Auftakt beim Musikfest Bremen

Lahav Shani spielt Mozart

Bei der „Großen Nachtmusik“ am Sonnabend begeisterte der junge israelische Dirigent und Pianist Lahav Shani mit dem Rotterdam Philharmonic und Mozart.
24.08.2019, 21:23
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Lahav Shani spielt Mozart
Von Iris Hetscher
Lahav Shani spielt Mozart

Lahav Shani überzeugte mit dem Rotterdam Philharmonic Orchestra in der Glocke.

Hans van der Woerd

Die Nr. 27 in B-Dur ist Wolfgang Amadeus Mozarts letztes Klavierkonzert – es gilt außerdem als dasjenige, bei dem das Zusammenwirken von Piano und Orchester am ausgefeiltesten ist. Bekannt geworden ist vor allem das Refrainthema des dritten Satzes: Mozart arbeitete es später zu dem Frühlingslied „Komm lieber Mai und mache“ um. Doch auch der Anfang des Klavierkonzerts gilt als ungewöhnlich für Mozart: Das Allegro ist lyrisch angelegt.

Der israelische Dirigent und Pianist Lahav Shani und das Rotterdam Philharmonic Orchestra spielten die Nr. 27 am Sonnabend in der Glocke und wählten einen erfrischenden Ansatz. Vor allem die bereits auf die Frühromantik verweisenden inhaltlichen Aspekte arbeiteten Ensemble und Solist heraus und verliehen der Interpretation so einen umfassenden Schwung. Dabei meisterte der 30-Jährige Shani seine Doppelfunktion absolut mühelos.

Gleich im ersten Satz (Allegro) ließ Lahav Shani das Orchester mal federleicht spielen, zog aber auch immer wieder Tempo wie Dynamik an. Durch diese leicht dramatische Note fand das Ensemble zu einer ausgeglichenen Spannung, die die vielen Modulationen gekonnt einfing. Shani glänzte am Flügel mit lockerem, aber zwingenden Anschlag bei der virtuos herausgespielten Solokadenz.

Auch das Larghetto des zweiten Satzes wies verspielte Elemente auf und vertiefte die bereits im ersten Satz aufgenommene intensive Konversation zwischen Piano und Orchester. Das Rotterdam Philharmonic glänzte durch eine sensibel ausgearbeitete Dynamik sowie hohe Transparenz in allen Instrumentengruppen. Shanis Soli waren beinahe chopinesk angelegt – trotz des munteren Hin und Hers wehte so ein bisschen Melancholie durch den Saal. Das war auch beim abschließenden Rondo der Fall; dabei gelang es Orchester und Pianist/Dirigent, genau das Maß zu halten zwischen partieller Munterkeit und notwendigem Tiefgang. Das Publikum applaudierte begeistert: Vergessen war der Ärger zu Beginn des Konzerts, als im Parkett alle vier Reihen nach hinten rücken mussten, weil bei der Kartenvergabe etwas schief gelaufen war.

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