Hochschultage der HfK Kunst auf drei Etagen im Speicher XI

Ein ganzer Speicher XI voller Kunst: Das bieten die Hochschultage der Hochschule für Künste in der Überseestadt am heutigen Sonnabend und am Sonntag. Ab 11 Uhr können Besucher auf drei Etagen staunen.
05.02.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Elke Gundel

Ein ganzer Speicher XI voller Kunst: Das bieten die Hochschultage der Hochschule für Künste (HfK) in der Überseestadt am heutigen Sonnabend und am Sonntag.

Ab 11 Uhr können Besucher auf drei Etagen erleben, was die Studenten in den vergangenen Monaten oder auch Jahren geschaffen haben, sagt Koordinator Amir Omerovic. Wer möchte, kann auch den Künstler in sich selbst entdecken: Alle Werkstätten sind für die Gäste geöffnet. So sind Interessenten eingeladen, selbst einen Kurzfilm zu produzieren oder ein eigenes Stück aus Keramik zu formen. Dazu gibt es Konzerte, Kurzfilme und Performances.

Etwa 900 junge Frauen und Männer studieren derzeit an der HfK in den Fachbereichen Kunst und Design sowie Musik. Und annähernd 500 beteiligen sich an den Hochschultagen. Die ganze Woche über haben sie ihre Projekte aufgebaut: Die Klassenräume, die Flure und buchstäblich jede Ecke der Kunsthochschule sind zu Ausstellungsflächen geworden. Die Treppenaufgänge haben sich in Galerien verwandelt, etwa für großformatige Fotos. Auf einer Wandfläche in einem Flur entwickelt sich ein Gemälde immer weiter: Die Künstlerin arbeite seit geraumer Zeit an ihrem Werk, das sich ständig verändere, erklärt HfK-Sprecherin Theresa Albig. Und das Projekt „Büro +“ aus dem Studiengang Integriertes Design bezieht sogar das Büro von Roland Lambrette, Professor für temporäre Architektur, mit ein (siehe Text unten).

Die Hochschultage sind eine „Win-win-Situation“, findet Amir Omerovic: Die Studenten aus allen Semestern hätten die Gelegenheit, sich und ihre Arbeiten zu präsentieren. Und zwar auf den Punkt – was eine Herausforderung sei. Gleichzeitig seien die Hochschultage für die HfK eine Möglichkeit, „alle Türen zu öffnen“ – selbst die des Rektorats –, um den Besuchern zu zeigen: Das Geld, das jedes Jahr für die Bremer Kunsthochschule ausgegeben wird, „ist es wert“.

Bequem zum Video

Der Raum erinnert etwas an ein Krankenhaus: Der Boden ist hell türkis gestrichen, die Einrichtung besteht aus schmalen Metallbetten der Bundeswehr, die nur mit einer weißen Matratze ausgestattet sind. Wer möchte, kann es sich dort „bequem machen“, sagt Irene Strese (29) aus der Klasse „Raum und Körperkonzepte“, die für das Projekt verantwortlich ist. Der Raum, der auf den ersten Blick so kahl anmutet, eröffnet den Zugang zu ganz unterschiedlichen Videoarbeiten der Studenten – jedenfalls dann, wenn die Besucher ein Smartphone dabei haben, um die QR-Codes abzuscannen, die im Raum ausliegen. Und wer kein eigenes Handy mitgenommen habe, könne sich mit anderen Besuchern zusammentun – auch das sei durchaus beabsichtigt, sagt Irene Strese. Bei einem Probelauf in Berlin habe dieses Konzept gut funktioniert. Die Betten seien nicht nur dazu da, das Publikum zum Verweilen einzuladen. Darüber hinaus stehe jedes Bett stellvertretend für einen Künstler – also für einen Studenten aus der Klasse. „Nicht alle arbeiten eigentlich mit Video.“ Diejenigen, die ihre Ideen auf andere Weise umsetzen, hätten ihre Arbeit aber per Video dokumentiert.

