Musikfest Bremen

Lobgesang und Freudeshymnen

Seit 30 Jahren gibt es das Musikfest in Bremen. Den Geburtstag des Festivals haben tausende Besucher bei der Auftaktveranstaltung „Eine große Nachtmusik“ mit vielen Konzerten gefeiert.
24.08.2019, 21:43
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Von Jean-Pierre Fellmer
Lobgesang und Freudeshymnen

Sebastian und Katja Ellinghaus sind zum zweiten Mal beim Musikfest – sie hören noch bis in die Nacht Musik.

Christina Kuhaupt

Eine Frau in einem schwarz-weißen Leoparden-Oberteil wedelt sich mit ihrem Fächer Luft zu. Auch andere Besucher spüren die Hitze im gut gefüllten Festsaal des Rathauses, ihre Gesichter glänzen leicht von Schweiß. Nicht alle sind so gut ausgerüstet wie die Dame, manche nutzen ihr Programmheft als Fächer. Dabei sind alle Fenster weit aufgerissen. Andreas Bovenschulte, Bürgermeister und Kultursenator, betritt ein kleines Podest und spricht noch vor seiner Begrüßung laut aus, was alle denken: „Jou, warm ist es hier drin.“

Anlass der Versammlung und der ausgelassenen Stimmung ist der offizielle Auftakt des Musikfests am Sonnabend mit dem Titel „Eine große Nachtmusik.“ Bovenschulte begrüßt nach ein paar einleitenden Worten des Musikfest-Intendanten Thomas Albert die Gäste: Es sind Bürgerschaftsabgeordnete gekommen, Mitglieder des Senats, Bürgermeister aus den umliegenden niedersächsischen Landkreisen und viele weitere Vertreter aus Politik und Wirtschaft. „Ich wünsche uns allen viel Spaß und Freude mit dem 30. Musikfest Bremen“, sagt Bovenschulte. 30 Jahre Musikfest – das sei eine stolze Zahl und keine Selbstverständlichkeit. Der Bürgermeister lobt das Konzept des Festivals: „Dieses Musikfest bringt Konzerte nach Bremen, die man anderswo in dieser Form nicht zu hören bekommt.“ Das passiere natürlich nicht von alleine, weshalb er demjenigen dankt, der maßgeblich für das Programm verantwortlich ist: dem Intendanten des Festivals, Thomas Albert.

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Als Bovenschulte den Namen Albert nennt, bricht Applaus im Publikum los – sogar einige Jubelrufe sind zu hören. Der Bürgermeister setzt seinen Lobgesang fort: Die Konzerte beim Musikfest seien zu 80 Prozent ausgelastet, eine gute Bilanz. Aus dem gesellschaftlichen Leben Bremens sei das Festival nicht mehr wegzudenken, und natürlich werde der Senat das Musikfest weiterhin zuverlässig fördern, verspricht er. Die CDU-Bundestagsabgeordnete Elisabeth Motschmann schließt sich dem Lob ihres Vorredners an und hebt hervor, dass der Schwerpunkt auf internationalen Künstler liege: „Es ist sensationell, wie Albert immer wieder die Welt nach Bremen bringt.“

Musikfest

Andreas Bovenschulte ist nicht nur neuer Bürgermeister, sondern auch Kultursenator Bremens. Er hat bei der „großen Nachtmusik“ ein Grußwort an Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Kultur gerichtet.

Foto: Christina Kuhaupt

Jedes Mal wieder schön

Während drinnen noch gesprochen wird, genießt Ann-Kathrin Nethe vor dem Gebäude die Sonne. Hier ist es zwar nicht kühler, aber es weht eine leichte Brise. „Also, ich besuche schon seit mindestens 20 Jahren das Musikfest, oder sogar länger“, sagt sie. Nethe und ihre Begleitung entspannen auf einer weißen Couch. „Vergangenes Jahr war ich aus privaten Gründen nicht hier, sonst aber wirklich jedes Jahr“, sagt sie. Erwartungen habe sie keine: Schön sei es sei immer, sie lasse sich überraschen.

Wenige Meter davon entfernt auf dem Marktplatz herrscht reges Treiben. Viele Musikfestbesucher stehen an kleinen Tischen, plaudern und prosten sich zu. Dazwischen befindet sich auch ein junges Paar: Katja und Sebastian Ellinghaus, 43 und 44 Jahre alt. „Ich war vergangenes Jahr zum ersten Mal beim Musikfest und fand es sehr schön – sonst wäre ich ja auch nicht wieder hier“, sagt sie. Erst gehe es in Innenhof der Nord-LB zu Bjarte Eike, danach zu Edgar Moreau in der Oberen Rathaushalle, und zum Abschluss hören sie im St.-Petri-Dom Vox Luminis. In den nächsten drei Wochen besuchen sie kein Konzert mehr. Leider, wie Katja Ellinghaus sagt: „Ich wäre gern noch zu Anna Netrebko gegangen, aber das Konzert war schon ausverkauft.“

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Während die beiden ihren Weißwein trinken, schlendert hinter ihrem Rücken ein Herrn im Anzug durch die Menge. Auf seinem Rücken ein Geigenkoffer, unaufgeregt blickt er über den Marktplatz. Zwei ältere Frauen sprechen einen jungen Mann an. „Entschuldigen Sie, können Sie bitte ein Foto von mir und meiner Freundin vor dem Rathaus machen?“, fragt die etwas Jüngere der beiden, die eine orangefarbene Jacke und einen knallpinken Rock trägt.

Ganz ruhig hingegen wirkt Martin Berthold. Der 85-Jährige hat zum fünften Mal die Auftaktveranstaltung besucht. „Früher war meine Frau dabei, die ist leider schon verstorben. Die Tradition halte ich trotzdem aufrecht.“ Er höre sich gleich das Schubert-Streichquartett im Haus Schütting an – das habe er früher mit anderen Musikern selbst einmal gespielt. Danach gehe es zum Violinkonzert in die Glocke. „Und zum Abschluss gibt es gepflegten Jazz“, sagt er mit einem Lächeln im Gesicht.

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