auch ein eigenwilliger Kauz. Darum konnte ich es nie genau einordnen.

Wie schaffen Sie es, auch nach 25 Jahren noch die großen Hallen zu füllen?

Ich habe versucht, mich weiterzuentwickeln. Die Leute würden nicht in so großer Zahl kommen, nur um was von früher anzugucken, das alleine reicht nicht. Bei mir hat es sicher auch mit den Shows zu tun, die sind außergewöhnlich. Die Menschen wissen, dass wir uns immer etwas Neues einfallen lassen. Die Mischung macht's, zwischen Innovation und alten Hits. Jeder, der zu einem Konzert von einem Künstler geht, den er schon lange kennt, will auch die Hits von früher hören, sonst ist er traurig. Ich war mal bei Aha und die haben „Take On Me“ nicht gespielt. Das geht doch nicht!

Sie waren unter anderem 1996 mit Michael Jackson auf Tour. Sie sind selbst ein großer Fan. Was war das für eine Erfahrung?

Das war unglaublich. Wenn du von jemandem wirklich Fan bist und ihn zuhause vorm Spiegel nachtanzt – ich bin ja die „Thriller“-Generation und mit den Liedern und Videos aufgewachsen – dann ist das schon ein ganz besonderer Moment, wenn diese Person plötzlich vor dir steht.

Trotz Ihrer großen Erfolge gibt es immer wieder spöttische Stimmen, die sich über die Art von Musik, die Sie machen, lustig machen. Wie geht man mit so was um?

Man wird da sehr entspannt. Ultra-entspannt. Das war zum Anfang der Karriere anders. Da hat mich das total getroffen. Da hast du was gemacht, was du gerne gemacht hast, das erfolgreich wurde, und plötzlich wird alles in Frage gestellt. Das fühlte sich komisch an, weil ich ja niemandem etwas getan hatte und mich gefragt habe, warum ich plötzlich angefeindet werde. Aber so vor zehn Jahren hat sich das Ganze angefangen zu entspannen, war nicht mehr so bissig. Seit fünf, sechs Jahren bin ich da sehr entspannt. Denn ich mache das gerne und so gut, wie ich kann. Dass es nicht allen gefällt, ist klar.

Warum hat das Eurodance-Genre eigentlich so einen miesen Ruf?

Das Genre liegt in einer Schublade, in der nicht viel Glaubwürdigkeit zu finden ist. Das haben wir uns teilweise auch selbst zuzuschreiben, denn damals, als dieser Eurodance-Hype war, gab es so viel Müll. Und die Leute haben einfach alles gekauft. Jeder, der einen Song hatte, der ein bisschen nach Eurodance klang, konnte damit Geld verdienen. Daher kommt wohl auch die Skepsis, denn neben den großartigen Sachen wie Snap oder Culture Beat gab es 80 Prozent Massenware, die da durchgedonnert wurde.

Der Eurodance und somit auch Ihre Songs haben eine ganze Generation geprägt: Ich zum Beispiel war die Heldin, als ich auf der Grundschul-Klassenfahrt-Abschiedsdisco meine „There Is A Party“-CD ausgepackt habe. Gibt es Geschichten, die Menschen Ihnen zu Ihren Songs erzählt haben, die in Erinnerung geblieben sind?

Die Leute bringen zum Beispiel ganz oft ihre erste CD mit. Man schmeißt heute zwar alles weg, aber die erste CD wirft niemand weg. Und wenn man das sieht, ist das etwas ganz Süßes. Oft sind damit ja auch emotionale Erinnerungen verbunden. Genauso erzählen die Leute von ihrem ersten Konzert von mir, wo die Eltern noch vor der Halle gewartet haben – wobei, in meinem Fall sind die Eltern oft auch mit reingekommen, bei mir geht das ja, nicht wie bei einigen Boybands, das ist für die Eltern blöder.

Wie ist das denn bei Ihren Kindern? Was hören die?

