Neue Talkshow-Gastgeberin in Bremen

Judith Rakers moderiert ab September "3nach9"

Bremen. Tagesschau-Sprecherin Judith Rakers wird neue Gastgeberin von "3nach9". Anfang September tritt sie bei Radio Bremen an der Seite von Giovanni di Lorenzo die Nachfolge von Charlotte Roche an. Für Rakers dürfte es ein Sprung ins kalte Wasser werden.
09.08.2010, 06:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Peter Groth
Judith Rakers moderiert ab September "3nach9"

Tagesschau-Sprecherin Judith Rakers moderiert ab 3. September an der Seite von Giovanni di Lorenzo die Talkshow „3

dpa

Bremen. Gewollt hat sie schon - aber sagen hat sie es nicht dürfen: Der Traum der Judith Rakers, einmal feste Moderatorin einer Fernseh-Talkshow zu werden, geht nun in Erfüllung. Die in Hamburg lebende und in der Tagesschau-Redaktion als feste freie Mitarbeiterin tätige Journalistin wird neue Gastgeberin von '3nach9'. Am 3. September tritt sie an der Seite von Giovanni di Lorenzo die Nachfolge von Charlotte Roche an.

Noch am vergangenen Freitag hatte Giovanni di Lorenzo die jüngste Sendung mit dem Hinweis beendet, am 3. September sähe man sich dann mit einer neuen Gastgeberin wieder. Deren Namen ließ er offen. Zu diesem Zeitpunkt wusste er wohl noch nicht, dass er zukünftig gemeinsam mit Judith Rakers von Hamburg zur Sendung nach Bremen fahren kann - die Talkshow mit Gastmoderatorin Sarah Wiener war schon in der ersten Juli-Woche vor dem 'Probe-Auftritt' von Judith Rakers aufgezeichnet worden, und da war die Entscheidung wohl noch nicht gefallen.

Das eigentliche '3nach9'-Debüt von Judith Rakers am 9. Juli mit Pierre Brice, Lisa Fitz, Manfred Breuckmann und Sido geriet auch nicht so, dass man nun als Zuschauer und Beobachter glauben musste, sie könne die 'Neue' in der Radio Bremen-Talkshow werden. Judith Rakers agierte recht statisch, hielt sich vornehm zurück, zeigte sich gleichwohl aber schlagfertig und vor allem recht gut vorbereitet. Ihre in vielen Jahren als Nachrichtensprecherin geschulte Stimme und die saubere Artikulation konnte sie aber gleichwohl als Pluspunkte verbuchen. Nach diesem Auftritt mutmaßte man bei Radio Bremen schon, die '3nach9'-Redaktion werde sich wohl für eine Fortsetzung der Sendung mit weiteren Gastmoderatorinnen entscheiden - einfach um mehr Zeit für die Auswahl einer neuen festen Gastgeberin herauszuschlagen.

Talkshow als Neuland

Nun ist die Entscheidung doch für Judith Rakers gefallen - über die Gründe dafür kann man zum jetzigen Zeitpunkt nur spekulieren. Die '3nach9'-Verantwortlichen um Helge Haas glauben offenkundig an die fernseherfahrene Journalistin, trauen ihr zu, die Gesprächssendung ähnlich locker und kompetent wie ihre vielen Vorgängerinnen moderieren zu können.

Judith Rakers selbst hat sich noch im Juni im Gespräch mit dem WESER-KURIER eher abwartend geäußert. Sie habe in der Vergangenheit noch nie längere Gespräche vor laufender Kamera geführt und wolle ihren Gastauftritt erst einmal abwarten, bis sie für sich eine Entscheidung träfe. Nun erklärte sie bei Radio Bremen: „Der Anruf, dass die Redaktion sich für mich entschieden hat, erreichte mich im Urlaub. Mitten auf der Straße in Palma de Mallorca. Ich habe sofort Ja gesagt. Die Moderation von 3nach9 ist ein Ritterschlag, für den jeder niederkniet."

