Theaterleiter Knut Schakinnis im Interview

„Jede Großstadt hat ihre Komödie“

Komödie Bremen im Packhaustheater - so lautet der neue Name vom Packhaustheater im Schnoor. Über die Umbenennung, den Neustart nach Corona und die Zukunft seiner Theater spricht Knut Schakinnis im Interview.
02.09.2020, 12:19
Lesedauer: 3 Min
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„Jede Großstadt hat ihre Komödie“
Von Alexandra Knief

Herr Schakinnis, das Packhaustheater macht nach sechs Monaten Corona-Zwangspause nun wieder auf und heißt ab sofort Komödie Bremen im Packhaustheater. Warum der neue Name?

Knut Schakinnis : Das Packhaustheater hat eine lange Tradition und hatte im Laufe seines Bestehens eine sehr abwechslungsreiche Ausrichtung. Seit einigen Jahren haben wir aber die Ausrichtung Komödie, und da es in Bremen noch keine Komödie gibt, dachten wir, wir benennen das Packhaustheater einfach um. So wissen auch Zuschauer von außen gleich, was sie erwartet. Auch bei Zuschauern, die vor 20 Jahren zum letzten Mal zu Gast waren, gab es da schon hin und wieder Irritationen. Jede Großstadt hat ihre Komödie, jetzt hat Bremen auch eine.

Dank Corona wird in den kommenden Monaten bei einem Theaterbesuch aber nicht nur der Name anders sein. Was ändert sich sonst noch?

Wir haben jede zweite Reihe herausgenommen und Tische bauen lassen. Das schafft ein bisschen mehr Atmosphäre. Weil wir keine Pause machen dürfen, können die Leute ihre Getränke vorab bestellen und kriegen ein kleines Körbchen mit Flaschen, Gläsern und etwas zu Knabbern von uns an ihren Tisch. Zudem gibt es Plexiglasabgrenzungen zwischen den Tischen. Beim Betreten des Theaters werden die Gäste auf die Hygienemaßnahmen aufmerksam gemacht, und wer vergessen hat, vorab ein Körbchen zu bestellen, kann das noch nachholen. Das Körbchen wird dann am Tisch serviert, damit kein Gedränge entsteht. Wer herumläuft, zum Beispiel auf die Toilette geht, muss – wie überall – eine Maske aufsetzen. Aber daran haben die Leute sich ja schon gewöhnt.

Normalerweise passen 150 Besucher in den Theatersaal. Wie viele dürfen jetzt zuschauen?

70 Personen. Ein paar Vorstellungen sind sogar schon ausverkauft, die Leute sind neugierig. Wir sind froh, dass überhaupt wieder was läuft. Bei unserem Gastspiel im Metropol-Theater war die Nachfrage etwas schleppend. Und auch in Gesprächen mit anderen Theaterleitern wurde deutlich, dass die Zurückhaltung bei vielen Besuchern noch sehr stark ist.

Sind Ausflüge ins Metropol-Theater erneut denkbar, oder war das eine einmalige Sache?

Nein, die sind durchaus denkbar! Wir sind ständig in Kontakt. Für uns war das Ganze eine kleine Imagepflege, wir haben damit keinen großen Gewinn gemacht, und das sollte auch nicht so sein. Es ging darum, wieder mit dem Publikum in Kontakt zu treten.

Das Theaterschiff ist doch noch etwas größer als Ihr Theater im Schnoor, warum machen Sie dort nicht wieder auf?

Es geht einfach nicht. Der Gang vor den Toiletten ist zu eng, um alle Abstände einzuhalten. Auch beim Getümmel unten im Schiff wird es schwierig. Wir hätten nicht mehr als 30 Plätze besetzen dürfen. Damit kriegen wir keine finanzielle Deckung hin. Also heißt es erst einmal: ducken und überleben. Wir hoffen, dass wir im Frühjahr wieder an den Start gehen können.

Aber die 70 Plätze in der Komödie rentieren sich?

Nein, rentieren tut sich das auch nicht. Auch das ist eine Imagegeschichte. Wenn wir Glück haben, kommen wir bei Null raus. Dadurch, dass wir kleinere Stücke mit weniger Schauspielern spielen, konnten wir die Kosten reduzieren. Die vergangenen sechs Monate waren unglaublich harte Arbeit. Und natürlich ist es für uns alle schön, dass wir uns endlich mal wieder um das kümmern können, was wir sonst immer machen: Theater!

Los geht es am 10. September mit der Premiere von „Zwei wie Bonnie & Clyde“, Sie haben Regie geführt. Worum geht es?

Es geht um ein Pärchen, das von der Intelligenz nicht unbedingt geküsst wurde. Der Imbiss der beiden wurde zugemacht, und so kommen sie auf die glorreiche Idee, Banken zu überfallen, um sich nach Las Vegas abzusetzen und mit dem geklauten Geld Schönheitsoperationen zu finanzieren. Das läuft äußerst erfolglos. Aus der Spannung zwischen den Schauspielern Martina Flügge und Mark Derichs ergibt sich eine schöne Komik.

Das Gespräch führte Alexandra Knief.

Info

Zur Person

Knut Schakinnis

ist Geschäftsführer und künstlerischer Leiter des Theaterschiffs Bremen, Theaterschiffs Lübeck, Packhaustheaters, Theaters Worpswede, der Komödie Kassel und der Komödie Bielefeld.

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