Bremer Regisseur bringt Film in Kinos Keine Angst vor Tragikomik

Bremen. Nach "Selbstgespräche" und "Arschkalt" kommt am Donnerstag der neue Film des Bremer Filmemachers André Erkau in die Kinos: "Das Leben ist nichts für Feiglinge". Erkau erzählt wie immer humorvoll, aber dieses Mal von Tod und Trauer.
17.04.2013, 05:00
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Keine Angst vor Tragikomik
Von Jörn Seidel

Bremen. Nach "Selbstgespräche" und "Arschkalt" kommt am Donnerstag der neue Film des Bremer Filmemachers André Erkau in die Kinos: "Das Leben ist nichts für Feiglinge". Erkau erzählt wie immer humorvoll, aber dieses Mal von Tod und Trauer.

Rund drei Jahre ist es her, dass der Bremer Filmregisseur André Erkau vom Autor Gernot Gricksch ein Buch in die Hand gedrückt bekam. Er solle es unbedingt lesen, das könne ein superguter Film werden, habe der Schriftsteller ihm gesagt. Es handele von Tod, Krebs und Pubertät – das habe Erkau zunächst zurückgeschreckt. Als er es aber las, habe er sofort das große Potenzial erkannt. "Der Roman behandelt existenzielle, schwere Themen mit ungewohnter Leichtigkeit und großem Esprit", sagt Erkau im Gespräch mit dieser Zeitung. "Mir war klar, dass ich unbedingt diesen Film machen möchte." Am Donnerstag kommt "Das Leben ist nichts für Feiglinge" in die Kinos.

Der Film erzählt von der Trauerbewältigung eines Mannes und seiner Tochter nach dem plötzlichen Tod der Ehefrau und Mutter. Familienvater Markus Färber (Wotan Wilke Möhring) arbeitet in Hamburg als Catering-Dienstleister und muss fröhlichen Menschen beim Feiern zuschauen. Dem Tod seiner Frau begegnet er mit Verdrängung und versucht vergeblich, Normalität vorzuspielen.

Tochter Kim (Helen Woigk) zieht sich derweil immer mehr zurück und kapselt sich sogar vom Vater ab. In der Schule gilt das schwarz gekleidete Mädchen ohnehin als Außenseiter.

Ausgerechnet ein weiterer nahender Tod bringt Leben in das Trauerspiel. Markus‘ Mutter Gerlinde (Christine Schorn) verheimlicht Markus und Kim ihre Krebserkrankung. Aber die lebensfrohe Pflegerin Paula (Rosalie Thomass) lüftet das Geheimnis.

Wenig später haut Kim mit ihrem Schwarm Alex (Frederick Lau) nach Dänemark ab. Für Markus heißt es jetzt, aus der Trauer zu erwachen, nach vorne zu schauen und voller Lebensmut die Familie wieder zu vereinen.

Erkau will mit seinem Film existenzielle Themen ansprechen und trotzdem das Publikum unterhalten. Als er mit Gricksch das Drehbuch entwickelte, sah er im Kino den französischen Film "Kleine wahre Lügen" über einen gemeinsamen Urlaub einer Gruppe von Freunden, die sich plötzlich mit verborgenen Problemen konfrontiert sehen. "Ein wunderbarer, humorvoller Film mit großer Tiefe. Warum scheuen deutsche Filmemacher vor solchen tragikomischen Stoffen viel zu oft zurück?", fragt der Regisseur.

Dass André Erkau eine Vorliebe für die leichte Form hat, zeigte er bereits mit seinen ersten beiden Filmen. In "Arschkalt" erzählt er von einem nörglerischen Tiefkühlkost-Lieferanten, in seinem Erstling "Selbstgespräche" von der bizarren Parallelwelt eines Callcenters. Während Letzterer einer humorvollen, aber kühlen Versuchsanordnung glich, zeigt sich Erkau mit seiner neuen Produktion von einer anderen Seite. "Ich denke ’Das Leben ist nichts für Feiglinge‘ ist wohl mein bislang wärmster Film geworden", sagt der Regisseur.

Der Balanceakt zwischen Bitterkeit und Humor sei für ihn eine ständige Herausforderung gewesen. Im Schneideraum sei vieles verändert worden, was noch im Drehbuch wunderbar funktionierte, damit der Film am Ende nicht in Zynismus umkippt. Statt der Gags nach der Beerdigungsszene herrscht nun pietätvolles Schweigen. Dass die Tragikomödie bei den Zuschauern funktioniert, habe er auf den Festivals zu spüren bekommen. "Ich hörte das Publikum nicht nur lachen, sondern sah auch am Ende verweinte Gesichter."

Zurzeit arbeitet der Regisseur an zwei weiteren Spielfilmen. Der eine sei eine Variation der Bremer Stadtmusikanten, so Erkau, in der vier Menschen in einem Wagen zusammentreffen, darunter ein Kidnapper und ein Alleinunterhalter. Der Arbeitstitel: Muschelschubser.

Meistens jedoch arbeitet er mit Produzenten außerhalb Bremens zusammen. "Zum Drehen muss man ohnehin oft seinen Wohnort verlassen. Also kann ich auch in meiner alten Heimat Bremen wohnen. Hier fühle ich mich wohl, ich mag das Tempo der Stadt, die relaxte Bremer Lebensart. Und die Stadt inspiriert mich, weil ich hier nicht unter einer künstlerischen Käseglocke lebe", sagt Erkau.

Der gebürtige Dortmunder ist in Bremen aufgewachsen. Nach langer Abwesenheit – zuletzt wohnte er in Köln – kehrte Erkau erst vor wenigen Jahren an die Weser zurück.

Zur Bremer Premiere in der Schauburg heute um 21 Uhr ist André Erkau zu Gast.

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