Internationales Tanzfestival in Bremen Körperkult und Seelenschau

Bremen. 34 Produktionen präsentiert das Festival Tanz Bremen vom 16. bis 25. März im Theater und in der Schwankhalle. Darunter befinden sich Arbeiten international bekannter Choreografen, aber auch Stücke der Bremer Tanzszene.
13.01.2012, 05:00
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Körperkult und Seelenschau
Von Alexandra Albrecht

Bremen. 34 Produktionen präsentiert das Festival Tanz Bremen vom 16. bis 25. März im Theater und in der Schwankhalle. Darunter befinden sich Arbeiten international bekannter Choreografen, aber auch Stücke der Bremer Tanzszene. Die Weserburg und die Kunsthalle beteiligen sich am umfangreichen Rahmenprogramm.

Bremen. Eröffnet wird das Festival Tanz Bremen am 16. März im Theater am Goetheplatz von der amerikanischen Compagnie Gallim Dance, die ihr Stück "Wonderland" erstmals in Europa aufführt. In den USA wird die Truppe von Andrea Miller, die einst bei Batsheva getanzt hat, für ihre lebhafte Mischung aus Ballett, Burlesque und Revue gefeiert. Das sehr tänzerische Stück, das sich mit dem eigenen Metier, dem Showgeschäft, befasst, verspricht recht unterhaltsam zu werden.

Zwei inhaltliche Schwerpunkte haben sich die Leiter des Festivals, Sabine Gehm und Honne Dohrmann, gesetzt. Sie haben Choreografien ausgewählt, die sich mit menschlicher Begierde und Kontrollverlusten beschäftigen, sowie Stücke, die den Körper als Träger von Erinnerung und Erfahrung thematisieren. Wer könnte Letzteres besser darstellen als Louise Lecavalier, Ikone des Balletts in den 80er-Jahren? Mit ihrem wilden, kraftvollen Stil schrieb die Kanadierin mit der Gruppe La La La Human Steps Tanzgeschichte. In zwei Stücken wird sie im Schauspielhaus zu erleben sein, eines greift ihre frühere Arbeit mit Eduard Lock auf. Im vergangenen Mai war sie schon einmal mit einem sehenswerten multimedialen Stück in der Bremer Schwankhalle zu Gast.

Mit dem Erinnern und Vergessen, insbesondere der Demenz, beschäftigt sich Helena Waldmann in dem Solo "Revolver besorgen". Getanzt wird es von Brit Rodemund, ehemals Solistin der Deutschen Staatsoper Berlin.

Auf der Suche nach dem Ich

Begierde und Kontrollverlust, so der andere Schwerpunkt des Festivals, interessieren den Choreografen Dave Saint-Pierre. Acht nackte Tänzerinnen und Tänzer entwerfen in dem Stück "Un peu de tendresse bordel de merde!" (Ein wenig Zärtlichkeit, verdammt noch mal!) das Bild einer Gesellschaft, die auf körperliche Reize setzt, in der es aber auch eine Sehnsucht nach Zärtlichkeit gibt. In "Alpha Boys" zeigen Club Guy & Roni junge Männer, die auf der Suche nach der eigenen Rolle sind und dabei ständig auf Klischees stoßen. Wie die Balance zwischen Identität und Fremdbestimmung zu finden ist, interessiert auch das Yossi Berg and Oded Graf Dance Theatre in dem Stück "Animal lost".

Am Ende des Festivals Tanz Bremen steht schließlich die Uraufführung von Urs Dietrichs Choreografie zu "Ein deutsches Requiem" von Johannes Brahms. Die aufwendige Kooperation mit den Bremer Philharmonikern findet im Dom statt. Auf das Ergebnis kann man gespannt sein: Urs Dietrichs Choreografie zu Gioachino Rossinis "Petite Messe Solennelle" 2007 im Theater am Goetheplatz gehört zu seinen überzeugendsten Arbeiten. Mit dem Johannes-Brahms-Abend wird er sich von Bremen verabschieden, die Tanzsparte des Theaters steht vor einem Neubeginn mit Samir Akika (wir berichteten).

Traditionell nimmt auch die hiesige Tanzszene viel Raum im Programm des Festivals ein. Die Akteure des Bremer Theaters gestalten unter dem Titel "Short Cuts" einen Abend mit eigenen Stücken, Helge Letonja vom Steptextdance Project, Birgit Freitag, Claudia Hanfgarn und Martin Kemner steuern ebenfalls eine Veranstaltung bei. Gilles Welinski wird eine Woche lang, vom 17. bis 24. März, in der Ostertorwache leben und dort in einer Performance das Thema Exil aufgreifen. Jeden Abend besteht die Möglichkeit, ihn durch den Spion seiner Zellentür zu beobachten.

Im Rahmenprogramm zeigt die Weserburg Filme von Rebecca Horn. Die Kunsthalle eröffnet am 24. März eine Ausstellung zu "Tanz und Kunst. Von der klassischen Ballerina zum Lichtballett". Und das Kino City 46 zeigt Filme über den Tanz, darunter "Maos letzter Tänzer".

Der Gesamtetat des Festivals beläuft sich laut Honne Dohrmann auf 315000 Euro, inklusive der Einnahmen durch den Kartenverkauf. 170000 Euro kommen aus dem Etat des Wirtschaftssenators, 60000 schießt der Kultursenator zu. Die Zahlen seien im Vergleich zum vorigen Mal fast unverändert. Allerdings seien die Gagen teurer geworden, weil die Compagnien in Zeiten der Finanzkrise mehr Geld durch Gastspiele einnehmen müssten, sagt Honne Dohrmann.

Karten für das Festival Tanz Bremen gibt es im Pressehaus Martinistraße. Weitere Infos im Internet unter www.tanz-bremen.com

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