Zusätzliche Termine

Online Akademie der Kunsthalle Bremen wird gut angenommen

Seit zwei Wochen bietet die Bremer Kunsthalle eine Online-Akademie mit Kunstvermittlung für zu Hause an. Laut Seminarleiterin Alice Gudera werde das Angebot so gut angenommen, dass es Zusatztermine gibt.
25.05.2020, 05:00
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Online Akademie der Kunsthalle Bremen wird gut angenommen
Von Alexandra Knief
Online Akademie der Kunsthalle Bremen wird gut angenommen

Mit ihrer Online-Akademie bietet die Kunsthalle Bremen jetzt auch interaktive Kunstvermittlung für zu Hause an.

Kunsthalle Bremen

Montagabend, kurz nach acht. Auf dem Monitor dreht sich ein kleiner blauer Kreis. „Bitte warten Sie, bis der Host dieses Meeting beginnt“, heißt es daneben. Noch ein kurzes Häkchen bei den Nutzungsbedingungen, dann geht das Zoom-Meeting auch schon los. Auf dem Monitor erscheint das Gesicht der Kunsthistorikerin Alice Gudera.

Seit zwei Wochen leitet sie die Seminare der Online-Akademie, einem ganz neuen Angebot der Bremer Kunsthalle. Weil das Museum zwar wieder geöffnet hat, sonstige Angebote, wie eben die Seminare und Führungen vor Ort, allerdings weiterhin entfallen, hat die Kunsthalle beschlossen, bei der Kunstvermittlung neue, digitale Wege zu gehen. Und das nach eigenen Angaben als deutschlandweit erstes Museum.

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Im Museum selbst gibt Gudera seit vielen Jahren Seminare. Nun hat sie ihr Angebot vor den Computer verlagert. Die Idee habe schon länger im Raum gestanden, „und jetzt war der richtige Moment dafür“, sagt sie. Nach und nach tauchen auch die Gesichter vieler weiterer Teilnehmer auf. 22 sind es an diesem Abend, maximal 25 dürfen es sein.

Einige Ehepartner haben es sich gemeinsam vor dem Computer gemütlich gemacht. Viele sitzen – ganz Akademie-gerecht – an Tischen und Schreibtischen und haben sogar Stift und Papier gezückt, um sich Notizen machen zu können. Andere haben es sich mit ihren Laptops, Tablets oder Smartphones auf der Couch gemütlich gemacht. Auch das geht in Zeiten von Corona.

Vertiefendes Material als Download

Bevor es losgeht, erklärt Gudera noch kurz die Technik: Es gibt einen Meldeknopf, falls jemand etwas sagen möchte. Genauso kann er oder sie sich auch im Chat bemerkbar machen. Vermittelt wird per Bildervortrag, der für alle sichtbar ist. Außerdem stellt Gudera noch ein Dokument zum Download bereit – falls jemand nach dem Seminar noch tiefer ins Thema einsteigen möchte. In der heutigen Sitzung geht es um die Farbe Blau in der Kunst. „Aber nur bis etwa 1800“, ergänzt die Akademieleiterin. „Alles, was danach kam, behandeln wir in der kommenden Woche.“

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Die Kunsthistorikerin veranschaulicht mithilfe eines Zeitstrahls, seit wann es unterschiedliche Farben gibt, und erklärt, woraus blaue Farbe gewonnen werden kann. Es wird darüber gesprochen, seit wann Himmelsdarstellungen eigentlich blau sind und welche Farbe man vorher genommen hat; darüber, seit wann die Maria in Heiligenbildern in blau gekleidet ist oder darüber, warum das Blau in den Bildern von Jan Vermeer so besonders ist. Ein Vorteil der Technologie: Immer wieder zoomt Gudera in gezeigte Bilder hinein, weist auf Details hin. Als Teilnehmer ist man so dicht dran, dass man jeden Pinselstrich sehen kann – das geht im Museum nicht immer.

Vorwissen nicht notwendig

Vorwissen mitbringen muss man nicht. Ein gewisses Grundverständnis für Kunstgeschichte, das durch das Seminar vertieft werden kann, schadet aber nicht. Die Kurse gehen von Bildern aus der Sammlung aus, stecken aber auch das Umfeld ab. So thematisieren die kommenden Sitzungen neben Farben unter anderem auch einzelne Künstler (zum Beispiel John Cage oder Paula Modersohn-Becker) oder kommende Sonderausstellungen.

Gudera hofft, dass die Online-Akademie auch nach der Krise als zusätzliches Angebot aufrecht erhalten wird. Für alle Kunstinteressierten, die nicht in Bremen wohnen, nicht mobil sind oder aus anderen Gründen nicht die Möglichkeit haben, selbst ins Museum zu kommen. Auch junge Menschen wie Kunststudierende sollen mit dem Angebot angesprochen werden. Bisher werde die Akademie so gut angenommen, dass schon jetzt Termine bis Ende November auf der Homepage angekündigt werden, für die man sich eintragen kann.

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„Ein Vorteil ist auch, dass wir nicht an Räume gebunden sind, wir können immer spontan Zusatztermine anbieten“, sagt Gudera. Und auch die Teilnehmer des Seminars zur Farbe Blau sind zufrieden. Am Ende gibt es Applaus - keinen echten, aber in Form von kleinen, gelben Emojis.

Weitere Informationen

Termine und Anmeldung zur Online-Akademie unter www.kunsthalle-bremen.de. Die Teilnahme kostet 12 Euro, Mitglieder des Kunstvereins und Menschen mit Anspruch auf Ermäßigung zahlen zehn Euro.

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