Neue Ausstellung in Bremen Kunsthalle zeigt Originale von Dürer

Bremen. Albrecht Dürers Werke sind das Herzstück des Kupferstichkabinetts mit seinen 200 000 Blättern in der Bremer Kunsthalle. Die Geschichte der Dürer-Sammlung zeigt bis zum 13. Mai eine bemerkenswerte Ausstellung im neuen Westflügel des Hauses.
13.03.2012, 19:30
Lesedauer: 3 Min
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Von Peter Groth

Bremen. Albrecht Dürers Werke sind das Herzstück des Kupferstichkabinetts mit seinen 200 000 Blättern in der Bremer Kunsthalle. Die Geschichte der Dürer-Sammlung zeigt bis zum 13. Mai eine bemerkenswerte Ausstellung im neuen Westflügel des Hauses.

Die Kunsthalle Bremen hat einmal 60 Zeichnungen, darunter einzigartige Landschaften, und fast die gesamte Druckgrafik Albrecht Dürers besessen. Hat einmal, denn 1945 gingen durch die Auslagerung nach Schloss Karnzow in der Mark Brandenburg viele dieser Arbeiten verloren. Diese Verluste sind Teil der Geschichte einer einzigartigen Sammlung, die der Kunstverein vor allem seinem Gründer Hieronymus Klugkist verdankt.

Die Ausstellung zeigt 50 der verlorenen Dürer-Bilder in hervorragenden Reproduktionen, die zwischen 1888 und 1919 in einem besonderen Tiefdruckverfahren entstanden. Sie zeigt zudem die der Kunsthalle verbliebenen und nach spektakulären Rückholaktionen zurückgekehrten Originale wie etwa zwei Dürer-Gemälde, zwölf Zeichnungen und zahllose Druckgrafiken. 25 Jahre lang hat Anne Röver-Kann als wissenschaftliche Betreuerin des Kupferstichkabinetts bis zu ihrer Pensionierung 2009 das Bangen und Hoffen um die Rückkehr der Dürer-Bilder und vieler anderer Kunstwerke begleitet, sich Kunsträubern in New York als Lockvogel ausgesetzt.

Ab dem Jahr 2000 kamen aus Russland, aus dem estnischen Talinn, aus New York und aus London Zeichnungen, Grafiken und Gemälde von Dürer nach Bremen zurück, doch auf die Heimkehr der Baldin-Sammlung mit 29 Blättern Dürers und auf andere, eindeutig dem Bremer Kunstverein zuzuordnende Arbeiten dieses und anderer Künstler wartet die Kunsthalle bis heute vergeblich.

Dank an Anne Röver-Kann

Nach ihrer Pensionierung 2009 hat Anne Röver-Kann die Zeit gefunden, mit Unterstützung von Manu von Miller die Geschichte der Dürer-Sammlung aufzuarbeiten. Dafür haben ihr Kunstvereins-Vorsitzer Georg Abegg, Direktor Christoph Grunenberg und Vorgänger Wulf Herzogenrath am Montag vor Gästen und Kollegen aus der ganzen Republik Dank gesagt. Georg Abegg: „Die hohe Reputation der Bremer Kunsthalle verdanken wir auch und insbesondere Frau Röver-Kann“.

In den vergangenen zwei Jahren entstand nun ein voluminöser wissenschaftlicher Katalog zur Geschichte der Bremer Dürer-Sammlung und eben jetzt die Ausstellung in den beiden Räumen des Kupferstichkabinetts und im angrenzenden neuen Westflügel des Hauses. Die Kunsthalle eröffnet damit den Reigen der Dürer-Ausstellungen, die in diesem Jahr auch in Nürnberg und London vorbereitet werden.

Warum Dürer (1471-1528) heute als der erste Maler und Grafiker der modernen Neuzeit am Übergang vom späten Mittelalter zur Renaissance gilt, zeigt Kuratorin Anne Röver-Kann nahezu ausschließlich an Bildern und Faksimiles aus eigenem Bestand. Es ist das große Glück, dass die Bremer Sammlung die gesamte stilistische und thematische Vielfalt Dürers spiegelt.

Alle von ihm meisterhaft beherrschten zeichnerischen Techniken sind hier präsent, alle Themen ebenso. Religiöse und historische Motive, die Tier- und Pflanzenstudien sowie die um 1500 herum revolutionären Bildgattungen des Selbstbildnisses und der Landschaft fanden ihren Platz in der Ausstellung.

Ein Raum für jedes Thema

Jedem Thema wurde in der Kunsthalle ein Raum gewidmet. Das beginnt mit einer Galerie der Freunde, Lehrer und Auftraggeber Dürers, die auch die aufkommende Heroisierung Dürers am Beginn des 19. Jahrhunderts an Bildbeispielen zeigt. Es setzt sich fort mit der Darstellung des Menschen durch Dürer, die insofern einzigartig ist, weil sie Männer und Frauen erstmalig als Individuen vorstellt. In dieser Abteilung ist das „Frauenbad“ von 1496, die früheste und berühmteste Federzeichnung, zu sehen, die 2001 in New York auftauchte.

Wie schmerzlich die Kriegsverluste sind, zeigt am deutlichsten der Raum der Landschaften, die zum Zeitpunkt des Erwerbs durch Hieronymus Klugkist wenig gefragt und entsprechend günstig waren, heute aber zu den Höhepunkten der Bremer Sammlung zählen. Allerdings: Originale und Faksimiles halten sich hier quantitativ die Waage.

Die religiösen Bilder Dürers mit der 1522 entstandenden Kreidezeichnung der Beweinung Christi nehmen einen weiteren Raum ein, werden ergänzt durch die druckgrafischen Serien „Marienleben“, „Apokalypse“ und „Große Passion“ im alten Kupferstichkabinett. Im neuen Saal trifft der Besucher auf 45 Zeichnungen von Zeitgenossen Dürers wie Altdorfer, Baldung Grien und anderen. Und es gibt auch jene Künstler, die Dürer kopierten. In diesem Saal findet sich dann auch der berühmte „Feldhase“ – als Aquarell von Hans Hoffmann aus dem Jahr 1582.

Die Ausstellung „Dürer-Zeit“ bis 13. Mai in der Kunsthalle Bremen. Der gleichnamige Katalog erschien im Hirmer Verlag, hat 248 Seiten und kostet 40 Euro (Museumsshop 35 Euro).

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