Bündnis „Die Vielen“

Kulturinstitutionen aus Bremen und Deutschland verbünden sich gegen rechts

Rund 500 Institutionen aus Bremen und ganz Deutschland schließen sich zu dem Bündnis „Die Vielen“ zusammen. Immer mehr Künstler beklagen zunehmende Anfeindungen aus der rechten Ecke.
14.01.2019, 22:10
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Von Alexandra Knief und Christina Sticht
Kulturinstitutionen aus Bremen und Deutschland verbünden sich gegen rechts

Die „Bremer Erklärung der Vielen“ soll voraussichtlich Ende Januar offiziell vorgestellt werden.

Christina Kuhaupt

Eine offene Gesellschaft ohne Ausgrenzung – dafür werben die mittlerweile etwa 500 Kulturinstitutionen, die sich zu dem bundesweiten Bündnis „Die Vielen“ zusammengeschlossen haben. Dass sich die Szene überregional vernetzt und für die Kunstfreiheit sowie gegen Rechtspopulismus und Rassismus einsetzt, hat einen triftigen Grund: Immer mehr Künstler beklagen, dass sie zunehmend Anfeindungen aus der rechten Ecke ausgesetzt seien.

Viele Bundesländer und Städte, darunter Berlin, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Dresden, haben bereits gesonderte Statements zu dem Thema abgegeben. Und auch die hiesigen Kulturschaffenden, darunter der Kunstverein, die Bremer Philharmoniker, das Focke-Museum, die Schwankhalle oder die Bremer Shakespeare Company, arbeiten gerade an der gemeinsamen Formulierung einer „Bremer Erklärung der Vielen“.

Während es früher häufig um das Thema Religion ging, wenn sich die Justiz mit dem Theater beschäftigen musste, haben Staatsanwälte und Richter heute immer wieder Inszenierungen zu prüfen, weil Rechte Anstoß nehmen. Gegen das im Herbst 2015 uraufgeführte Stück „Fear“ von Falk Richter an der Berliner Schaubühne klagte unter anderem erfolglos die AfD-Politikerin Beatrix von Storch, da Fotos von ihr verwendet wurden. Im westfälischen Paderborn zeigte der AfD-Kreisverband das Theater wegen Verleumdung und Volksverhetzung an, weil in einer Grafik im Spielzeit-Heft Wahlergebnisse der NSDAP und der AfD gegenübergestellt wurden.

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Und die künstlerische Leiterin der Hamburger Kulturfabrik Kampnagel, Amelie Deuflhard, wurde von der AfD unter anderem wegen Schlepperei und eines Verstoßes gegen das Ausländergesetz angezeigt, weil Ende 2014 auf dem Gelände ein künstlerischer Aktionsraum für Flüchtlinge entstand.

"Alles was nicht AfD ist, wird als linksversifft bezeichnet"

Der Präsident des Deutschen Bühnenvereins, Ulrich Khuon, beobachtet zunehmend Angriffe von rechts auf die Kunstfreiheit. „Verbal geschieht das auf eine aggressive, giftige Art. Im Grunde wird alles, was nicht AfD ist, als linksversifft bezeichnet. Außerdem gibt es den Weg über Gerichte und Kleine und Große Anfragen in den Parlamenten“, sagt der Intendant des Deutschen Theaters Berlin. An seinem eigenen Haus wurde 2018 die Performance „Global Gala“ von Anhängern der rechtsextremen „Identitären Bewegung“ gestört. Und es gibt weitere Beispiele.

In Bremen nimmt man Erfahrungen wie diese sehr ernst. „Ich habe mit Ulrich Khuon viele Jahre in Hannover und Hamburg eng zusammengearbeitet und kenne ihn sehr gut“, sagt Michael Börgerding, Generalintendant des Theater Bremen. „Wenn ein solch besonnener Mensch so deutliche Worte findet, dann weiß man, dass die politische Situation keine harmlose ist. Der Bühnenverein und seine eindeutige Positionierung haben unsere volle Unterstützung.“

Für die Bremer Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz ist der Schutz der Freiheit von Kunst und Kultur „gerade vor dem Hintergrund unserer bitteren Geschichte“ ein zentrales Anliegen. „Wer das Recht auf freie Meinungsäußerung auf der Grundlage demokratischer Werte für sich reklamiert, so wie die AfD, muss auch andere Meinungen aushalten können“, sagt Emigholz. Gerade Kunst und Kultur lebe vom Diskurs.

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Aktuelle Beispiele wie die aus Berlin oder Paderborn müssen ernstgenommen werden. „Wir dürfen nicht vergessen, dass der Status der Kunstfreiheit am Ende auch immer ein Seismograf für die Verfasstheit der Demokratie ist, denn auf die Einschränkung der Kunstfreiheit folgt sehr oft die Missachtung der Menschenrechte“, sagt Emigholz.

"Bremen ist eine sehr offene Stadt"

Glücklicherweise sei die Situation in Bremen eine andere als zum Beispiel in Berlin, betonen hiesige Kulturschaffende. „Bremen ist an sich eine sehr offene Stadt, da können wir stolz drauf sein“, sagt Renate Heitmann, Leiterin der Shakespeare Company. Fälle von rechten Anfeindungen gegen Bremer Kulturschaffende seien ihr nicht bekannt.

Auch am Theater Bremen, sagt Börgerding, habe man bisher keine derartige Einflussnahme oder gar Angriffe erleben müssen. „Aber wir gehören aus Solidarität mit den Kolleginnen und Kollegen, die diese Angriffe erleben müssen, zum Bündnis“, sagt er. Die „Bremer Erklärung der Vielen“ soll voraussichtlich Ende Januar offiziell vorgestellt werden.

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