Kommentar zur Lage der Kinobranche

Exklusivität in Gefahr

Es sind viele Probleme, mit der die Kinobranche gerade zu kämpfen hat. Lockerungen der Abstandsregeln alleine lösen aber nicht alle Sorgen in Luft auf. Auch Hollywood muss mitspielen, meint Alexandra Knief.
10.09.2020, 05:00
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Exklusivität in Gefahr
Von Alexandra Knief
Exklusivität in Gefahr

Für Kinobetreiber ist die wirtschaftliche Lage durch die Corona-Pandemie weiterhin schwierig.

Julian Stratenschulte/dpa

Es ist kein kleiner Einschlag, mit dem die Kinobranche aktuell zu kämpfen hat, es ist ein Meteoriten-Hagel: viel weniger Plätze durch Corona-Beschränkungen, kaum neue Blockbuster, dazu Produktionsfirmen, die das Kino überspringen und mit ihren Filmen einfach direkt online gehen. So hat es zum Beispiel Disney gerade mit „Mulan“ gemacht. Wenn das so weitergeht, dann gibt es die bunte Kinolandschaft, so wie wir sie kennen, bald nicht mehr.

In Bremen leiden gerade die kleinen Betriebe unter den Auflagen, den großen machen die ausbleibenden Blockbuster-Neustarts zu schaffen. Es ist also verständlich, dass die Betreiber Lockerungen der Abstandsregelungen fordern und sich benachteiligt fühlen, wenn sie aus 1,5 Metern Entfernung dabei zusehen, wie man in Berlin oder Sachsen näher zusammenrückt.

Das Ganze ist allerdings kein Bremer Problem und auch nicht allein ein bundesweites, es ist ein internationales. Die Länder bilden, wenn man die Auflagen betrachtet, einem Flickenteppich. Solange das so bleibt, werden sich die großen Produktionsfirmen dreimal überlegen, wann und wie sie ihre Filme auf den Markt bringen. Daran würden Lockerungen in Bremen alleine auch nichts ändern. Wenn, dann müssten alle Bundesländer, am besten sogar alle Staaten, an einem Strang ziehen. Die Corona-Lage lässt dies aber längst nicht überall zu.

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Ob sich Kino trotz Regel-Flickenteppich lohnen kann, testet Warner Bros. gerade mit dem Actionthriller „Tenet“. Bisher sind die Besucherzahlen solide, was hoffen lässt. Dennoch bleibt ein Ausweichen auf den digitalen Weg für große Anbieter verlockend: Universal hatte im Frühjahr seinen Film „Trolls World Tour“ direkt auch zum kostenpflichtigen Download angeboten und damit ordentlich Gewinn gemacht. Sollte das Kreise ziehen, bedeutet dies einen weiteren Einschlag für die Kinobranche. Wer gar nicht oder nur wenige Wochen darauf warten muss, dass er einen Film auch zu Hause schauen kann, spart sich den Gang ins Kino. Die Exklusivität, ein großer Vorteil der Lichtspielhäuser, würde verloren gehen.

Die Kinobranche wird diesen Meteoriten-Hagel noch eine Weile aushalten müssen. Nicht alle werden heil aus ihm herauskommen. Der Unmut und die Sorgen vieler Bremer Betreiber sind also verständlich. Die Kinos werden weitere Hilfe brauchen. Die lokale Politik wird die Probleme alleine aber nicht lösen können. Auch Hilfe aus Hollywood ist notwendig.

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