Festival "Bremer Frühling" will Auszubildende ins Haus locken Lehrlinge ins Theater

Bremen. Eine Ausbildung ist mehr als Arbeiten und Berufsschule – auch kulturelle Bildung soll dazugehören. Damit mehr Auszubildende den Weg ins Theater finden, organisieren die Azubis des Hauses ein Festival.
11.03.2014, 20:00
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Lehrlinge ins Theater
Von Kathrin Aldenhoff

Eine Ausbildung ist mehr als Arbeiten und Berufsschule – auch kulturelle Bildung soll dazugehören. Damit mehr Auszubildende den Weg ins Theater finden, organisieren die Azubis des Hauses ein Festival.

Dieses Mal sind die Auszubildenden die Zielgruppe. Kathrin Radtke unterstreicht das: nicht Studenten, nicht Schüler. „Es ist ein Pilotprojekt, organisiert von Azubis für Azubis“, sagt die 20-Jährige, die am Theater Bremen gerade den Beruf der Marketing- und Kommunikationskauffrau erlernt.

Zum ersten Mal findet am Theater am Goetheplatz das Festival „Bremer Frühling“ statt. Vom 19. bis zum 23. März können Auszubildende elf vergünstigte Theatervorstellungen sehen und sich von den Auszubildenden des Theaters durch die Spielstätten führen lassen. Außerdem wird es eine Rallye geben, um die Arbeit hinter den Kulissen kennenzulernen, und Gespräche mit den Dramaturgen des Hauses. Die Rallye ist schon ausgebucht, 90 Auszubildende haben sich angemeldet – doppelt so viele wie ursprünglich geplant. Unter ihnen seien Handwerker, Auszubildende aus Dienstleistungs- und kaufmännischen Berufen, sagt Radtke, die das Projekt im Oktober 2013 mit zwei Mitauszubildenden ins Leben rief.

Intendant Michael Börgerding sagt, ihm sei es wichtig, dass außer den Auszubildenden des Hauses auch andere ins Theater kämen. „Ich glaube, dass es eine Barriere gibt, insbesondere vor dem Musiktheater.“ Mit dem Festival wolle man zeigen, dass Theater auch etwas für junge Leute sei, die nicht studierten.

Für das Projekt hat sich das Theater mit der Politik, der Handwerks- und der Handelskammer Bremen sowie den berufsbildenden Schulen zusammengetan. Die Senatorin für Bildung und Wissenschaft, Eva Quante-Brandt (SPD), betont: „Kultur ist auch für Auszubildende da.“ In den allgemeinen Schulen werde großer Wert auf kulturelle Bildung gelegt. Und die ende nicht mit dem Schulabschluss.

In Bremen sind jedes Jahr rund 15 000 junge Menschen in der Berufsausbildung. Für Michael Börgerding geht es also nicht nur darum, die Auszubildenden während des Festivals ins Theater zu locken – sie sollen auch wiederkommen. „Sie sollen erfahren, dass wir ein spannendes Programm haben“, sagt er. Das Theater wolle ihnen das Gefühl vermitteln, dass sie willkommen seien. Und wer einmal komme und Spaß habe, der komme wieder. „Das geht über Verführung, wie so vieles im Theater.“

Auszubildende sind nicht weniger kulturaffin als Studenten, davon ist Kathrin Radtke überzeugt. Nur der erste Schritt ins Theater sei schwierig. Wenn man vor dem Theater am Goetheplatz stehe, mache das schon Eindruck. „Man muss sich reintrauen, und zwar nicht nur im schicken Anzug.“

Handwerk und Kultur würden gut zusammenpassen, sagt die stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer Bremen, Angelika Pfeifer. Traditionell habe das Handwerk eine enge Verbindung zur Kultur. Und auch der Hauptgeschäftsführer der Handelskammer Bremen, Matthias Fonger, ist begeistert von der Festivalidee. Das Theater sei ein typischer Raum, um Weitblick und gesellschaftliche Teilhabe zu entwickeln, und soziale Kompetenzen neben den beruflichen aufzubauen.

Bis jetzt sind schon 150 Theaterkarten verkauft. Und Michael Börgerding hofft, dass dann ein anderes Publikum in der Verdi-Oper „La Traviata“ sitzt als sonst.

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