Unesco Kulturdenkmäler ausgezeichnet

Der Bremer Roland zählt dazu. Das hiesige Rathaus sowieso. Mehr als 40 Welterbestätten gibt es hierzulande. Der jüngste Zuwachs im Schwäbischen ist unbedingt zu begrüßen.
10.07.2017, 15:40
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Kulturdenkmäler ausgezeichnet
Von Hendrik Werner

Mehr als 40 Welterbestätten gibt es hierzulande – dazu zählen bekanntlich das Wattenmeer sowie das schmucke Bremer Rathaus und der wackere Roland. Als jüngsten deutschen Neuzugang nobilitierte die bewährt freigiebige Unesco, diese Schutzpatronin bewahrenswerter Architektur und hegewürdiger Natur, im Rahmen einer Auswahltagung ein halbes Dutzend Höhlen auf der Schwäbischen Alb.

Die Zuerkennung des begehrten Titels soll künftig einen pädagogischen Kollateralnutzen für den unterirdischen Komplex im Ländle bergen. Der Bürgermeister von Schelklingen, Ulrich Ruckh, hat die Schaffung eines Dokumentationszentrums avisiert. Man wolle dort Grabungsarbeiten darstellen, sagte er am Montag.

Das Informationszentrum soll an der Schelklinger Höhle Hohle Fels entstehen, dem spektakulärsten Fundort von Eiszeitkunst. In der Grotte befindet sich neben figürlichen Darstellungen von Löwen, Mammuts und Pferden eine etwa sechs Zentimeter hohes, aus Mammut-Elfenbein geschnitztes Venus-Figürchen, dessen Alter auf bis zu 40.000 Jahre geschätzt wird. Die Venus vom Hohle Fels wurde im September 2008 bei Ausgrabungen in einer Karsthöhle entdeckt. Sie stammt aus der jungpaläolithischen Kultur des Aurignacien – und zählt neben der etwa gleichaltrigen Venus vom Galgenberg (Niederösterreich) zu den weltweit ältesten Darstellungen des menschlichen Körpers.

Besucherzuwachs erwartet

Trotz ihrer sozusagen im Block erfolgten Belobigung bleiben einige der Höhlen einstweilen vergittert – sie sind noch nicht komplett ausgegraben. Die Direktorin des Urgeschichtlichen Museums Blaubeuren, Stefanie Kölbl, erwartet dank der Verzeichnung der Höhlen auf der Welterbeliste mittelfristig einen signifikanten Besucherzuwachs. Sie stellte am Montag überdies Themenwege zu den Funden und der Lebensweise der Neandertaler in Aussicht.

Zufrieden zeigt man sich nach der Entscheidung der Unesco, die noch bis Mittwoch im polnischen Krakau über künftiges Welterbe entscheidet, auch in Dessau: Die beschlossene Erweiterung der Bauhaus-Welterbestätten wird laut der Direktorin der Stiftung Bauhaus, Claudia Perren, die Bedeutung des Architekturstils stärken. Neu in die Liste aufgenommen worden sind die unter der Ägide des zweiten Bauhausdirektors Hannes Meyer entstandenen fünf Laubenganghäuser in Dessau-Roßlau sowie die Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes in Bernau bei Berlin.

„Volksbedarf statt Luxusbedarf“

Meyer habe mit diesen Gebäuden „Volksbedarf statt Luxusbedarf“ geschaffen, sagte Perren am Montag. Zuvor umfasste das Bauhaus-Welterbe bereits mehrere Ensembles und Denkmäler in Weimar und Dessau-Roßlau, die unter Leitung des ersten Bauhaus-Direktors Walter Gropius gebaut worden waren; überdies darf sich der Gründungsort der Schule in Weimar mit dem Titel schmücken. Den Erweiterungsantrag hatten Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg gemeinsam auf den Weg gebracht.

Zwar bedient die Welterbeliste lokalpatriotische Eitelkeiten, regionale Tourismusbegehrlichkeiten und nationales Prestigegewinnstreben. Und doch birgt sie einen ehrenwerten symbolischen Mehrwert. Das erklärt, warum Sachsen-Anhalt seinen erneut gescheiterten Welterbe-Antrag zum Naumburger Dom – und zur hochmittelalterlichen Kulturlandschaft an Saale und Unstrut – wohl zum dritten Mal einreichen wird. Die Leiterin der deutschen Unesco-Delegation, Staatsministerin Maria Böhmer (CDU), rät aus konzeptuellen Erwägungen dazu, den Antrag beim nächsten Versuch auf den Dom zu beschränken. Drei Jahre Zeit bleiben den hoffnungslos hoffnungsvollen Aspiranten.

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