Kunst, Kultur und Kurioses Lange Nacht der Museen verzeichnet Plus bei Besuchen

Die Veranstalter der Langen Nacht der Museen können sich über ein Plus bei den Besuchen in diesem Jahr freuen. Den zahlreichen Interessierten bot sich ein vielfältiges Programm.
02.06.2018, 21:59
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Lange Nacht der Museen verzeichnet Plus bei Besuchen
Von Alexandra Knief

Die diesjährige Lange Nacht der Museen entwickelte sich auch in diesem Jahr zu einem Besuchermagneten. 22.400 Besuche verzeichneten die Veranstalter. Im Vergleich zum vorigen Jahr ergibt das ein Plus von 2000 Besuchen.

Kurz bevor sich am Sonnabend zahlreiche Türen zur Langen Nacht der Museen öffneten, war die Internetseite zur Veranstaltung bereits zusammengebrochen. Zu viele Menschen wollten sich noch schnell einen Überblick darüber verschaffen, was sie an diesem Abend und bis in die Nacht hinein erleben können. Mehr als 20 Einrichtungen vom Bunker Valentin in Bremen-Nord bis hin zum Krankenhausmuseum im Bremer Osten beteiligten sich an der Langen Nacht, die in diesem Jahr zum 18. Mal stattfand. Unter dem Motto „Unbekannte Welten“ konnten Besucher herausfinden, wie das so ist, nachts im Museum. Zwar wurden hier nicht, wie in der gleichnamigen Filmreihe, die Relikte aus längst vergangenen Tagen lebendig, es rannte kein echter Büffel durchs Übersee-Museum und auch in der Weserburg blieben die Clown-Fotografien von Cindy Sherman dort, wo sie hingehören: an der Wand. Lebendig gemacht wurde Kunst für die Besucher aber allemal.

„Genau so einen hatte ich auch!“, rief ein Mann begeistert, als er die Untere Rathaushalle betrat und zeigte auf einen Schulranzen aus Leder, der neben einer Infotafel hing. Der Ranzen ist Teil einer Sonderausstellung des Schulmuseums mit dem Titel „Schule und Jugendkultur 1960 bis 1975“ und nur eines von zahlreichen Relikten aus der Schul- und Freizeit dieser Jahre. Alte Schulbücher, Hefte und Tintenfässer treffen hier auf coole Flower-Power-Mode, kultige Brettspiele oder einen Tischfernseher mit Holzgehäuse, der Jugendlichen von heute vorkommen muss, als stamme er aus der Steinzeit. Ergänzt wird die Schau durch umfangreiche Informationstafeln und zahlreiche Projekte, die Bremer Schulen für die Ausstellung umgesetzt haben.

Grusel auch für Große

Vor dem Bremer Dom bildete sich gegen 18 Uhr bereits eine lange Schlage. Der Bremer Schauspieler und Autor Dirk Böhling las hier verschiedene Grusel- und Abenteuergeschichten vor. Eigentlich sollte sich die Lesung vor allem an Kinder und Jugendliche richten. Es waren aber größtenteils erwachsene Besucher, die den Raum der Stille, in dem die Lesung stattfand, fast bis auf den letzten Platz füllten. „Ich sehe hier einige Spätjugendliche“, scherzte Böhling zur Begrüßung, bevor er sich an einen Tisch setzte, vor sich einen großen Stapel Bücher. Zuerst las er „Der schwarze Mann“ von Christine Nöstlinger, eine eher lustige als gruselige Geschichte über einen Jungen, der nicht immer brav war, weshalb ihn seine Mutter immer wieder vor dem schwarzen Mann warnte, der unartige Kinder holt. Als dieser dann tatsächlich auftaucht, zeigt sich, dass es viel mehr die Mutter ist, die sich in Acht nehmen muss. Lebendig und mit breitem Stimmrepertoire las Böhling seine Geschichten und erntete viel Applaus.

Während auch in der Kunsthalle der Eingangsbereich am Abend immer voller wurde mit Menschen, die sich die Ausstellungen ansehen wollten, steckten andere Besucher schon mitten drin in der Welt der Blumenstillleben: in einem offenen Atelier konnten nicht nur kleine Kunstfreunde selbst kreativ werden und ihr eigenes Blumenbouquet aus grünem Draht und bunten Papierquadraten gestalten, frei nach dem Motto: Was die niederländischen Meister aus der Ausstellung „Tulpen, Tabak, Heringsfang“ können, das kann ich doch schon lange!

Anfassen erlaubt

Das Gerhard-Marcks-Haus war gegen 19 Uhr so voll, dass der Künstler Volker März bei seiner Lesung „Tote Künstler, rote Ohren und zahllose Affen“ immer wieder um Ruhe bitten musste, um fortfahren zu können. Alle bereitgestellten Stühle waren besetzt, der Andrang war so groß, dass einige Gäste sich sogar auf den überdimensionalen Radiergummis niederließen, die im Raum lagen – und eigentlich Teil der Ausstellung „Horizontalist“ mit Werken von März sind. Aber so ist das eben, wenn Bremen zur Langen Nacht der Museen lädt. Dann wird Kunst nicht nur lebendig, sondern ist in einigen Fällen ganz ausnahmsweise auch mal zum Anfassen da.

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+