Bremer Literaturpreis verliehen Lob der Eigenwilligkeit

Bremen. Der mit 20.000 Euro dotierte Bremer Literaturpreis ist am Dienstag in der Oberen Rathaushalle an Clemens J. Setz, der Förderpreis in Höhe von 6000 Euro an Roman Graf verliehen worden. Sie wurden für Bücher ausgezeichnet, in denen es um „Männer ohne Eigenschaften“ geht.
26.01.2010, 16:24
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Lob der Eigenwilligkeit
Von Iris Hetscher

Bremen. Der mit 20.000 Euro dotierte Bremer Literaturpreis ist am Dienstag in der Oberen Rathaushalle an Clemens J. Setz, der Förderpreis in Höhe von 6000 Euro an Roman Graf verliehen worden. Beide wurden für Bücher ausgezeichnet, in denen es, so die jeweiligen Laudatoren, um „Männer ohne Eigenschaften“ geht.

Diese Einschätzung passt wiederum zur Literarischen Woche, die traditionell um die Preisverleihung herum gebaut ist. Deren Motto lautet in diesem Jahr „Der Mann in der Krise?“, und auch in den Büchern von Setz und Graf geht es um Männer, die mit Umbruchsituationen fertig werden müssen. Ausgezeichnet wurden die beiden Autoren für die aus dem Mainstream herausragende Stilistik und die originäre Sprachgewalt, mit der sie ihre Geschichten erzählen.

Clemens J. Setz’ Roman „Die Frequenzen“ schafft dieses in einem Mammutwerk von mehr als 700 Seiten, wie sein Laudator und Literaturpreis-Jurymitglied Mathias Gatza hervorhob. Eine „unerhörte“ Sicht auf die Dinge entwickele Setz, die komplexe Doppelbiografie der Hauptfiguren Alexander und Walter schildere er bitterböse und ernst, dann wieder von Ironie durchtränkt. Erfrischend dabei: Die modische Diskussion um „Identitätskrisen“ und dergleichen interessiere Setz rein gar nicht. Er entwerfe die Wirklichkeit als „ein dichtes Gewebe, dem mit unseren Vorstellungen von in der Literatur tradierten Problemlösungsvorschlägen nicht beizukommen sei“. Das klingt nach Chaos und unkontrollierter Gedankenflut, sei aber akribisch durchkomponiert. Gatza abschließend in Richtung Setz: „Sie sind ein vielstimmiger Multi-Instrumentalist.“

„Herr Blanc“ heißt das Buch, für das Roman Graf prämiert wurde – er erzählt von einem, der sein Leben vor allem in Ordnung halten will, so Laudator Roman Bucheli. Alles, was Unruhe hineinbringt, wird ausgeschaltet; Blanc hat es, so Bucheli „in seiner Lebensuntauglichkeit zum wahren Künstler“ gebracht.

Da wäre es ein Leichtes gewesen, diesen Zauderer und Zu-Kurz-Kommer mit Spott zu überhäufen, doch das genau habe Graf vermieden. Aufbau und Stil seien unaufdringlich, der Roman eine klassische Tragikomödie. Genau das mache die Lebensgeschichte von „Herrn Blanc“ so bedrückend für den Leser.

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