Zu Gast beim WESER-Strand

Lady Bitch Ray plant ihr Comeback

Lady Bitch Ray ist zurück: Im Tonstudio steht sie in High Heels und Reizwäsche, als Dr. Bitch Ray lehrt sie im Hosenanzug an der Universität. Am Freitag ist die kontroverse Lady beim WESER-Strand zu Gast.
03.08.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Lady Bitch Ray plant ihr Comeback
Von Jan Oppel
Lady Bitch Ray plant ihr Comeback

Als Dr. Bitch Ray zurück im Rap-Geschäft: Reyhan Şahin ist am Freitag bei der Talkreihe WESER-Strand im Café Sand zu Gast.

Alexander Fanslau

Lady Bitch Ray ist zurück: Im Tonstudio steht sie in High Heels und Reizwäsche, als Dr. Bitch Ray lehrt sie im Hosenanzug an der Universität. Am Freitag ist die kontroverse Lady beim WESER-Strand zu Gast.

Lady Bitch Ray ist zurück. In High Heels und Reizwäsche steht sie in einem Hamburger Tonstudio und rappt in das Mikrofon. Als Dr. Bitch Ray lehrt sie an einem anderen Tag im Hosenanzug an der Universität. Derbe und vulgär sind die Songtexte der Frau, die mit bürgerlichem Namen Reyhan Şahin heißt und aus Bremen-Gröpelingen kommt. Lange war es ruhig um sie, nach ihrer Dissertation arbeitet Dr. Bitch Ray jetzt an ihrem musikalischen Comeback.

Erstmals geriet die kontroverse Lady Mitte der 2000er-Jahre in die Schlagzeilen. Sie rappte über „Deutsche Schwänze“, Orgien und Hip-Hop-Klischees. Ihre Botschaft von damals sei heute immer noch aktuell, sagt sie. Die selbstbestimmte Sexualität von Frauen sei nach wie vor ein Tabuthema.

Mit vulgärer Sprache und Skandal-Auftritten hat Şahin dem Patriarchat den Kampf angesagt. Sie formuliert das so: „Ihr nennt mich eine Bitch, aber ich bestimme, was das bedeutet.“ Sie wolle der Gesellschaft den Spiegel vorhalten. Denn: „Frauen werden hier immer noch behandelt wie Frischfleisch.“

Dr. Bitch Ray liebt die Provokation

Dr. Bitch Ray liebt die Provokation. Die Wissenschaftlerin Reyhan Şahin kann die Absicht hinter dieser Kunstfigur erklären: 2006 sei sie die Erste gewesen, die diese neue Form des Feminismus in Deutschland angestoßen habe.

Damals war das Wort Shitstorm noch nicht geläufig, das Echo auf Şahins emanzipiertes Schaffen aber mindestens so feindselig. Die Rückmeldungen zu ihren Auftritten reichten von einfachen Beleidigungen bis hin zu Morddrohungen. Spätestens nach ihrer Dissertation, die sie mit summa cum Laude bestanden hat, hätten die Menschen gemerkt, dass sie sich mit der Kunst von Dr. Bitch Ray auseinandersetzen müssten, statt einfach loszupöbeln, so Şahin.

Die Tochter türkischer Einwanderer wurde 1981 in Bremen geboren. Noch heute fühlt sie sich hier zu Hause, „geborgen“, wie sie sagt. Auch wenn die selbst ernannte Neofeministin mittlerweile in Hamburg wohnt und an der Universität die Sprache und Religiosität junger Muslima lehrt und erforscht. In Bremen aber ist ihre „Bitchigkeit“ gereift, ihr sexuell emanzipiertes Auftreten, das die Rapperin Dr. Bitch Ray und die Wissenschaftlerin Reyhan Şahin bis heute prägt und beschäftigt.

Neue Songs knüpfen an alte Zeiten an

Mit neuen Songs will sie an alte Zeiten anknüpfen: In Gröpelingen kam Şahin während der Schulzeit zum Hip-Hop und begann eigene Texte zu schreiben. Es waren die 1990er-Jahre und Şahin war gerade zwölf Jahre alt. Ihre musikalischen Vorbilder kamen aus den USA und hießen Ice T, Lil´Kim oder Public Enemy.

Zehn Jahre später schaffte Lady Bitch Ray ihren eigenen Durchbruch. Sie veröffentlichte Songs im Internet, legte sich mit Alice Schwarzer an und überreichte Moderator Oliver Pocher im Abendprogramm der ARD ein Fläschchen mit Vaginalsekret. Für die einen war Reyhan Şahin eine feministische Hoffnungsträgerin, für die anderen litt Lady Bitch Ray nur unter zwanghaftem Geltungsdrang.

In der Bremer Unibibliothek schrieb Şahin ihre Doktorarbeit zur Bedeutung und Deutung des muslimischen Kopftuchs. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung unterstützte sie mit einem Hochbegabten-Stipendium. Dann die Diagnose: neurotische Depression und Burn-out. Şahin legte eine Pause ein – und kämpfte sich wieder zurück. 2012 erschien ihr neofeministisches Pamphlet „Bitchsm – Emanzipation, Integration, Masturbation“. Ein Jahr später wurde sie für ihre Dissertation mit dem Deutschen Studienpreis der Körber-Stiftung ausgezeichnet.

Bitch Ray arbeitet an einem Forschungsprojekt

Parallel arbeitet Dr. Bitch Ray an ihrem eigenen Forschungsprojekt und dem musikalischen Comeback. Die Sprache ihrer Songs ist sexuell aufgeladen, die Auftritte bestreitet sie in konzeptkünstlerischen Kostümchen, die Şahin selbst entwirft. Muss feministische Kunst denn so vulgär sein? „In Deutschland muss man den Leuten alles erklären“, sagt Şahin. „Sie verstehen Kunst nur, wenn sie berechenbar ist.“ Diesen Zustand will Dr. Bitch Ray nicht hinnehmen. Auch wenn der Streit darüber, inwieweit sie den Feminismus damit voranbringt, wohl ewig weitergehen wird.

Jetzt steht Dr. Bitch Ray also wieder vor dem Mikrofon und rappt. In Reizwäsche, „weil es im Studio sauheiß ist“, und in Stöckelschuhen – „wegen der geraden Körperhaltung.“ Sie macht das für sich, nicht für ein Publikum. Şahins neuer Slogan lautet „Ampowerment“ – eine Wortschöpfung aus dem türkischen Wort Am (Vagina) und dem englischen Empowerment (Ermächtigung). Auch damit wird sie wieder manchen verstören – und das ist so gewollt.

Am Freitag, 5. August, empfängt Moderator Axel Brüggemann Reyhan Şahin alias Dr. Bitch Ray bei der Talkreihe WESER-Strand um 22 Uhr im Café Sand. Die Veranstaltung ist ausverkauft. Das komplette Gespräch können Sie sich ab Sonntag auf unserer Homepage ansehen: www.weser-kurier.de
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