Unmöglich geschwungen

„Begegnung mit der dritten Dimension“ – das ist das Thema, mit dem sich Fabian Jödden (24) auseinandergesetzt hat. „Ich wollte Kurven aufeinander abbilden, die aber trotzdem nicht ins völlige Chaos stürzen“, erzählt er. Das, was der 24-Jährige auf einem Tisch aufgebaut hat, sind Variationen dieses Themas mit unterschiedlichem Material. Los geht es mit Quadraten aus Styropor, deren Oberfläche entweder mehrfach geschwungen ist oder eine „unmögliche Fläche“ bildet, wie Fabian Jödden das nennt. Diese Form lasse sich nicht aus einem – sozusagen zweidimensionalen – Stück Papier formen. „Das Material würde reißen.“ Dann hat der Student mit extremeren Kurven experimentiert und brauchte dafür ein dehnbares und reißfestes Material: Nylon. „Die Verkäuferin hat ganz komisch geguckt, als ich Nylonstrümpfe gekauft habe“, erzählt er und lacht. Fabian Jödden hat das Nylon auf selbst konstruierte Metallrahmen gespannt. Entstanden sind dabei Oberflächen, die an das Dach des alten Olympiastadions in München erinnern. „Oder an die Elbphilharmonie“ in Hamburg, findet der 24-Jährige.

Raum für Studenten

„Der Plan ist, dass es so lange bleibt, bis es nicht mehr gewollt ist“, erklärt Lena Matull (28), die an der HfK Integriertes Design studiert. „Wir haben uns verpflichtet, das wieder abzubauen, wenn die Hochschule es nicht mehr haben möchte.“ Bisher, seit Sommer 2015, funktioniere das Projekt „Büro +“ aber sehr gut. Auch Roland Lambrette, Professor für temporäre Architektur, komme mit seinen veränderten Arbeitsbedingungen klar: Denn das Projekt, das sich zunächst nur auf dem Flur erstreckte, umfasst nun auch Lambrettes Büro. Lena Matull, Elbruz Fidan und Jan Barner haben Flur und Büro passgenau mit Holzkonstruktionen ausgestattet. So haben die Studenten jetzt zum einen die Möglichkeit, an den Tischen in Ruhe über ihre Ideen nachzudenken oder zu sprechen, und zum anderen – besonders auf dem Flur – Ausstellungsflächen für ihre Arbeiten zu nutzen. Die Flure in der HfK sind ungewöhnlich breit, weil das in dem früheren Hafenspeicher üblich war. Zwar würden sie als Verbindungswege gebraucht. Aber mindestens die Hälfte der Fläche, hat Lena Matull ausgerechnet, sei toter Raum. Platz, den die Studenten zurückerobert haben.

Zur Zerstörung bestimmt

Fast möchte man reinbeißen in die Figuren, die Leonard Rokita (28) und Felix Dreesen (28) präsentieren. Schließlich ist die Ähnlichkeit mit Schoko-Osterhasen und -Weihnachtsmännern nicht nur das Ergebnis, sondern der Ausgangspunkt des Projekts „Wurf-Skulptur“. Am Anfang stand die Überlegung, dass Schoko-Figuren eine „seltsame Transformation“ durchlaufen, sagt Felix Dreesen. Erst habe man es mit einer intakten Skulptur zu tun, die man zerstören müsse, um sie bestimmungsgemäß zu nutzen – nämlich zu essen. Diese Idee steckt auch in dem Projekt der beiden jungen Männer, allerdings leicht abgewandelt: Statt aus Schokolade bestehen ihre Skulpturen aus Wachs. Gefüllt sind die Figuren mit Farbe, erklärt Leonard Rokita. „Die größeren Objekte haben zwei Kammern.“ Also ließen sich dort zwei Farben unterbringen. Und der Zweck der Skulpturen besteht darin, sie zu zerstören. Zum Beispiel dadurch, sie gegen eine Wand zu werfen. Aber auch Sonne oder eine Heizung legen das Innere der Objekte frei. So, sagt Leonard Rokita, durchlebten die Skulpturen eine permanente Performance, die endet, wenn die Skulptur zerstört ist.

Hochschultage der HfK: diesen Sonnabend von 11 bis 21 Uhr, am Sonntag von 11 bis 20 Uhr.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+