„Meisterkonzerte“ in der Glocke

Durchaus Vorfreude zu spüren

Die laufende Spielzeit musste abgebrochen werden, doch Burkhard Glashoff von der Konzertdirektion Rudolf Goette blickt trotzdem optimistisch auf die nächste Konzertsaison. Das Programm steht bereits.
09.05.2020, 12:55
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Durchaus Vorfreude zu spüren
Von Iris Hetscher
Durchaus Vorfreude zu spüren

Die französische Pianistin Hélène Grimaud konzertiert zum offiziellen Auftakt der "Meisterkonzerte"-Saison.

C. Matt Hennek

Bremen/Hamburg. Am 10. März hat sich Burkhard Glashoff zum letzten Mal ganz regulär als aktiver Veranstalter gefühlt. An diesem Datum, einem Dienstag, fand das bisher letzte Konzert der Rudolf-Goette-Konzertdirektion Hamburg statt. Ab dann war Corona. Die Agentur besteht seit 80 Jahren, in Hamburg veranstaltet sie die ProArte-Konzerte in der Laeisz-Halle und in der Elbphilharmonie, in Berlin lässt sie Musiker im Konzerthaus auftreten. Die Bremer Klassikfreunde kennen den Namen der Konzertdirektion seit Jahren durch die Reihe der „Meisterkonzerte“ in der Glocke.

„Bis September findet bei uns nichts mehr statt, dann geht es aber wieder los“, sagt Glashoff, der in der Goette-Geschäftsführung für die Programmplanung zuständig ist. Er klingt zuversichtlich. Bis dahin „werden wir mit unserem Geschäftsmodell überleben“, fügt er hinzu. Falle aber auch noch die kommende Saison komplett ins Wasser, dann sicher nicht. Er erhoffe sich baldige Antworten für den Konzertbetrieb, nicht nur von der Politik übrigens. „Es liegt auch an uns selbst“, findet er – es müsse über Hygienekonzepte nachgedacht werden (siehe neben stehenden Text). Er ist zuversichtlich, dass das Publikum sich an Regeln halten werde bei bestuhlten Veranstaltung. „Zu denken ist da an Mundschutz und einen gestaffelten Einlass, zudem könnte man außerdem Desinfektionsmittel bereit stellen“. Man müsse positiv an solche Ausnahme-Strategien herangehen, das vermisse er derzeit in seiner Branche.

Das Publikum scheine dagegen anders drauf zu sein: Derzeit gebe es viele Anfragen nach Karten für die nächste Saison. Der Vorverkauf laufe gut, die Zahl der Abonnenten sei stabil. Glashoff erklärt sich das mit der Vorfreude, „die Leute möchten einfach nicht länger als nötig zu Hause sitzen“. Geprägt ist das Programm der nächsten Saison übrigens von Klaviermusik, weil „das Publikum das goutiert, wie wir festgestellt haben“, sagt Glashoff. Außerdem funktionierten Piano-Konzerte wegen der guten Akustik ausgzeichnet in der Glocke.

Sokolov holt Konzert nach

Das nächste „Meisterkonzert“ wird, außerhalb der eigentlichen Programmplanung, am 8. Oktober stattfinden. Dann spielt der Pianist Grigory Sokolov den Klavierabend, für den er eigentlich am 25. April anreisen wollte. Sokolov spielt unter dem Motto „mit zaubernden Händen“ ein Programm mit Werken von Mozart und Schumann. Das Konzert sei gut verkauft, so Glashoff, es gebe nur noch Restkarten.

Den eigentlichen Auftakt zur Saison 2020/21 macht dann eine weitere Klavierkünstlerin: Die Französin Hélène Grimaud musiziert am 10. November mit der Camerata Salzburg „Mozart ohne Maske“ mit den Klavierkonzerten 19 und 20 sowie der Fantasie in d-Moll. Dazu gibt's das elfte Streichquartett von Ludwig van Beethoven. Mit Khatia Buniatishvili kommt dann eine weitere Pianistin in die Glocke und zwar am 9. Dezember. Die in Georgien geborene Buniatishvili spielt Kompositionen von Bach, Liszt, Brahms, Chopin und Prokofjew. Der russische Pianist Daniil Trifonov und das NDR-Elbphilharmonie-Orchester unter seinem neuen Dirigenten Alan Gilbert runden das Klavierpaket am 5. Februar 2021 mit Musik von Schnittke, Prokofjew, Debussy und Strawinksky ab.

Die Ehre der Streichinstrumente zwischen all diesen weißen und schwarzen Tasten verteidigt mit einem vorweihnachtlichen Konzert am 21. Dezember Daniel Hope. Der Violinvirtuose wird vom Zürcher Kammerorchester begleitet, bringt zudem den Oboisten Albrecht Mayer mit, um gemeinsam Lieblingsstücke von Corelli, Bach, Vivaldi und anderen zu präsentieren. Ein Konzert, das bereits unter dem Eindruck der Corona-Krise geplant worden sei, ist das Aufeinandertreffen der Cellistin Sol Gabetta mit dem Pianisten Betrand Chamayou am 5. März 2021 so Burkhard Glashoff. Denn ein Kammerkonzert wie dieses sei, was das Abstandhalten angehe, besser über die Bühne zu bringen als der Auftritt eines Symphonieorchesters. Gabetta und Chamayou feiern mit diesem Auftritt auch den Beginn ihrer musikalischen Zusammenarbeit – die vor 15 Jahren in Bremen in der Glocke begann. Spielen werden sie unter anderem César Francks Sonate für Violoncello und Klavier in A-Dur.

Mit einem Testballon für die Konzertdirektion geht es am 26. März 2021 weiter, wenn die A-Capella-Gruppe Naturally 7 auftritt. Die sieben Musiker imitieren mit ihren Stimmen Instrumente. Die beiden letzten Konzerte der Saison: Die Berliner Barock Solisten am 16. April 2021 mit Bachs "Brandenburgischen Konzerten" und der Schlagwerk-Fex Martin Grubinger im Mai 2021 mit einem seiner inspirierenden "Grubinger & Friends"-Auftritte.

Info

Zur Sache

Vorschläge für Hygieneregeln

Die Deutsche Orchestervereinigung (DOV), die Interessenvereinigung der deutschen Berufsmusiker, hat einen umfangreichen Katalog mit Vorschlägen erarbeitet, unter welchen Voraussetzungen der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden könnte. Einige Beispiele:

- Mund-Nasen-Schutz für Dirigenten, Streicher, Tastenspieler, Schlagzeuger

- nur ein Spieler pro Pult und grundsätzlicher Abstand von 1,5 Metern

- Größere Abstände bei Sängern (bis zu sechs Meter) und Trennwände aus Plexiglas, auch für die Bläser, die ja keinen Mundschutz tragen können

- Proben getrennt nach Instrumentengruppen

- Kein Umkleiden mehr im Konzerthaus

Die komplette Liste unter: www.dov.org

Weitere Informationen

Abos für die Saison 2020/21 können ab sofort abgeschlossen werden, der Einzelkartenverkauf startet am 1. Juni unter anderem im Pressehaus an der Martinistraße und in allen regionalen Zeitungshäusern sowie bei Nordwest-Ticket unter 0421/36 36 36. Weitere Infos: www.meisterkonzerte-bremen.de

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+