Moritz Döbler über den „Tatort“ Kommentar: Agitprop aus Bremen

Konzerne sind böse, und Terroristen haben gute Absichten – das ist die Botschaft des Bremer „Tatort“ am Pfingstmontag. Agitprop ist das, und das passt zu Bremen.
17.05.2016, 00:00
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Kommentar: Agitprop aus Bremen
Von Moritz Döbler

Konzerne sind böse, und Terroristen haben gute Absichten – das ist die Botschaft des Bremer „Tatort“ am Pfingstmontag. Agitprop ist das, und das passt zu Bremen.

Es war ein spannender Bremer „Tatort“ am Pfingstmontag. Ein Terroristen-Trio wollte einen Konzern mit dem fiktiven Namen Sachs erpressen, damit dieser ein revolutionäres Verfahren für höhere Getreideerträge nicht länger zurückhält. Grundlage des Drehbuchs sei „die Information, dass Forscher eines Pharma- und Chemiekonzerns in den 80er Jahren ein Verfahren entwickelt hätten, mit dem das Welthungerproblem gelöst werden könnte“, wie der Autor sagt.

Eine der Hauptfiguren, ein Wissenschaftler, bringt den Vorwurf auf den Punkt: „Sachs hat diese Forschung eingestellt. Sie machen Milliarden mit transgenem Saatgut, mit Pestiziden und nehmen den Tod in Kauf.“

Auf Nachfrage ist bei Radio Bremen zu erfahren: Vorlage für die Sachs AG ist das längst untergegangene Schweizer Unternehmen Ciba, und die „Information“ bezieht sich auf das Buch „Der Urzeit-Code“. Demnach wirft Getreide, das elektrostatischer Strahlung ausgesetzt wurde, mehr Ertrag ab als übliche Saatgutsorten und kommt ohne Dünger und Pestizide aus. Aus Profitgier werde das Verfahren unterdrückt.

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Man mag darüber schmunzeln, wie eine krude Verschwörungstheorie, getarnt als Krimi, zur besten Sendezeit Eingang ins öffentlich-rechtliche Fernsehen findet. Oder dass jemand glaubt, „das Welthungerproblem“ lasse sich tatsächlich mit einem Verfahren lösen, also wegzaubern. Aber es steckt doch mehr dahinter als Naivität. Konzerne sind böse, und Terroristen haben gute Absichten – das ist die Botschaft dieses Krimis aus Bremen. Das Trinkwasser im Viertel haben sie vergiftet, 17 Menschen kamen dabei ums Leben, aber das größere Unrecht sieht der „Tatort“ bei Ciba alias Sachs.

Agitprop ist das, und das passt zu Bremen. In der hiesigen Politik ist es verbreitet, die Wirtschaft unter Pauschalvorbehalt zu stellen. Erfolgreiche Unternehmen werden kritisch beäugt; wenn sie hohe Gewinne anstreben, gilt das als anstößig. Dabei hat Bremen nur dann eine Chance, wenn es mehr ökonomische Dynamik entfaltet. Ein „Tatort“ kann kein Werbefilm der Wirtschaftsförderung sein. Aber ideologische Aufgüsse, ob im Fernsehen, im Senat oder in der Bürgerschaft, schaden Bremen. moritz.doebler@weser-kurier.de

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