Gastspiel in Bremen Mit Bastian Sick im Irrgarten der deutschen Sprache

Bremen. "Nur aus Jux und Tolleranz" heißt Bastian Sicks neues Programm, mit dem er sich in den Irrgarten der deutschen Sprache begibt. Am 25. Februar ist er damit im Bremer Congress Centrum zu erleben. Schon vorab hat er in Bremen über seine Karriere geplaudert.
25.02.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Sven Garbade

Bremen. Ist der Mann ein Oberlehrer oder ein begnadeter Entertainer? Die Bücher von Bastian Sick, allen voran "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod", sind Bestseller. Die Show-Bühne wurde zum zweiten Zuhause für ihn, der so erfolgreich sprachliche Kuriositäten sammelt. "Nur aus Jux und Tolleranz" (sic!) heißt sein neues Programm, mit dem er sich zur Zeit in den Irrgarten der deutschen Sprache begibt. Am 25. Februar ist er damit im Bremer Congress Centrum zu sehen.

Es ist schon eine bemerkenswerte Karriere, die dieser Bastian Sick hingelegt hat: Begonnen hat er als Archivar beim "Spiegel". Nach vier Jahren Nach vier Jahren wechselte er in die Online-Redaktion des Magazins, wo er als Schlussredakteur tätig war. Dort wurden seinen internen E-Mails die bekannten "Zwiebelfisch"-Kolumnen. Dabei hatte er zunächst einzig die grassierende Sprachschlamperei seiner Kollegen persiflieren wollen. Kurze Zeit später fanden sich seine gesammelten Glossen bereits ganz oben auf den Bestseller-Listen wieder. Heute füllt der 45-Jährige bereits so große Hallen, dass mancher Rockstar vor Neid erblassen dürfte: 150 000 verkaufte Karten sind die Bilanz seiner vergangenen Tour. Sick unterhält quasi im Alleingang ein Massenpublikum - die Kraft des kuriosen Wortes ist ihm Geleit genug.

Sprachanalyse als Beruf

Als wir Bastian Sick treffen, sitzt er bereits am schönsten Platz des Ortes. Vom blassgrünen Loriot-Sofa strahlt er uns an, dem Original-Requisit der legendären Fernseh-Sketche, das im Café von Radio Bremen eine Art Ehrenplatz bietet. Genau der richtige Ort also für einen wie Sick, der die humoristische Sprachanalyse zum Beruf gemacht hat. Und dabei gibt dieser Mann im blauen Shirt ein völlig anderes Bild ab, als der großväterliche Vicco von Bülow. Sick wirkt sportlich, ja asketisch. Disziplin ist vermutlich nicht nur für seine Medien-Auftritte notwendig; auch die vielen Briefe, die ihm teils fragende, teils empörte Leser zuschicken, erfordern akribische Sichtung. Drei Mitarbeiter beschäftige er zu diesem Zweck, sagt er, hinzu komme noch ein dramaturgischer Ratgeber für die Bühne. Die Sick-Maschine läuft gut.

Dass wir im Zusammenhang mit seinem Treiben von einer Kunst sprechen, freut ihn ganz besonders. Immerhin hat sich Sick in den wenigen Jahren seiner Karriere mittlerweile zu einer Art Institution entwickelt. Viele Schüler surfen bereits auf seiner Homepage und suchen bei ihm Antworten bei grammatischen Fragen - bevor sie ihre Lehrer fragen. "Es herrscht besonders bei Fragen zur Grammatik viel Aufklärungsbedarf", sagt Sick. Aber es geht ihm auch um Spaß. Selbstverständlich sollen seine Shows die Menschen zum Lachen bringen - wenn sich dazu noch ein Lerneffekt einstellt, umso besser. So präsentiert Sick beispielsweise merkwürdige Wortkreationen, die sich aus der Fehlplatzierung eines einzelnen Bindestriches ergeben können: "Jahrhundert-Wendevilla", "Mini-Golfgäste", "Fliesenfach-Geschäft" und dergleichen mehr. Auch die Versuche, geschlechtsneutrale Ausdrücke zu finden, gehen mit schöner Regelmäßigkeit daneben: "Liebe Mitglieder und Mitgliederinnen" habe man lesen müssen oder noch schlimmer: "Krankenschwester/in gesucht"!

Ein bisschen extrovertiert

Wie er dazu gekommen ist, diesen Sprachfehler-Teufel auf großer Bühne austreiben zu wollen, fragen wir ihn. Sick plaudert dann bereitwillig aus seinem Leben, sogar ein paar Jugendbilder zeigt er vor. Als jungen Menschen sehen wir ihn im Schülertheater, grotesk verkleidet. Er habe immer seine Fantasie ausleben wollen, erzählt er, und wenn man ihn so hört, dann wird klar, dass hier ein Bühnenkünstler spricht, dem das Extrovertierte nicht fremd ist.

Dann hält Sick uns das nächste Bild hin, wo er, vielleicht Anfang zwanzig, als Pulliträger im "Spiegel"-Archiv wühlt. Brav sieht er aus. Dort habe er "Dinge wegsortiert", sagt er - und dass diese Tätigkeit als "unterste Kategorie im Bereich Journalismus gilt", will er nicht beschönigen.

Kein Wunder also, dass der junge Mann aus dem kleinen Ort Ratekau bei Lübeck sich nach neuen Möglichkeiten sehnte, sich künstlerisch zu betätigen. Schreiben, spielen, "irgendetwas in dieser Art" habe er machen wollen. Viele Theaterstücke habe er als Jugendlicher verfasst, Dramatiker war sein erster Berufswunsch. Heute sei er all das in einem, was er bereits als Kind habe werden wollen: Autor, Regisseur und Schauspieler zugleich.

Vielleicht ist es auf Sicks enormen Medien-Erfolg zurückzuführen, dass sich nun auch kritische Stimmen melden. "Ja, die Linguisten halten mich für unseriös", sagt Sick, "aber wenn ich mich über alles ärgern würde - wie beispielsweise über Bücher wie ,Sick of Sick' -, dann hätte ich ja längst Magengeschwüre." Dazu ist dieser Bastian Sick nun natürlich nicht der Typ, er scheint kein sich Grämender, kein Grübler zu sein. Der Mann, der dort auf Loriots Sofa thront, scheint das Leben und auch seinen Erfolg zu genießen. Dann spricht er auch offenherzig von seinem Privatleben mit einem holländischen Freund. Und auch hier folgt sogleich die nächste Demonstration seines sprachlichen Könnens: Sick parliert ein paar Sätze auf Holländisch, was bei ihm ebenfalls ganz gut klingt. Eins wollen wir nicht vergessen: Ein guter Lehrer wäre er bestimmt auch geworden.

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