Weserburg zeigt Landschaftsbilder Land in Sicht auf dem Teerhof

Land in Sicht – der Titel der Ausstellung in der Weserburg, die am Freitag eröffnet wird, könnte wegen der sich allmählich klärenden Zukunft des Museums auf dem Teerhof durchaus doppeldeutig gewählt sein.
13.03.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Peter Groth

Land in Sicht – der Titel der neuen Ausstellung in der Weserburg, die heute eröffnet wird, könnte wegen der sich allmählich klärenden Zukunft des Museums auf dem Teerhof durchaus doppeldeutig gewählt sein. Ist er aber nicht, beteuert der Direktor des Hauses, Peter Friese. Die Präsentation „Land in Sicht“ versammelt knapp 100 Kunstwerke aus vier Jahrhunderten, deren Thema der Blick auf die Natur ist.

Landschaftsmalerei aus dem 17. Jahrhundert in einem Museum, das sich schon im Namen und vor allem programmatisch der modernen jüngeren Kunst widmet – das ist tatsächlich ein Novum und in der jetzt gezeigten Vielfalt noch nicht auf dem Teerhof zu sehen gewesen. Der Grund dafür, dass nun plötzlich Jacob van Ruisdael, Jan van Goyen und die Franzosen Bonnard, Corot und Courbet in die Weserburg eingezogen sind, ist schnell erklärt: Die Bochumer Privatsammlung Situation Kunst bot die Landschaften des 17., 19. und 20. Jahrhunderts mit Naturdarstellungen zeitgenössischer Künstler aus ihrem Bestand an.

Die Kuratoren Peter Friese, Guido Boulboullé und Julia Thiemann sahen darin die Chance, dieses heterogene Konvolut mit hochkarätigen Leihgaben (allein drei frühe Arbeiten von Gerhard Richter) von den seit Jahren mit der Weserburg verbundenen Sammlern Böckmann und Ströher zu ergänzen.

Nun erzählen die Kuratoren mit ihrer Schau der Arbeiten hochkarätiger Künstler aus Vergangenheit und Gegenwart nicht etwa im kunsthistorischen Sinn eine Geschichte der Landschaftsdarstellung aus 400 Jahren – dazu wären die Lücken in der Vielfalt dieses Genres allzu groß. Nein, ihnen geht es vielmehr um eine Gegenüberstellung, um die Chance für den Betrachter, Alt und Neu vergleichen zu können.

Wie hat sich die Darstellung des Stadtraums entwickelt, wie die des Gegensatzes von Stadt und Land, wie die der scheinbaren Idylle der freien Natur, und wie reagieren Künstler auf die Verletzung von Landschaft durch den brachialen Eingriff des Menschen? Auf diese und andere Fragen versucht die Ausstellung, Antworten in Malereien, in historischen und zeitgenössischen Fotografien und Videos zu geben.

Der Erkenntnisgewinn ist nicht in allen Räumen gleich hoch, weil die Themenstellung nicht immer sofort erkennbar wird. Das gilt nicht für den Raum mit Stadtlandschaften von Camille Corot bis Gerhard Richter, die um Fotografien von Walker Evans, André Kertesz und Wolfgang Tillmanns ergänzt werden.

Überzeugen kann auch der Raum, der die menschlichen Eingriffe in Landschaften thematisiert. Hier hängt Richard Mosses rotes Doppelbildnis eines riesigen Flüchtlingscamps im Kongo neben mystischen Landschaftsdarstellungen von Anselm Kiefer, einer trügerischen Idylle von Franz Radziwill und wütenden Übermalungen zweier Landschaften von Arnulf Rainer.

Selbst David Teniers um 1640 gemalte Landschaft mit Bauernhaus passt in diesen Rahmen – am Horizont dräut bei ihm ein riesiger Galgen. Klein und fein wirken zwei Kabinette in der Ausstellung: Dort wird Roy Lichtensteins grafische „Sunset“-Darstellung mit Aufnahmen der US-Navy von schaurig-schönen Atompilzen konfrontiert, dort versammeln sich im zweiten weiß gehaltenen Kabinett Fotografien und ein lyrisches Video mit Schneelandschaften und der verbrannten Erde nach einer Atomexplosion.

Selbst die Räume, in denen die Konfrontation von Alt und Neu in ihrer Sinnhaftigkeit verrätselt bleibt, überzeugen durch die Möglichkeit, interessante Werke bedeutender Künstler und junger Fotografen (Almut Linde, Michael Reisch) in „geballter“ Form sehen zu können. Die Weserburg geht mit dieser Ausstellung neue Wege – es ist offenkundig Land in Sicht.

Weserburg, Teerhof 20; Eröffnung am Freitag, 19 Uhr; bis 27. September. Geöffnet: Di. bis So. 11-18 Uhr, Do. bis 20 Uhr.

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