Shakespeare Company

Leicht und locker

„Midsummer“ ist ein komisches Duett, in dem Helena und Bob die Hauptrollen spielen. Die beiden kommen sich in einer rauschhaften Nacht näher - vielleicht. Ein flottes, sommerliches Stück Theater.
24.05.2019, 16:57
Lesedauer: 2 Min
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Leicht und locker
Von Iris Hetscher
Leicht und locker

Linnea George-Kupfer als Helena und Tim Lee als Bob gönnen sich eine Sommernacht jenseits aller Vernunft.

Marianne Menke

Bremen. Sommer in Schottland, das ist nicht unbedingt eine erfreuliche Angelegenheit. Und so regnet es denn auch ohne Unterlass, als sich Helena (Linnea George-Kupfer) und Bob (Tim Lee) in einer Bar irgendwie näher kommen. Sie, die abzockte Scheidungsanwältin, hat eine ganze Reihe gescheiterter Beziehungen hinter sich. Er, der einstige Überflieger in der Schule, ist Ex-angehender Poet, Ex-Bandleader, Ex-Visionär. Aber seit 1987 ging's bergab. Nun versucht sich Bob als Kleinkrimineller. Beide sind 35 Jahre alt, also im Mittsommer des Lebens, und sie strahlen diese gewisse Unfrohheit aus, die man verbreitet, wenn man nicht so richtig zufrieden ist mit dem, was bisher war, aber auch ohne rechten Plan, was noch kommen soll. Thirtysomethings, um einen Kampfbegriff der Vulgärsoziologie zu benutzen.

Der schottische Autor David Greig, einer der fleißigsten Schreiber für Theater und Film auf der britischen Insel, hat Helena und Bob und allen anderen, die sich ihnen ähnlich fühlen, das 2008 uraufgeführte Stück „Midsummer“ gewidmet. Am Donnerstag war es in der Bremer Shakespeare Company zum ersten Mal zu sehen. Die Company will damit ausprobieren, ob zeitgenössisches Theater von der Insel und auf Englisch ein weiteres Standbein sein könnte. Sollte es, möchte man nach dieser spritzigen Premiere raten – und gerne auch regelmäßig solches, das so schön unkompliziert von zwei Menschen erzählt, ohne sich in allen möglichen Metaebenen zu versteigen.

Greigs Komödie ist ein flottes, manchmal mit dem Boulevard flirtendes Duett, gespickt mit allerlei munteren Folkpop-Songs, dann kommen Gitarre und Geige zum Einsatz. Gastregisseur Guy Roberts hat mit viel Schwung und Sinn fürs Timing inszeniert und sorgt so für die passende Stimmung zwischen Melancholie und überkandidelten Ausbrüchen. Linnea George-Kupfer und Tim Lee spielen, singen, musizieren mit Verve und sichtlichem Spaß an der Freud und schlüpfen auch noch in alle Nebenrollen. Dann poltert ein fieser Gangsterboss über die Bühne oder ein zwölfjähriger Neffe klammert sich ans Bein von Tante Helena.

Ein bisschen Shakespeare

Natürlich ist ein bisschen Shakespearscher Sommernachtstraum in „Midsummer“ zu finden. Helena und Bob kommen sich also näher. Sie verbringen eine rauschhafte Nacht, in der sie auf allerlei merkwürdige Gestalten treffen, und, typisch britisch, begleitet von rauen Mengen Alkohol, noch merkwürdigere Sachen ausprobieren. Japanische Fesselkunst beispielsweise. Vielleicht gibt es nach diesen Erfahrungen sogar eine gemeinsame Zukunft? Vielleicht haben sie alles aber nur geträumt? Stück und Inszenierung beziehen einen nicht geringen Charme aus der Konstruktion des Textes, in dem dieses Könnte-sein-Moment stets mitschwingt. Greig lässt Helena und Bob ihre Geschichte und deren Variationen in der dritten Person erzählen, abwechselnd mit den Dialogen. „Midsummer“ bekommt dadurch etwas ironisch Filmisches, stets scheint die Handlung neben sich zu stehen. „Change is possible“ verkündet beharrlich eben nicht nur die Parkuhr, an der Helena fast verzweifelt.

Weitere Informationen

Die nächsten Termine: 26. und 31. Mai, 8. Juni und 21. Juni, jeweils 19.30 Uhr.

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