Gastbeitrag über Jazzmusik Mehr als nur eine musikalische Stilrichtung

Wer Jazz für eine weitere Stilrichtung neben Klassik, Rock oder Pop hält, liegt falsch, erklärt Ulrich Beckerhoff. Er findet: Es steckt viel mehr hinter dieser Musik.
13.05.2019, 15:46
Lesedauer: 2 Min
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Von Ulrich Beckerhoff

Ich möchte hier mit einem weit verbreiteten Missverständnis aufräumen, Jazz sei lediglich eine weitere musikalische Stilrichtung wie Klassik, Rock oder Pop. Aufgrund der spontanen Interaktion im Jazz müssen Musikerinnen und Musiker einer Band nämlich Fähigkeiten und Eigenschaften besitzen beziehungsweise entwickeln, die sich jeder Chef einer Firma oder eines großen Wirtschaftsunternehmens von seinen Mitarbeitern, Angestellten und Führungskräften wünscht:

hohe fachliche Kompetenz, persönliche Verantwortungsbereitschaft, die Fähigkeit zuzuhören, Risikobereitschaft, Führungs- und Teamfähigkeit, Kompromissbereitschaft, soziale Kompetenz, Weltoffenheit, schnelle Reaktionsfähigkeit in sich plötzlich ändernden Situationen.Dies alles sind Eigenschaften, die in jeder Stellenausschreibung einer Firma oder eines Wirtschaftsunternehmens eingefordert werden.

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Allerdings, anders als in der Wirtschaft, müssen diese Fähigkeiten von Jazzmusikerinnen und -musikern in einem Konzert vor Publikum live auf der Bühne im Hier und Jetzt in Sekundenschnelle abgerufen werden, damit großartige und mitreißende Musik entsteht. So werden durch Kommunikation, Improvisation und Spontanität emotionale Klangräume erschaffen, die weit über ein Konzert hinaus positiv nachhallen und damit einen notwendigen Kontrapunkt zu der materiellen Lebenswirklichkeit der meisten Menschen in der heutigen Zeit setzen.

In einer Jazzcombo spielen das Alter, das Geschlecht, der kulturelle Background, die Hautfarbe sowie die Religionszugehörigkeit keine Rolle! Von welchen Formen des Zusammenlebens von Menschen in beruflichen sowie in privaten Bereichen kann dies allen Ernstes behauptet werden?

Der Jazz hat sich in seiner kurzen Geschichte – er entstand vor etwa 100 Jahren in den USA – zu einer weltumspannenden Musikform entwickelt, in der die Improvisation, die individuellen Fähigkeiten und die Kommunikation untereinander die wichtigste Rolle spielen. Daher konnten sich auf allen Kontinenten diese Grundprinzipien des Jazz mit der jeweils regionalen und nationalen Musik mischen und verbinden.

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So ist der Jazz zu einer großartigen Weltmusik geworden, weit vor der Entstehung dieses Begriffs. Jazz ist gelebte Integration von Kulturen und Menschen aller Nationalitäten. Somit ist der Jazz weit mehr als nur eine musikalische Stilrichtung. Er ist eine Haltung. Dafür steht die Jazzahead in Bremen als weltweit größte und wichtigste Veranstaltung ihrer Art.

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Zur Person

Unser Gastautor ist national und international ausgezeichneter Jazztrompeter, Mitbegründer mehrerer Jazzgruppen und mit Peter Schulze künstlerischer Leiter des Festivals Jazzahead in Bremen.

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