Die Frage wird oft gestellt, darum hab ich vor ein paar Wochen extra mit meinen Kindern darüber geredet. Es war ihnen auch wichtig, dass Daddy da nicht irgendeinen Müll rauslässt. Also, ich soll von meiner Tochter ausrichten – sie ist zwölf –, dass sie gerne Musical-Musik hört, Richtung „Mamma Mia“. Und mein Sohn, der ist 16, hört gerne deutschen Hip-Hop. Zu meiner Musik sagen sie: Ist ganz in Ordnung, was der Papa macht. Ist halt sein Job.“

Ihre Shows sind im Laufe der Jahre immer spektakulärer geworden. Worauf können die Zuschauer sich bei „Kaleidoluna“ freuen? Was ist neu?

Alles. Wir kommen dieses Mal mit einem Raumschiff auf die Bühne. Der ganze Look von „Kaleidoluna“ ist ein bisschen futuristisch. Was dann passiert, muss man sich angucken. Ein bisschen Überraschung muss bleiben.

Lesen Sie auch

Sie sagen häufig, Sie seien ein Optimist, glauben an das Gute und wollen die Welt verbessern. Kann man das als Künstler nicht am besten, wenn man eine klare politische Botschaft mit auf die Bühne bringt?

Es kommt immer darauf an, wo jeder selbst seine Aufgabe sieht. Ich hatte das Glück, dass ich durch meine Musik die ganze Welt bereisen konnte, und da öffnet sich der Horizont extrem. Das, was du bei dir zu Hause als richtig empfindest, ist nicht zwingend richtig an einem anderen Ort. Künstler, die einen geografisch eingeschränkten Kreis haben, hauen da eher mal drauf mit ihren Aussagen, weil sie vielleicht noch nicht so viele Religionen und Kulturen erlebt haben. Ich bin nicht der Typ, der mit Aussagen provozieren möchte, und es ist nicht meine Aufgabe, auf der Bühne Missstände aufzuzeigen, weil, das tun alle anderen. Ich sehe, wie man mit wenig Mitteln sehr viel Gutes erreichen kann. Wir sind seit 2006 Botschafter des Welternährungsprogrammes. Wir haben mit Schulspeisungsprogrammen begonnen, und mittlerweile können in Äthiopien die meisten Mädchen lesen und schreiben, das konnten vor zwölf Jahren vielleicht 30 Prozent. In mir steckt ein Weltverbesserer.

Gehen wir mal ein paar Jahre zurück. Sie waren einst als Graffiti-Künstler tätig. Wie muss man sich das vorstellen? Ein halbstarker DJ Bobo, der nachts unterwegs ist und heimlich Züge besprüht?

Ja, aber es war eine sehr kurze Karriere. Wir sind nur zwei oder drei Mal losgezogen. Die Spraydosen waren auch viel zu teuer. Da war ein Monatsgehalt von einem Lehrbuben schnell weg. Und dann wurden wir tatsächlich direkt beim ersten Zug erwischt. Aber der Typ hat cool reagiert und uns direkt in der Nacht einen Eimer und einen Putzlappen in die Hand gedrückt und gesagt: ihr macht die Scheiße sauber, dann ist das erledigt. Wir haben Glück gehabt. Das war noch sehr früh. Da war noch niemandem klar, dass man bei solchen Fällen die Polizei holt. Danach haben wir nur noch da gesprayt, wo wir durften. Und ich war auch nur mäßig begabt, muss man sagen.

Was können Fans in den nächsten 25 Jahren noch von Ihnen erwarten?

In vier Jahren hätte ich 30-jähriges Bühnenjubiläum und das ist auf alle Fälle ein sehr realistisches Ziel. Und dann muss man es nehmen, wie es kommt. Wenn ich gesundheitlich in der Lage bin, die Leute mich sehen wollen und ich noch Ideen habe, mache ich gerne weiter, bis es mich umhaut. Und sonst passt man sich halt an. Ich glaube, das Leben bestimmt, da kann man sich wünschen, was man will.

Das Gespräch führte Alexandra Knief.

Info

Zur Person

DJ Bobo heißt eigentlich René Peter Baumann und wurde 1968 im schweizerischen Kölliken (Kanton Aargau) geboren. Aus der sogenannten Eurodance-Zeit der 1990er-Jahre ist er einer der wenigen Künstler, die immer noch erfolgreich unterwegs sind. Auf seiner 2019er-Tournee macht er am 18. Mai auch in der ÖVB-Arena in Bremen Station.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+