Ausstellung im Citylab

Max Beckmann auf Bremer Art

Während die Kunsthalle gerade die Ausstellung „Max Beckmann. Welttheater“ zeigt, haben rund 30 hiesige Künstler drei Werke Beckmanns neu interpretiert. Die Ergebnisse sind im Citylab zu sehen.
04.10.2017, 17:40
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Max Beckmann auf Bremer Art
Von Alexandra Knief
Max Beckmann auf Bremer Art

Bei Christian Reimann spielt "Vor dem Kostümfest" in der Sögestaße.

Holzskulpturen treffen auf Wachsfiguren, abstrakte auf gegenständliche Kunst, Horror-Clowns auf Ballerinas. In der City Galerie sind derzeit mehr als 100 Kunstwerke versammelt, die stilistisch kaum unterschiedlicher sein könnten, sich inhaltlich aber alle mit dem gleichen Künstler auseinandersetzen: Max Beckmann.

Beckmanns Kunst wurde konfisziert

Anlässlich der Ausstellung „Max Beckmann. Welttheater“, die derzeit in der Bremer Kunsthalle zu sehen ist, haben sich etwa 30 Künstler aus Bremen und dem Umland mit der Kunst Beckmanns auseinandergesetzt. Genauer gesagt: mit den Werken „Apachentanz“, „Vor dem Kostümfest“ und „Selbstbildnis als Clown“, die im Original auch in der Kunsthalle zu sehen sind.

Mehr Farbe: Katja Bronners Interpretation von Beckmanns "Apachentanz".

Mehr Farbe: Katja Bronners Interpretation von Beckmanns "Apachentanz".

Ab Donnerstag (und noch bis zum 20. Dezember) präsentieren die Künstler unter dem Titel „So gesehen“ ihre Interpretationen der Werke im Citylab (ehemals Lloydhof) in der Bremer Innenstadt. Und dabei geht es durchaus auch politisch zu. Die Bremer Künstlerin Telly van der Smissen zum Beispiel setzt zwei Wachsfiguren zusammen: Zum einen Max Beckmann, seinem „Selbstbildnis als Clown“ nachempfunden, aber mit einem wichtigen Unterschied: Sein ausgestreckter Arm zeigt den Mittelfinger, und dieser richtet sich an die zweite Figur: einen knieenden Adolf Hitler. Beckmanns Werke galten während der nationalsozialistischen Diktatur in Deutschland als „Entartete Kunst“, die konfisziert und aus der Öffentlichkeit entfernt wurde. „Meine Beckmann-Figur sagt nun ihre Meinung dazu“, sagt van der Smissen. Ein wenig Humor schwinge in ihren Werken nicht selten mit und auch bei ihrem zweiten Beitrag zur Ausstellung nimmt sie ein wenig Dunkelheit aus Beckmanns Kunst. Entstanden ist dabei eine lebensgroße Figur nach dem Clown-Selbstbildnis, allerdings in knallig bunten Farben und im Stil des amerikanischen Pop-Art Künstlers Roy Lichtenstein. Auf den Beinen der Figur hat sie dabei Auszüge aus den Paragrafen zur entarteten Kunst aus der Nazizeit verewigt.

Vierte Kooperation zwischen City-Initiative und Kunsthalle

Christian Reimann hat die drei Beckmann-Vorlagen in einen bremischen Rahmen gesetzt. So wird das Selbstbildnis mit dem Bremer Roland verknüpft, die drei Frauen aus „Vor dem Kostümfest“ finden sich zwischen den Schweinen in der Sögestraße wieder und die zwei Figuren aus dem „Apachentanz“ tanzen inmitten des Brunnens auf dem Marktplatz. „Ich bin ein großer Freund Bremens, darum haben meine Bilder häufig einen Bezug zur Stadt“, sagt Reimann. Schon im vergangenen Jahr habe er in einer Ausstellung Werke von Max Liebermann in einen bremischen Kontext gesetzt. „Da standen dann Polospieler vor dem Weserstadion und Tennisspieler vor der Mühle am Wall“, erzählt der Künstler.

Max Beckmann muss nicht düster sein, findet Telly van der Smissen. Schon gar nicht, wenn man seine Werke im Stil Roy Lichtensteins neu interpretiert.

Max Beckmann muss nicht düster sein, findet Telly van der Smissen. Schon gar nicht, wenn man seine Werke im Stil Roy Lichtensteins neu interpretiert.

Zum vierten Mal kooperiert die City-Initiative mit der Bremer Kunsthalle. Auch zur Max-Liebermann-Ausstellung im vergangenen Jahr sowie zu den Ausstellungen von Picasso und Émile Bernard, die zuvor in der Kunsthalle zu sehen waren, hatte es Ausstellungen von Bremer Künstlern in der City Galerie gegeben. „Die Leute brauchen einen Zugang, einen Wiedererkennungswert bei den Bildern“, sagt Achim Breitkopf, Kurator der Ausstellung. „Die Besucher sollen diskutieren und vergleichen. So wird Kunst erlebbar gemacht.“

Kein festes Eintrittsgeld

Betreut werden die Ausstellungen abwechselnd von den Künstlern selbst, sodass Besucher auch mit einigen Machern der Werke ins Gespräch kommen können. Zusätzlich zu der Ausstellung haben die Verantwortlichen ein Theaterstück mit dem Titel „Mabek – Das Kostümfest“ auf die Beine gestellt, dass an zehn Abenden exklusiv für die Besucher der Ausstellung präsentiert wird. Im Anschluss gibt es jeweils die Möglichkeit eines Austausches bei Musik und Getränken. Ein festes Eintrittsgeld wird nicht erhoben. Die Gäste entscheiden selbst, wie viel sie für die Angebote zahlen wollen.

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