Hellwache Poetin

Literaturpreis 2020 geht an Barbara Honigmann

Für ihren Roman „Georg“ erhält die Schriftstellerin Barbara Honigmann den mit 25.000 Euro dotierten Bremer Literaturpreis 2020. Der Förderpreis geht an Tonio Schachinger.
16.11.2019, 17:30
Lesedauer: 2 Min
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Literaturpreis 2020 geht an Barbara Honigmann
Von Katharina Frohne
Literaturpreis 2020 geht an Barbara Honigmann

Baraba Honigmann hat den Bremer Literaturpreis gewonnen.

Violetta Heise/dpa

Die Schriftstellerin Barbara Honigmann erhält den Bremer Literaturpreis 2020. Die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung wird der 70-Jährigen für ihren Roman „Georg“ verliehen. Mit dem Förderpreis und 6000 Euro wird Tonio Schachinger für sein Romandebüt „Nicht wie ihr“ geehrt. Feierlich überreicht werden beide Preise am 20. Januar.

Honigmann zeichne „in poetischer Prosa“ das „Porträt eines Bonvivant, Kommunisten und deutschen Juden“, das die Geschichte des 20. Jahrhunderts lebendig werden lasse, heißt es in der Begründung der Jury. „Es verbindet die Genauigkeit des Nahblicks auf die charakteristischen Details der Person mit hellwacher Aufmerksamkeit auf die bedrängenden Zeitumstände und deren Biografie.“

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Honigmann wurde 1949 in Ost-Berlin geboren; seit 1984 lebt sie in Straßburg. Bis 1972 studierte sie an der Humboldt-Universität Theaterwissenschaft, anschließend arbeitete sie als Dramaturgin und Regisseurin. Seit 1975 ist sie freie Schriftstellerin. 1986 erschien ihr Debüt „Roman von einem Kinde“. Barbara Honigmann gilt als Dichterin des Autobiografischen. Über ihre Arbeit als Autorin sagt sie: „Schreiben heißt ja wiederfinden. Die verlorene Zeit zum Beispiel oder sich selbst".

Tonio Schachinger ist der Gewinner des Förderpreises.

Tonio Schachinger ist der Gewinner des Förderpreises.

Foto: Detailsinn

Die Vergabe des Förderpreises begründet die Jury wie folgt: Mit „Nicht wie ihr“ sei Schachinger nicht nur „ein milieugetreues Fußballbuch“ gelungen; mit seinem Helden Ivo Trifunović „zeichnet der Autor das Bild eines Profikickers aus Wien, der mit Witz und kontrollierter Wut auf Zumutungen des Business, ethnische Vorurteile und eine vorgestanzte Sprache reagiert, ein Macho, haarsträubend und beinahe liebenswert“. Tonio Schachinger wurde 1992 in Neu-Delhi geboren. Er wuchs in Nicaragua und Wien auf, studierte Germanistik und Sprachkunst in Wien. Sein Erstlingswerk „Nicht wie ihr“ schaffte es auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises. Die Jury des 66. Bremer Literaturpreises tagte unter dem Vorsitz von Lothar Müller („Süddeutsche Zeitung“); zu den Mitgliedern zählten unter anderem Richard Kämmerlings („Die Welt“), Barbara Lison (Stiftung Bremer Literaturpreis) und Wiebke Porombka („Deutschlandradio Kultur“).

Übergeben werden die Auszeichnungen am 20. Januar 2020 im Bremer Rathaus. Am Vorabend der Preisverleihung wird es eine moderierte Lesung der Preisträger in der Glocke geben. Eingebettet ist die Preisverleihung in die 44. Literarische Woche Bremen, die sich dem Thema „Liebe in unübersichtlichen Zeiten. Lebens- und Liebesstile im Sog der Veränderung“ widmet.

Der Bremer Literaturpreis ist einer der ältesten und bedeutendsten Literaturpreise Deutschlands. Erstmals wurde er 1954 vergeben. 1977 kam der Förderpreis hinzu, der seit 2005 von der Öffentlichen Versicherung Bremen (ÖVB) finanziert wird. Im vergangenen Jahr waren Arno Geiger („Unter der Drachenwand“) und Heinz Helle („Die Überwindung der Schwerkraft“) ausgezeichnet worden.

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