Theater Bremen stellt neuen Spielplan vor

Jugendliche sollen gezielt umworben werden

Bremen. Dort, wo sonst einer sitzt, nahmen am Montag gleich fünf Platz: Die neue künstlerische Leitung des Theaters Bremen, bestehend aus den Leitern der Sparten, stellte den Spielplan für die kommende Saison vor. Ein Schwerpunkt: Jugendlichen Theater schmackhafter zu machen.
26.04.2010, 15:28
Lesedauer: 3 Min
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Jugendliche sollen gezielt umworben werden
Von Iris Hetscher

Bremen. Dort, wo sonst einer sitzt, nahmen am Montag gleich fünf Platz: Die neue künstlerische Leitung des Theaters Bremen, bestehend aus den Leitern der Sparten, stellte den Spielplan für die kommende Saison vor. Ein Schwerpunkt: Jugendlichen Theater schmackhafter zu machen.

Der noch amtierende Intendant Hans-Joachim Frey war bei der ausführlichen Vorstellung des Spielplans für die Saison 2010/2011 nicht anwesend, sein Name wurde auch nicht erwähnt. Trotzdem war er präsent - denn sein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Amt hatte die "Interimslösung", wie Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz betonte, erst notwendig gemacht. Wie es weitergeht am Haus am Goetheplatz, dafür zeichnen für die kommenden zwei Jahre Rebecca Hohmann (Moks), Marcel Klett (Schauspiel), Patricia Stöckemann (Tanztheater), Hans-Georg Wegner (Musiktheater) sowie Martin Wiebcke (künstlerischer Betriebsleiter) verantwortlich. Sie sei dankbar, dass das Quintett diese Verantwortung übernommen habe, erklärte Emigholz - das verschaffe ausreichend Zeit, um in Ruhe nach einem neuen Intendanten zu suchen. Es gehe immerhin darum, einen städtischen Zuschuss von 24 Millionen Euro pro Jahr zu verwalten, personelle Schnellschüsse verböten sich da.

Auch wenn's eine Übergangszeit ist: Stillstand soll es am Goetheplatz nicht geben, auch kein bloßes Verwalten der Sparten, das betonten die neuen künstlerischen Leiter einmütig. Im Gegenteil: Man wolle das Theater mit der Lebenswirklichkeit verlinken, dezidiert auch mit der in Bremen. "Die Menschen sollen Erfahrungen machen, wenn sie eine Vorstellung besuchen", sagte Hans-Georg Wegner. Man wolle zu Debatten anregen, sich einmischen, nicht über den Dingen stehen.

Dazu passt der rote Faden, der durch den Spielplan gelegt worden ist: In jeder Sparte gibt es eine Produktion, die sich klar an Jugendliche wendet- eine Klientel, die für das Theater verloren zu gehen droht. In der Oper ist das "Drei alte Männer wollen nicht sterben" von Guus Ponsioen, das sich mit den Themen Tod und Sterben auseinandersetzt. Das Schauspiel setzt mit "Ronja Räubertochter" nach Astrid Lindgren kurz vor Weihnachten Akzente, das Tanztheater befasst sich in "Flashmob" mit dem gleichnamigen Phänomen. Inszeniert wird "Flashmob" von Henrietta Horn, die der Tanztheater-Tradition Pina Bauschs verpflichtet ist. Das Kinder- und Jugendtheater Moks präsentiert mit "DNA" von Dennis Kelly ein Stück, das sich mit den exzessiven Gewaltausbrüchen Jugendlicher und der Frage der moralischen Verantwortung befasst. Nicht nur in der kommenden Saison, sondern auch in den darauf folgenden soll dieser Schwerpunkt im Spielplan verankert werden.

Doch nicht nur inhaltlich möchte das Theater attraktiver für Jugendliche werden. "Wir haben festgestellt, dass die günstigste Karte bisher 17 Euro kostet", so Marcel Klett. In der kommenden Spielzeit werden die Preise für Schüler, Studenten und Auszubildende auf 10 Euro (Theater am Goetheplatz) und 9 Euro (Schauspielhaus) gesenkt. Damit auch Kinder aus Familien, die über wenig Geld verfügen, eine Vorstellung besuchen können, gibt es das Projekt "Klassenlos". Grundsätzlich wird es zu einer Änderung bei den Preisen kommen, erklärte Klett. Einige Karten würden teurer, andere günstiger. Im Schauspielhaus stehen durch eine geänderte Platzausweisung mehr günstige Karten als vorher zu Verfügung.

Zurück zum Repertoire

In der kommenden Spielzeit wird der Spielplan im Schauspiel zudem wieder auf Repertoire umgestellt - dies biete mehr Abwechslung fürs Publikum, so Marcel Klett, verantwortlich für diesen Bereich. Zwölf Premieren wird es geben, den Auftakt macht am 2. September "Was ihr wollt" von William Shakespeare. Spektakulär dürfte die Inszenierung der "Nibelungen" von Friedrich Hebbel in der Regie von Herbert Fritsch werden, auch ein Fassbinder-Film hat nach "Die bitteren Tränen der Petra von Kant" wieder den Weg auf die Bremer Bühnen gefunden: "In einem Jahr mit 13 Monden" hat einen Transsexuellen als Hauptfigur.

In der Oper macht der "Rosenkavalier" von Richard Strauss vom 26. September den Auftakt. Spektakulär dürfte es zudem bei Mozarts "Idomeneo" werden - für das Bühnenbild hat das Theater hier die Mannschaft von "Urban Screen" gewinnen können. "Urban Screeen" ist für fantasievolle großflächige Projektionen, beispielsweise beim Viertelfest, bekannt. Auch eine Uraufführung wird das Musiktheater präsentieren können: Die Bremer Theaterfreunde ermöglichen die Produktion von "Kryos" des jungen Komponisten Jörn Arnecke. Das Werk spielt in einer eisigen Welt nach dem Klimawandel.

Die große Produktion des Bremer Tanztheaters wird am 21. April Premiere feiern und mit der Wiedereröffnung der Bremer Kunsthalle zusammenfallen. "Perpetuum Mobile" von Urs Dietrich setzt dabei zum ersten Mal auf die Kooperation mit dem Schauspiel. Die Zusammenarbeit mit dem Tanztheater Oldenburg wird zudem fortgesetzt, aber aus technischen Gründen eingeschränkt, so Tanztheater-Chefin Patricia Stöckemann. Zwei Produktionen aus Bremen werden in Oldenburg zu sehen sein, "Triple Bill" heißt das Stück, das aus Niedersachsen nach Bremen kommt.

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