Roger Hodgson singt in Bremen

Innig, intim, intensiv

Roger Hodgson, vormals eine der beiden Stimmen von Supertramp, gibt im Metropol ein umjubeltes Theaterkonzert.
29.08.2018, 14:03
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Innig, intim, intensiv
Von Hendrik Werner
Innig, intim, intensiv

Sanfte Posen eines grandiosen Sängers. Mit diesem Bild des talentierten Mr. Hodgson warb der Veranstalter für das bestens besuchte Theaterkonzert im Bremer Metropol.

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Bremen. Unmittelbarer lässt sich ein Auftritt kaum gestalten. Das sogenannte Theaterkonzert des Sängers Roger Hodgson im Metropol besticht durch die – keineswegs nur räumliche – Nähe des Musikers zum Publikum. Der Brite, bis 1983 die prägnant hohe Stimme der Progressive-Rockband Supertramp, lässt sich auf eine innige, intime und intensive Beziehung mit dem Auditorium ein. Er hoffe, sagt der überwiegend in Weiß gewandete 68-Jährige eingangs, dass jeder im Saal an diesem Abend zwei oder drei Lieder im Repertoire finde, die ihn auf eine Reise mit schönen Erinnerungen forttragen würden.

Und siehe: So geschieht es. Mit Hits, Hits, Hits – von "Hide in Your Shell" (1974) bis Logical Song" (1979), von "In Jeopardy" (vom Solo-Debüt "In the Eye of the Storm", 1984) bis "Along Came Mary" (vom – einstweilen – letzten Studioalbum "Open the Door", 2000). Und mit einer gut eingespielten Band, die allerdings passagenweise so lautstark agiert, dass es gegen Ende des umjubelten Auftritts unweigerlich zu Lasten der Vernehmlichkeit von Hodgsons Falsett geht, dessen oft anrührende Brüchigkeit freilich Programm ist.

Mit stehendem Applaus wird der Künstler begrüßt, der sich glaubhaft als einen glücklichen Mann bezeichnet, weil er das tun kann, was er liebt: eigens komponierte Lieder zu singen, die anderen Menschen nahegehen und nachgehen. Zum Auftakt intoniert er "Take the Long Way Home", gefolgt von dem gänsehautträchtigen Titel "School", zu dem ein bemerkenswert vielfältiger Bläser das markante Mundharmonika-Intro und später formidable Flötentöne beisteuert. Leider sind zu diesem frühen emotionalen Höhepunkt wegen doppelter Buchungen immer noch einige Zuhörer ohne Sitzplatz.

Die Lichteffekte sind warm, kunterbunt und sporadisch sogar psychedelisch grundiert. Zu dieser 70er-Jahre-Reminiszenz fügt sich trefflich das Bühnenbild, in dessen Blickpunkt eine schmucke Kunstpalmenreihe steht. Die wiederum passt bestens zu einem Song, in dem der talentierte Mr. Hodgson bereits im Alter von 19 Jahren beredt davon träumte, den kalifornischen Mädchen seine Aufwartung zu machen: "Breakfast in America". Heute ist das vormals schwärmerisch gestimmte Lied freilich auch als Persiflage eines mythisch bekränzten, faktisch indes begrenzten Möglichkeitslandes lesbar.

Kurios wirken einige weniger sichtbare Requisiten, darunter drei kleinere Teppiche und zwei farbenfroh eingewickelte Podeste, auf denen Instrumente wie das Schlagwerk sowie Mikrofonständer postiert sind. Was wie planvoll ausgewähltes Interieur zur Einrichtung einer guten Spießerstube aussieht, soll an ein Wohnzimmerkonzert denken lassen. Tatsächlich ist die legere Atmosphäre danach. Das zeigt sich auch daran, dass Hodgson "Sister Moonshine" für ein Geburtstagskind im Saal singt (samt Projektion eines Vollmondes und dramatischer Wolkenflüge). Wie auch an seiner Würdigung des Umstands, dass eine besonders loyale Anhängerin an diesem Abend ihre sage und schreibe 97. Bühnenshow mit ihm erlebt.

Einen Star zum Anfassen nennt man derlei wohl. Roger Hodgson, wohltuend unprätentiös, darf gern ein weiteres Mal in dieser Spielstätte einkehren. Das jedenfalls signalisieren die sehr freundlichen Beifallskundgebungen.

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