Bremer Theater versenkt Seebühne

Konsequent bleiben

Bremen. Das Theater Bremen soll die Seebühne nicht mehr betreiben. Das hat der Aufsichtsrat des Theaters einstimmig beschlossen - und damit die einzig richtige Entscheidung getroffen. Ein Kommentar von Iris Hetscher.
07.09.2010, 13:28
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Konsequent bleiben
Von Iris Hetscher
Konsequent bleiben

Drei Sommer bespielte das Bremer Theater die Seebühne an der Waterfront.

LANDSBERG

Bremen. Das Theater Bremen soll die Seebühne nicht mehr betreiben. Das hat der Aufsichtsrat des Theaters einstimmig beschlossen - und damit die einzig richtige Entscheidung getroffen. Ein Kommentar von Iris Hetscher.

Der Theater-Aufsichtsrat hat eine Entscheidung getroffen, die vorher schon angekündigt war: Die Opernaufführungen auf der Seebühne belasten den Etat des Theaters mit weiteren Miesen, das kann und will das Haus am Goetheplatz nicht stemmen. Das hatte Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz schon im August nach dem Kassensturz für "Turandot" (-240.000 Euro) angekündigt. Die Konsequenz ist nun amtlich: Dieses Experiment ist für das Bremer Theater beendet.

Als bloßen Vollzug sollte man das einstimmige Ergebnis nicht abtun - es sollte ernst genommen werden und zu klar artikulierten Konsequenzen führen. Das heißt: Das Theater konzentriert sich endlich wieder auf seine Kernaufgaben, die da heißen Schauspiel, Oper, Tanztheater, Kindertheater. Das ist Arbeit genug, damit haben am Goetheplatz alle ausreichend zu tun. Zum Abschied sollte der Seebühne daher kein laues "Auf Wiedersehen" zugerufen werden, sondern ein lautes "Adieu".

Auch die Stadt hält sich bitte einfach mal zurück: Überlegungen, die Wirtschaftsförderung könnte da vielleicht eventuell noch irgendetwas drehen, gehören mit Aplomb vom Tisch geräumt. Die unselige Geschichte des Musical-Theaters am Richtweg war ein Lehrstück mit bitterer Moral, die Seebühne sollte nicht zur Fortsetzung werden. Es ist schon ärgerlich genug, dass Ex-Intendant Hans-Joachim Frey noch Honorar für die jetzt im Nirvana verschwindenden Inszenierungen 2011 und 2012 bekommen könnte - genau geregelt ist dies in seinem geheimen Auflösungsvertrag.

Was mit der Bühne werden wird, die einst vollmundig als "Bregenz des Nordens" von Ex-Theater-Intendant Hans-Joachim Frey betitelt wurde, ist unklar. Kultur als Spektakel, vor stimmungsvoller Kulisse und mit dem "Best of" des Opernrepertoires, mag seine Berechtigung im Unterhaltungsbetrieb haben. Aber genau dieser ist gut aufgehoben bei privaten Veranstaltern, die sich damit auskennen. Oder die zumindest bereit sind, das Risiko vollständig zu tragen. Manchmal taucht jemand auf, der beides in Personalunion verkörpert. Tritt dieser Glücksfall ein, wunderbar. Wenn nicht, sollte man der Seebühne ein schickes nasses Grab gönnen.

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