Nur - das klang schon damals so, als wolle sie nicht vorschnell Interesse anmelden, um ihre Chancen nicht zu schmälern. In ihrer mittlerweile 15-jährigen journalistischen Laufbahn hat es für die in Bad Lippspringe aufgewachsene Judith Rakers immer wieder Situationen gegeben, in denen sie sprichwörtlich ins kalte Wasser sprang und die ihr übertragenen Aufgaben auf Anhieb meisterte. Als ganz junge Radiomoderatorin bei einem Privatsender in Paderborn war sie beispielsweise gezwungen, ein mehrstündiges Morgenmagazin ohne jede Vorbereitung zu gestalten, weil der eigentlich vorgesehene Kollege die Zeit verschlafen hatte. Fortan war sie desöfteren die ausgeschlafene Begleiterin ihrer Hörer im Radio.

Und auch ihr Wechsel von Münster, wo sie das Studium der Publizistik und Geschichte mit einem Diplom abschloss, nach Hamburg hatte auch andere Konsequenzen als die, die Judith Rakers eigentlich geplant hatte. Sie wollte bei Professor Siegfried Weischenberg in Hamburg promovieren, arbeitete auch lange an ihrem Thema und nebenbei aus finanziellen Gründen als Aushilfe beim NDR.

Ja, und dann fiel dort ihr journalistisches Talent auf und ratzfatz war sie Live-Reporterin beim 'Hamburg Journal' im NDR-Regionalfernsehen. Zwischendurch hatte sie sich noch mal bei Focus TV ausprobiert, aber der NDR wurde dann ab 2005 ihr fester neuer Platz - und die Promotion über die Geschichte des Deutschen Journalisten Verbandes verschwand erst einmal in der Schublade.

Neue Herausforderung gesucht

Mehr noch - Judith Rakers war bis Januar 2010 das Aushängeschild des Hamburger Regionalfernsehens, sie moderierte die Sendung, sie führte Live-Interviews und verblüffte manchen Gesprächspartner durch ihre unverblümte Direktheit. Parallel begann ihre Karriere als Tagesschau-Sprecherin, die ihr bundesweite Bekanntheit einbrachte. Damit einher gingen immer wieder Moderationen von Veranstaltungen in der ganzen Republik und ihr Engagement als Journalistin für die Zeitschrift 'Brigitte'. Als sie sich dann im Januar vom 'Hamburg Journal' verabschiedete, war klar - Judith Rakers sucht eine neue Herausforderung.

In Bremen hat sie die nun gefunden. Und sie wird diese Aufgabe so angehen wie alle ihre bisherigen Tätigkeiten - mit extremer Leistungsbereitschaft und mit hoher Selbstdiziplin. Sie selbst beschreibt sich als enorm belastbar und sehr zielstrebig. Zielstrebigkeit hat die 34-Jährige seit ihrer Schulzeit immer wieder unter Beweis gestellt, ihre Belastbarkeit hat sie in den Jahren bei der Tagesschau mit den Schichten rund um die Uhr erprobt.

Dort wird sie auch weiter im Team der festen freien Mitarbeiter von Jan Hofer arbeiten und nur rund um die Bremer '3nach9'-Termine seltener auf dem Bildschirm erscheinen. Dass der erste etwas statisch geratene Auftritt bei Radio Bremen eine Eintagsfliege bleibt, darf man getrost unterstellen. Judith Rakers ist anders als in ihrer Tätigkeit als Nachrichtensprecherin eine ungemein lebhafte Erzählerin, redet ohne Punkt und Komma, wenn man sie denn läßt.

In die neue Rolle als Gastgeberin bei '3nach9' wird sie hineinwachsen müssen. Sie traut sich das offenbar zu, unterschiedlichsten Gästen Bekenntnisse zu entlocken oder sich - wie im Fall des Rappers Sido - auch sprachlich auf die Ebene von Menschen aus ganz anderen gesellschaftlichen Sphären zu begeben.

Am 3. September kann sie das unter Beweis stellen. Dann trifft sie unter anderem auf Deutschlands 'Foodwatcher' Thilo Bode und auf Ulrich Tukur, der ähnlich zielstrebig und belastbar wie die neue '3nach9'-Gastgeberin ist.

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