Konzertkritik

Indie-Rockband Kettcar verabschiedet sich in Bremen auf Zeit

Liebeslieder und politische Botschaften – Kettcar spielte im Pier 2 ihr vorerst letztes Konzert in Bremen. Der Abend fühlte sich an wie eine Reise durch die Zeit der 2001 gegründeten Band.
01.02.2020, 20:14
Lesedauer: 2 Min
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Indie-Rockband Kettcar verabschiedet sich in Bremen auf Zeit
Von Elena Matera
Indie-Rockband Kettcar verabschiedet sich in Bremen auf Zeit

Kettcar-Sänger Marcus Wiebusch singt am Freitagabend im Pier 2 jeden Song so, als würde er eine Geschichte erzählen. Für die 2001 in Hamburg gegründete Band ist es vorerst das letzte Konzert in Bremen. Die fünf Musiker wollen eine längere Pause machen.

Pascal Faltermann

Die Bühne liegt im Dunkeln. Nur Bandmitglied Lars Wiebusch ist zu sehen. Er steht am Keyboard, spielt die ersten sanften Akkorde des Songs „Volle Distanz“ aus dem Jahr 2002. Das Konzert der Hamburger Indie-Rockband Kettcar am Freitagabend im Pier 2 startet mit ruhigen Tönen. Nach und nach treten die anderen Bandmitglieder auf die Bühne: Sänger Marcus Wiebusch, Bassist Reimer Bustorff, Gitarrist Erik Langer und Schlagzeuger Christian Hake – alle wie gewohnt in schwarzen Hemden.

Die anfängliche Ruhe hält nicht lange an. Bei „Benzin und Kartoffelchips“, aus dem Album „Ich vs. Wir“, das 2017 veröffentlicht wurde, singen und tanzen die Konzertbesucher mit. Im Hintergrund laufen auf großen LED-Wänden die Musikvideos zu den Songs. Begleitet wird Kettcar an diesem Abend von einem erstklassigen Bläser-Trio, das zwischen Querflöte, Trompete, Posaune, Flügelhorn und Saxophon wechselt und den Stücken so einen ganz neuen Anstrich verleiht.

Mit viel Gefühl und ohne Kitsch

Für ehrliche Romantik sorgt das Liebeslied „Balu“ aus dem zweiten Album „Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen“ von 2005. Marcus Wiebusch, sein Bruder Lars am Keyboard und ein Trompeter stehen alleine auf der Bühne und spielen die Ballade mit viel Gefühl, aber ganz ohne Kitsch – eine große Stärke der Band.

Zu den Highlights des Konzerts gehören die kurzen Geschichten von Bassist Reimer Bustorff, die er zwischen den Songs erzählt. Er spricht von seiner zehnjährigen Tochter Lotti, die ihm im Kino bei einem Kinderfilm hat sitzen lassen, weil sie ihn zu peinlich fand. Bustorff erzählt auch, wie er einmal mit Thees Uhlmann verwechselt wurde oder sich Vitamin-D-Tabletten nach einem Spaziergang durch die Waterfront einwerfen musste.

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Zwischen den Erzählungen spielt Kettcar Liebeslieder, aber auch Songs mit politischer Botschaft, etwa „Sommer '89“ aus ihrem Album „Ich vs. Wir“. Marcus Wiebusch leitet das Lied mit den Worten ein: „Ein Song über Zäune und wie wir Menschen dadurch helfen.“ Es ist die Geschichte eines Hamburgers, der Familien aus der DDR bei der Flucht in den Westen hilft – ein Song über Menschlichkeit.

In „Der Tag wird kommen“ aus Wiebuschs Soloalbum geht es um Homophobie im Profifußball. Es ist ein wütendes, emotionales Lied. Im Video, das auf der LED-Wand im Hintergrund läuft, sieht man Fußballfans aus verschiedenen Vereinen, die den Song mitsingen. Wiebusch lobt die Zusammenarbeit mit dem Verein Werder Bremen, dessen Fans im Video auftauchen – die Konzertbesucher jubeln.

Am Schluss noch drei Zugaben

Der Abend im Pier 2 fühlt sich wie eine Reise durch die Zeit der 2001 gegründeten Band an. Die Musiker spielen Songs aus all ihren veröffentlichten Alben. Vom Klassiker „Landungsbrücken raus“ von 2002 bis zu Stücken ihrer EP von 2019. Das Konzert ist auch ein Abschied in eine Pause. „Wir kommen nur zurück, wenn wir unser letztes Album übertreffen“, sagt Marcus Wiebusch zum Schluss des Konzerts. Nach drei Zugaben geht Kettcar von der Bühne. Das Publikum jubelt, pfeift, klatscht so laut, dass die Band noch einen Song aus ihrem ersten Album spielt: „Mein Skateboard kriegt mein Zahnarzt“. Es klingt nach Abschied – vielleicht ist es nur einer auf Zeit.

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