Trio Elf aus Bayern gewinnt dritten Bremer Jazzpreis – und begeistert auch das Publikum am meisten

Locker und selbstironisch

Bremen. Humor und eine lebendige Performance mit launigen oder einfach interessanten Ansagen sind nicht unbedingt typische Charakteristika für Jazz-Livekonzerte. Überhaupt sind Jazz und Spaß seit Fats Waller, Dizzy Gillespie oder Louis Armstrong heute kein gängiges Match mehr.
25.09.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von York Schaefer

Bremen. Humor und eine lebendige Performance mit launigen oder einfach interessanten Ansagen sind nicht unbedingt typische Charakteristika für Jazz-Livekonzerte. Überhaupt sind Jazz und Spaß seit Fats Waller, Dizzy Gillespie oder Louis Armstrong heute kein gängiges Match mehr. Jazz ist etabliert, man gibt sich lieber seriös. Und das, obwohl der Coolness-Faktor in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist.

Umso erfreulicher, dass der selbstironische, lockere Auftritt des Trio Elf bei der Verleihung des dritten Bremer Jazzpreises im Schlachthof ein Kriterium für die Auswahl der Siegerband aus München und Regensburg war. Natürlich nicht das einzige. Auch Dynamik und rhythmische Komplexität seien entscheidende Faktoren gewesen, erklärte die fünfköpfige Jury um die Sängerin Natalia Mateo nach den jeweils gut halbstündigen Auftritten der Finalisten Tubes & Wires, Johanna Borchert und dem Trio Elf. Auch die in die Bewertung mit einfließende Publikumswahl schien mehrheitlich für letztere Band ausgefallen zu sein.

Das Trio Elf ist eigentlich ein klassisch akustisch besetztes Jazztrio um Pianist Walter Lang, Schlagzeuger Gerwin Eisenhauer und Kontrabassist Peter Cudek, das aber vor allem auf rhythmischer Ebene Clubmusiken wie Drum & Bass und Hip-Hop in seinen Stil einbaut. Zudem gehört mit Mario Sütel ein Soundmischer dazu, der mit Loops sowie Hall- und Echoeffekten als eine Art vierte Stimme in den Trialog der Band eingreift und damit das Motto des diesjährigen Preises „Jazz und Elektronik“ bestens umsetzt.

Der Trio-Elf-Sound bewegt sich zwischen schweren, kantigen Grooves mit tanzbaren Hip-Hop- oder Two-Step-Beats und zarten, raumgreifenden Solopiano-Parts. Alle drei Bandmitglieder erzählen auf unterhaltsame Weise etwas über die Stücke, über Inspirationen, die schwierige Namensgebung und warum eine elegische Ballade nach den Proben plötzlich „Hammer Baby Hammer“ heißt. Ein würdiger Preisträger, der die Möglichkeiten des Piano-Trios innovativ elektronisch erweitert und live einen sehr lebendigen Gruppensound spielt.

So mancher im Publikum hatte wohl damit gerechnet, dass die in Bremen-Nord aufgewachsene Pianistin und Sängerin Johanna Borchert, 2015 Gewinnerin des Echo Jazz, dieses Heimspiel gewinnen würde. Musikalisch ist ihre Idee von zeitgenössischem Jazz sicherlich die innovativste. Borcherts Stimme ist von kontrollierter Kühlheit und klarer, beschwörender Kraft. Ihre Band ist eine Jazzband mit Rockinstrumenten, angereichert mit ihrem romantischen und trotzdem experimentellen Flügelspiel und den die Songs verknüpfenden Improvisationen per knarzend-elektronischen Sounds aus dem Moog-Synthesizer und flirrend-perkussiver E-Gitarre. Und trotz ihrer leicht unterkühlten Art zeigt auch Johanna Borchert Humor. Hochschwanger stellt sie ihr Quartett dem Publikum als Quintett vor.

Ebenfalls eine interessante Band – allein schon wegen der ungewöhnlichen Besetzung – war Niels Kleins Quartett Tubes & Wires aus Köln, das den Abend eröffnete. Neben der ebenfalls eher der Rockmusik entlehnten Besetzung mit Synthesizer, Gitarre, Bass und Schlagzeug, spielt Bandleader Klein vorwiegend tief wabernde, effektbeladene Bassklarinetten – die Tubes. Über die Wires, die Kabel, werden die verschiedenen Instrumente elektronisch miteinander verwoben. Ein gut groovender Sound zwischen Jazz, Elektronik und Rock, atmosphärisch allerdings etwas verhalten und zudem von Bands wie dem Tied & Tickled Trio schon vor einiger Zeit entwickelt.

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