Konzertkritik

Max Raabe: Virtuoser Gesang und einstudierte Witze

Max Raabe und das Palastorchester haben das Bremer Metropoltheater an zwei Abenden gefüllt. Dabei sang er meisterhaft, doch seine Moderation zwischen den Liedern war zu glatt.
20.01.2019, 21:30
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Von Eva Przybyla
Max Raabe: Virtuoser Gesang und einstudierte Witze

Sänger Max Raabe lud das Publikum ein zu einer musikalischen Zeitreise durch die Goldenen Zwanziger.

Gregor Hohenberg

Max Raabe reißt das Bremer Publikum mit. Als er das Lied „Ich küsse Ihre Hand, Madame“ spielt, greift ein älterer Zuschauer beherzt nach der Hand seiner Frau. Selig schauen sie gemeinsam auf die Bühne, Hand in Hand. Während der Schlager „Wenn die Elisabeth nicht so schöne Beine hätt’ “ erklingt, hört man im Publikum ein leises, fröhliches Summen. Immer wieder mal singt jemand halblaut mit.

Max Raabe tourt derzeit unter dem Titel seines jüngsten Albums „Der perfekte Moment ... wird heut verpennt“, das im vergangenen Jahr erschienen ist, durch Deutschland. Am Sonnabend gab der Baritonsänger zusammen mit dem Palast Orchester das erste von zwei Konzerten im Bremer Metropol Theater. Erst vor einem Jahr hatte das Ensemble ein Gastspiel in der Stadthalle Osterholz-Scharmbeck gegeben und auch diesmal zieht Max Raabe die Fans ins Scharen an. Der große Saal ist voll.

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Die Bühne füllt eine dreistufige, weiße Treppe, auf der die zwölf Musiker und die Violinistin des Palast Orchesters musizieren. Je nach Stimmung leuchten die Stufen romantisch rot, feierlich grün oder nächtlich blau. Davor spielt Ian Wekwerth am schwarzen Flügel, der humorvolle Lieder gern mit der ein oder anderen Grimasse kommentiert. Im Halbdunkel, lässig an den Flügel gelehnt, steht Max Raabe und beobachtet aus dem Augenwinkel ein Solo. Der Sänger lässt dem Orchester, das er 1986 mitgegründet hat, seinen Raum. Und den bespielt es durchweg virtuos.

Humorvolle Variationen

Den Anfang macht das Ensemble mit dem selbst komponierten Lied „Guten Tag, liebes Glück“. Perfekt singt Raabe Höhen, Tiefen und kreiert besonders bei den wenigen eigenen Stücken eine mitreißende, musikalische Dynamik. Sein Hit „Kein Schwein ruft mich an“ schlägt beim Publikum besonders ein, auch dank humorvoller Variationen, die das Orchester ohne den Sänger spielt: mal asiatisch mit Kontrabass, mal mit Verve à la Frank Sinatra.

Den mehr als zweistündigen Auftritt füllen die Musiker jedoch größtenteils mit eingängigen Liedern aus den 20er- und 30er-Jahren. Für den originalgetreuen Soundtrack dieser Jahrzehnte sorgen das markante Xylofon (gespielt von Schlagzeuger Vincent Riewe) und das ungeheuer tiefe, gigantische Tenorsaxofon von Rainer Fox. Die Zeitreise durch die Goldenen Zwanziger gelingt. Es fehlen nur der Rauch, die kleinen Tische, an denen die Zuschauer Wein trinken, und – besonders bei den schnellen Tanzstücken wie „Du bist meine Greta Garbo“ – die Tanzfläche.

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Im Metropol Theater bleibt das Publikum leider an die Sitze gefesselt. Vielleicht unterhält es Max Raabe auch deshalb zwischen den Stücken mit Kabaretteinlagen. In seinen Einleitungen verbindet Raabe die musikalisch zwar anspruchsvollen aber textlich eher unterhaltsamen historischen Schlager mit der Jetztzeit. Überdeutlich und mit leicht antiquiertem Vokabular definiert er etwa ein analoges Adressbuch, das Smartphone-Nutzer nicht mehr kennen würden. Dann singt er das Lied „Du stehst nicht im Adressbuch“ von Leopold Paasch. Das Publikum lacht schallend darüber.

Witze steif und einstudiert

Bekannt vor kommen einem allerdings Raabes Witze über den Berliner Flughafen, die hatte er schon im vergangenen Jahr auf der Bühne in Osterholz-Scharmbeck zum Besten gegeben. Auch scherzt er immer wieder über die vermeintlichen Unterschiede zwischen Männern und Frauen, teils so flach, dass man sich an den Komiker Mario Barth erinnert fühlt. Allgemein wirken die Witze und Anmoderationen steif und einstudiert. Sicher passt dies auch teilweise zur neurotisch kontrollierten Kunstfigur Max Raabe. Allerdings nimmt es ihr auch jegliche Lebendig- und Glaubwürdigkeit.

Der bekannte Sänger wirkt am Sonnabend glatt, zu perfekt. Auf das Publikum reagiert er nur am Ende mit drei zusätzlichen Liedern. Den meisten Zuschauern scheint das nichts auszumachen, im Gegenteil: Sie feiern ihn mit Standing Ovations.

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