Die Städtische Galerie Delmenhorst entdeckt die vielseitige Künstlerin Hermine David neu / Bedeutende Buchillustratorin Liebling der Porträtmaler

Delmenhorst. Warum hat die Kunstwelt Hermine David vergessen? Nach großen Ausstellungen der französischen Malerin, Grafikerin und Illustratorin sucht man vergebens. Selbst die Aufnahme in die französische Ehrenlegion hat der 1970 verstorbenen Künstlerin kaum Aufmerksamkeit verschafft.
26.09.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Peter Groth

Delmenhorst. Warum hat die Kunstwelt Hermine David vergessen? Nach großen Ausstellungen der französischen Malerin, Grafikerin und Illustratorin sucht man vergebens. Selbst die Aufnahme in die französische Ehrenlegion hat der 1970 verstorbenen Künstlerin kaum Aufmerksamkeit verschafft. Neben dem Kölner Museum Ludwig ist die Städtische Galerie Delmenhorst eines der wenigen Häuser in Deutschland, das Werke der Künstlerin besitzt. In Delmenhorst wird Hermine David jetzt mit einer Ausstellung aus dem Dunkeln geholt.

Es gibt ein dickes Bündel von Gründen, warum Hermine David und ihr Werk so wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde und nun ausgerechnet in Delmenhorst angemessen gewürdigt wird. Ihr künstlerischer Nachlass ist vor allem in französischem, norwegischem und deutschem Privatbesitz weit verstreut, ihre über fünf Jahrzehnte entstandenen Illustrationen für rund 70 Bücher von Rimbaud, Rilke, Verlaine oder Proust reizten den Ausstellungsbetrieb eher nicht.

Dass die Städtische Galerie nun diese technisch überaus anspruchsvollen Grafiken zeigt, dass sie darüber hinaus freie Zeichnungen und zahllose Landschaftsbilder von Hermine David präsentiert, ist indirekt dem 1909 von Fritz Stuckenberg gemalten Porträt „Hermine David in gelber Jacke“ zu verdanken. Vor etwa drei Jahren untersuchte Galerieleiterin Annett Reckert dieses Hauptwerk Stuckenbergs näher, stieß in der Sammlung auf zwei weitere Porträts und auf Arbeiten Davids. Reckert und Aneta Palenga, inzwischen wissenschaftliche Mitarbeiterin des Hauses, recherchierten weiter und „entdeckten“ eine Künstlerin, die nach ihrem Studium am Beginn des 20. Jahrhunderts zum Kreis der Künstler des Pariser Café du Dôme zählte und ihre Bilder immer wieder in den Ausstellungen der Salons mit den Klassikern der damaligen Moderne zeigte. Andererseits stießen sie immer wieder auf Porträts, die Künstler von David fertigten.

Ihr markantes Aussehen reizte nicht nur Fritz Stuckenberg – Man Ray, die schwedische Expressionistin Sigrid Hjertén, Rudolf Levy, der Norweger Per Krohg und vor allem ihr Ehemann Jules Pascin malten und zeichneten sie wieder und wieder. Ein Ausstellungsraum der Städtischen Galerie zeigt allein diese eindrucksvollen Porträts in allen Lebenslagen. Fotografien und weitere Zeichnungen geben zudem Aufschluss darüber, dass Hermine David als Mitglied der Pariser Bohème mit Künstlerinnen wie Charlotte Gardel und Marie Laurencin, mit dem Grafiker Emil Orlik und vor allem mit der norwegischen Künstlerfamilie Krohg befreundet war.

Noch sind aber alle diese Beziehungen und das Leben der Hermine David nicht hinreichend erforscht – die beiden Kuratorinnen der Ausstellung, Annett Reckert und Aneta Palenga, vermuten beispielsweise in Japan noch viele Werke und rätseln, ob das Schicksal des Vergessens wie bei Hermine David typisch ist für Künstlerinnenbiografien, die ihren Anfang am Beginn des 20. Jahrhunderts nahmen. Diese Unklarheiten haben die Bremer Illustratorin Anke Bär gereizt, eine Graphik Novel zu Leben und Werk Davids zu entwickeln. Erste Zeichnungen sind schon jetzt in der Ausstellung zu sehen, die komplette Bildergeschichte soll dann ab 23. Oktober in der Remise der Städtischen Galerie vollendet werden.

Die Städtische Galerie Delmenhorst, Fischstraße 30, zeigt die sehenswerte Hermine-David-Ausstellung bis zum 22. Januar 2017. Geöffnet ist das Haus dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr.

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